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Auch in Obwalden kämpfen Chöre ums Überleben

Der Männerchor Sarnen löst sich nach 109 Jahren auf. Damit gibt es in Obwalden nur noch einen einzigen Männerchor und drei Kirchenchöre. Gründe für das Chorsterben sind der Mangel an Nachwuchs und die Überalterung.
Philipp Unterschütz
Der Männerchor Sarnen an einem Auftritt. (Bild: Archivbild: Richard Greuter)

Der Männerchor Sarnen an einem Auftritt. (Bild: Archivbild: Richard Greuter)

«Da, wo ein Chor gegründet wird, möchte man ihn nicht mehr missen.» So tönte es, als am 15. Dezember 1909 im Kronensaal 53 Aktiv- und 7 Passivmitglieder den Männerchor Sarnen gründeten. Eine Feststellung, die sich in der 109-jährigen Vereinsgeschichte lange bewahrheitet hatte. Doch die Zeiten haben sich geändert – und zwar so sehr, dass an einer ausserordentlichen Generalversammlung am 11. Juli 2018 die Sänger des Männerchors Sarnen einstimmig beschlossen, den Chor per Ende Juni 2018 aufzulösen.

In einer Medienmitteilung heisst es, der Hauptgrund für die Auflösung sei «das zunehmende Desinteresse am Männerchorgesang in der Bevölkerung, der damit verbundene Mitgliederrückgang und die schleichende Überalterung». Der Chor konnte die einzelnen Stimmenregister nicht mehr ausreichend besetzen, Probleme gab es insbesondere in den oberen Stimmlagen. «Wir hatten zuletzt noch 21 Mitglieder, nur zwei davon waren jünger als 70 Jahre», sagt Erhard Meierhans, ehemaliger Aktuar des Männerchors Sarnen und mit seinen 73 Jahren einer der Aktiveren im Verein. Zu besseren Zeiten in den 1970er- und 80er-Jahren bestand der Chor aus etwa 40 Sängern. Man habe einiges versucht, um neue Mitglieder zu gewinnen und habe Neuzuzüger und Bekannte persönlich angesprochen. Genützt hat alles nichts. «Der Berufsdruck ist heute viel grösser, oft sind die Arbeitswege länger und das Freizeitangebot ist gewaltig gewachsen. Es fehlt vielen an Zeit», erklärt Erhard Meierhans, der auch noch Sekretär des Vereins Chöre Innerschweiz CIS ist, das Ausbleiben von Neuzugängen. «Viele Leute möchten sich nicht mehr in Vereinen binden, oder gar im Vorstand mitarbeiten. Projektchöre sind viel beliebter.» Und eine gewisse Mitschuld würden auch die Schulen tragen, weil immer weniger gesungen werde.

Fusion mit anderem Chor kam nicht in Frage

Nachdem der Männerchor Sarnen im Januar auch noch den Dirigenten verabschieden musste und keinen Nachfolger fand, war die Auflösung schon zu Jahresanfang mehr oder weniger beschlossene Sache. Auch eine Fusion mit einem anderen Chor kam nicht in Frage. «Es liessen sich vor allem aus Altersgründen zu wenige Mitglieder dafür begeistern.» Wer weiterhin singen wolle, müsse halt in einen anderen Chor wechseln, was zwei Mitglieder auch getan hätten.

Allerdings wird das Angebot stetig kleiner, betont Erhard Meierhans, der als CIS-Sekretär den Überblick über die Zentralschweizer Chor-Landschaft hat. In Obwalden gibt es nach der Auflösung des Männerchors Sarnen nur noch einen einzigen Männerchor (Sachseln-Giswil) und drei Kirchenchöre. «In unserem Vereinsgebiet werden jedes Jahr etwa zwei Chöre aufgelöst, alle haben das gleiche Problem mit der Überalterung», weiss Erhard Meierhans. Auch die Konzerte würden überwiegend von älteren Leuten besucht, meist Verwandte und Bekannte der Sänger. Die Zuschauerzahlen seien rückläufig. Weniger betroffen sind insbesondere in den ländlichen Gegenden die Jodlerchöre.

Für Erhard Meierhans ist die Vereinsauflösung nichts Neues mehr. Der Männerchor Sarnen, bei dem er seit acht Jahren Mitglied war, ist bereits der vierte Chor, der während seiner Mitgliedschaft aufgibt. Die Auflösung in Sarnen nach 109 Jahren sei eine triste Sache gewesen, erzählt Erhard Meierhans, der auf eine über 50-jährige Sängerlaufbahn zurückblicken kann. «Für mich ist das frustrierend.» Er habe sich auch noch nicht entschlossen, ob er dauerhaft dem Männerchor Sachseln-Giswil beitreten wolle, bei dem er zwischenzeitlich ausgeholfen habe. «Dort gibt es im August ebenfalls eine Sitzung zur Frage, wie es weitergehen soll und ich möchte nicht schon wieder in einen Verein, der sich womöglich bald auflöst.»

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