Archäologische Spuren in Kaiserstuhl deuten auf bäuerlichen Weiler hin

Archäologen haben bei Grabungen im Rahmen der Bauarbeiten für den Tunnel Kaisterstuhl in Obwalden unter anderem Überreste eines Kalkbrennofens und Hausmauern freigelegt. Die Spuren deuten auf einen bäuerlichen Weiler hin.

Robert Hess
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Bei den Grabungsarbeiten unterhalb des ehemaligen Hotels Landhaus konnten die Reste eines Kalkbrennofens entdeckt werden. Im Erdreich unmittelbar ausserhalb der Ofenwand fanden sich Keramikfragmente, die in das 14. Jahrhundert weisen.

Bei den Grabungsarbeiten unterhalb des ehemaligen Hotels Landhaus konnten die Reste eines Kalkbrennofens entdeckt werden. Im Erdreich unmittelbar ausserhalb der Ofenwand fanden sich Keramikfragmente, die in das 14. Jahrhundert weisen. 

Bild: PD / Prospect GmbH)

Der Ausgrabungsort liegt unterhalb der Brünigstrasse im Gebiet Owi-Land und dem ehemaligen Hotel Landhaus oberhalb von Giswil. Der kantonale Denkmalpfleger Peter Omachen sowie Archäologen und weitere Fachleute präsentierten gestern den Medien sowie Landammann Josef Hess vor Ort die bisherigen Ergebnisse der Ausgrabungen.

Der Ausgrabungsort liegt zwar nicht direkt an der Strecke der künftigen Umfahrung Kaiserstuhl, die in den nächsten zehn Jahren realisiert werden soll, um die Verkehrssicherheit zwischen den Umfahrungen Giswil und Lungern zu verbessern. Betroffen ist das Gebiet unterhalb der bestehenden Brünigstrasse aber, weil dort eine Wasserleitung erstellt werden soll, welche die künftige Baustelle ab Tunnel-Portal Nord mit Wasser und im Endzustand den Tunnel mit Löschwasser versorgen soll, wie Daniel Fanger, Projektleiter Strassenbau beim Kanton, gestern erklärte. Ausserdem muss dort wegen einer geplanten Aufschüttung ein Stall abgebrochen und wieder aufgebaut werden. Das Strassenprojekt werde durch die archäologischen Funde weder stark tangiert noch verzögert, versicherte Fanger.

Auf der untersuchten Fläche wurden die steinernen Fundamente eines Gebäudes entdeckt worden, das parallel zum Hang steht.

Auf der untersuchten Fläche wurden die steinernen Fundamente eines Gebäudes entdeckt worden, das parallel zum Hang steht.

Bild: PD / Prospect GmbH)

Erste Sondierungen fanden 2016 statt

Im Rahmen der Erarbeitung des Strassenbauprojektes seien im Gebiet des ehemaligen Hotels Landhaus bereits im März 2016 archäologische Sondierungen vorgenommen worden, heisst es in einer Mitteilung des Kantons. Dabei konnten in einem der fünf Sondierschnitte die Reste eines Kalkbrennofens entdeckt werden. Weil das Strassenbauprojekt in diesem Bereich nicht so angepasst werden konnte, dass der archäologische Befund unberührt gelassen worden wäre, wurde beschlossen, die Struktur des Ofens als Ersatzmassnahme auszugraben und zu dokumentieren. Der Ofen wird aber nicht an einen andern Ort geschafft, sondern wie die übrigen ausgegrabenen Objekte später wieder zugedeckt, um sie an ihrem Ort der Nachwelt zu erhalten, versicherte Hermann Fetz von der Kantonsarchäologie Luzern.

Im November 2019 begann die beauftragte Firma ProSpect aus Aaaraumit der Ausgrabung des Kalkbrennofens. Bei den weiteren Sondierungen im Bereich des neuen Stalles und der Zufahrt wurden die steinernen Fundamente eines Gebäudes von etwa zehn Metern Länge und mindestens vier Metern Breite entdeckt. «Der Grundriss weist auf drei unterschiedlich grosse Räume hin», erklärte Archäologin Kathrin Rüedi. Vermutlich sei in einem der Räume ein Ofen oder eine Feuerstelle gewesen.

Vom Schlüssel bis zum Tierknochen

Im Rahmen der Ausgrabungen kamen und kommen laufend Gegenstände wie Spinnwirtel, Keramik- und Glasfragmente sowie Gegenstände aus Eisen und Buntmetall, Schlüssel sowie Tierknochen zum Vorschein. Diese Gegenstände sind noch nicht analysiert. «Ein grosser Teil davon dürfte aus dem späteren Mittelalter oder der frühen Neuzeit, also irgendwo im 15. oder 16. Jahrhundert datiert werden», heisst es in der Mitteilung. Aufgrund der festgestellten Funde dürfte es sich beim Gebäude um ein Wohnhaus handeln. Möglicherweise habe in diesem Gebiet in der Nähe des Brünigweges ein bäuerlicher Weiler bestanden.

Verschiedene Funde kamen bei den Ausgrabungen zutage, Spinnwirtel, Keramik- und Glasfragmente, verschiedene Gegenstände aus Eisen und Buntmetall und zahlreiche Tierknochen, bei denen es sich höchstwahrscheinlich um Speiseabfälle handelt.

Verschiedene Funde kamen bei den Ausgrabungen zutage, Spinnwirtel, Keramik- und Glasfragmente, verschiedene Gegenstände aus Eisen und Buntmetall und zahlreiche Tierknochen, bei denen es sich höchstwahrscheinlich um Speiseabfälle handelt.

Bild: PD / Prospect GmbH)

Besonders interessant ist für die Archäologen der entdeckte Kalkbrennofen. Er sei damals auf über 900 Grad aufgeheizt worden, um Kalk zu brennen und daraus Mörtel als Baustoff gewerblich herzustellen, erklärte Archäologe Christian auf der Maur. Das Gebiet weise einen hohen Anteil von Kalkstein auf.

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