Auch Giswiler Hunde müssen an die Leine

Das neue Hundereglement hat die Hürde an der Urne geschafft. Damit gilt auch in Giswil wie in den übrigen Obwaldner Gemeinden die Leinenpflicht. Für das Referendumskomitee ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Matthias Piazza
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Die Hunde, das Wappentier Giswils, auf dem Verkehrskreisel bei der Brünig-/Panoramastrasse. (Bild: Pius Amrein, 16. Mai 2019)

Die Hunde, das Wappentier Giswils, auf dem Verkehrskreisel bei der Brünig-/Panoramastrasse. (Bild: Pius Amrein, 16. Mai 2019)

Mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 53,9 Prozent haben die Giswiler am Sonntag das neue Hundereglement angenommen (685 Ja zu 587 Nein). Dies bei einer Stimmbeteiligung von 49,6 Prozent. Damit müssen die Hunde ab künftig auch in Giswil auf öffentlichen Plätzen und Anlagen, auf Strassen, Trottoirs und Spazierwegen in Wäldern, am Waldrand und auf Wanderwegen angeleint werden. Ausschlaggebend für die Überarbeitung des Reglementes war eine Petition aus dem Jahre 2017, die eine Leinenpflicht verlangte, nachdem eine Familie mit Kindern von einem frei laufenden Hund angegriffen worden war. Zudem habe man immer wieder Rückmeldungen von Bürgern über streunende Hunde und gefährliche Situationen zwischen Mensch und Hund erhalten, sagte Gemeindepräsident Beat von Wyl im Vorfeld zur Abstimmung. Auch will der Gemeinderat so dem Hundetourismus Einhalt gebieten, der laut Gemeinderat in Giswil als einziger Obwaldner Gemeinde ohne Leinenzwang entstand.

«Das Thema ist in der Bevölkerung sehr kontrovers diskutiert worden, das widerspiegelt sich nun auch im relativ knappen Abstimmungsresultat», kommentierte der Giswiler Gemeindepräsident Beat von Wyl den hohen Nein-Stimmen-Anteil von 46 Prozent. «Wenn die Freiheit des eigenen Hundes eingeschränkt wird, löst dies Emotionen aus.» Dies wolle der Gemeinderat berücksichtigen und die Umsetzung des Reglements, dessen Zeitpunkt an einer der nächsten Gemeinderatssitzung bestimmt werde, mit Augenmass angehen. Der (schwarze) Hund ist übrigens auch das Wappentier Giswils.

Widerstand in der Bevölkerung gross


«Klar ist man in erster Linie enttäuscht über die Annahme des Hundereglements», gab Conny Dénervaud freimütig zu. Sie hatte mit weiteren Personen der IG Hundefreunde Giswil das Referendum ergriffen und mit 291 Unterschriften (nötig wären nur 50 gewesen) das Reglement an die Urne gebracht. Die kleine Differenz von nur 98 Stimmen sei für sie aber ein klares Zeichen, dass der Widerstand in der Giswiler Bevölkerung gegen das neue Reglement gross sei.

«Viele Hundehalter beklagten sich über die immer geringere Akzeptanz der Bevölkerung gegenüber Hunden.»

«Vor allem leidet das Tierwohl. Nun müssen wir die Hunde im Grunde ständig an der Leine führen und Hofhunde an die Kette legen. Das liegt nicht im Wesen des Hundes, der sich gerne bewegt und als soziales Tier den Kontakt zu Menschen und anderen Hunden sucht.»

Angeleint, werde er in seinem natürlichen Bewegungstrieb und den Erkundungsmöglichkeiten eingeschränkt.
Mit dem Sarner Modell hätte man gut leben können. «Leider hat uns die Bevölkerung von Giswil diese Chance nicht geboten», bedauerte Dénervaud. In Sarnen müssen Hunde im Gegensatz zum neuen Giswiler Reglement auf Wander- und Spazierwegen nur in dichtbewohntem Gebiet und im Waldgebiet nur im Winter und zwischen Dezember und Ende Juni angeleint werden.

Die Idee von Freilaufflächen

Für Conny Dénervaud ist klar, dass man es damit nicht bewenden lasse. «Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Wir werden das Gespräch mit dem Gemeinderat suchen.» Vor allem wolle man wissen, was es mit dessen Aussage in der Abstimmungsbotschaft auf sich habe, wonach die Bestimmungen auch Spielraum zuliessen, sodass keine allgemeine Leinenpflicht bestehe. Conney Dénvervaud denkt auch an die Schaffung von Freilaufflächen für Hunde, wo der Leinenzwang nicht herrsche. «Wenn das die Stadt Luzern kann, muss das für Giswil auch möglich sein.»