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Auf den Obwaldner Dächern liegt noch viel Potenzial für Solarstrom brach

Immer mehr Solarzellen werden auf den Dächern montiert. Doch das Potenzial ist noch riesig – einige Gemeinden sind aber schon weit.
Matthias Piazza
Ein Bauernhof in Flüeli-Ranft. (Bild: Boris Bürgisser, 13. Juni 2019)

Ein Bauernhof in Flüeli-Ranft. (Bild: Boris Bürgisser, 13. Juni 2019)

Wie gross ist das Potenzial für Solarstrom in der Schweiz? Dieser Frage ging die Organisation Swiss Energy Planning im Auftrag des WWF nach. Demnach werden im Schweizer Schnitt nur etwa drei Prozent der geeigneten Dachflächen für Solarstrom genutzt, schreibt der WWF in einer Medienmitteilung. Dieser Wert trifft in etwa auch in den Nid- und Obwaldner Gemeinden zu.

Sarnen führt mit 14 Prozent die Rangliste in Obwalden an. «Gemeinden sollten das Potenzial nach Möglichkeit nutzen», sagt Gemeindepräsident Jürg Berlinger dazu. «In den vergangenen Jahren bestückten wir immer mehr Dächer gemeindeeigener Liegenschaften mit Solarzellen, beispielsweise den Werk- und Entsorgungshof, die Mehrzweckhalle Kägiswil, zwei Wasserreservoire und bis Ende Jahr ist es auch beim alten Feuerwehrgebäude soweit.» So könne man schon um die 140 Haushalte mit Sarner Sonnenstrom versorgen. «Diese Entwicklung macht uns Freude», so Jürg Berlinger. Solarzellen seien auch auf dem Dach des Gemeindehauses denkbar, wenn dieses in den kommenden Jahren saniert wird.

Den zweiten Platz in Obwalden belegt Sachseln mit 6 Prozent, gefolgt von Alpnach mit 5 Prozent der genutzten Fläche.

Stansstad belegt 
Nidwaldner Spitzenplatz

Im Kanton Nidwalden belegt Stansstad den Spitzenplatz – mit 13 Prozent. «Dass sich unsere Bemühungen in der Statistik niederschlagen, freut uns», sagt Gemeinderat René Küchler. Auf Initiative der Gemeinde ist seit zwei Jahren auf der Autobahngalerie eine Solaranlage in Betrieb, welche Strom für 200 Haushalte liefert. Und seit vergangenem Jahr wird die Badi Stansstad bei schönem Wetter mit Strom vom eigenen Dach versorgt.

«Auf den Lorbeeren wollen wir uns aber nicht ausruhen», meint Küchler mit Blick auf die 87 Prozent noch brachliegenden Dachflächen. «Wir wollen dieses Potenzial in Zukunft noch besser nutzen.»

Die zweitplatzierte Gemeinde Ennetmoos bringt es auf 4,4 Prozent, gefolgt von Stans mit 3 Prozent. «Wir wissen, dass wir noch viel Luft nach oben haben», sagt der Stanser Gemeinderat Lukas Arnold. «Aber es macht wenig Sinn, auf alten Dächern Solarzellen zu montieren. Bei gemeindeeigenen Neubauten oder sanierten Liegenschaften sind Fotovoltaikanlagen aber schon ein Thema», beteuert er. So erhielten das im Bau befindliche Grundwasserpumpwerk Ober Milchbrunnen und der geplante Neubau beim Wohnhaus Mettenweg Solarzellen. Und auch beim zwölfjährigen Turmatt-Schulhaus gebe es Überlegungen in diese Richtung.

«Weit davon entfernt, die Klimakrise abzuwenden.»

«Zwar nutzen die besten Gemeinden in der Schweiz fast 23 Prozent des Potenzials», sagt Myriam Planzer, Projektleiterin Energiewende beim WWF Schweiz. «Doch mit einem schweizweiten Durchschnitt von 3 Prozent sind wir noch weit davon entfernt, die Klimakrise abzuwenden. Unser Land hat auf seinen Dächern ein noch fast unangetastetes Potenzial, um den Ausstieg aus Erdöl und Erdgas zu ermöglichen.»

Eine Antwort auf die Frage, warum das Potenzial so schlecht ausgenutzt wird, hat Myriam Planzer nicht. Auch die Gründe für die Unterschiede zwischen den Gemeinden waren nicht Teil der Auswertung. «Diese sollten aber dringend untersucht werden», so Planzer.

Gemeinden haben 
eine Vorbildrolle

In die Verantwortung nimmt sie die Gemeinden. «Mit ihren grossen Dachflächen auf ihren Liegenschaften können sie mit gutem Beispiel vorangehen.» Die Vorbildfunktion sei nicht zu unterschätzen. «Wir wissen aus Erfahrung, dass Solarzellen auf einem Hausdach die Nachbarn dazu animieren, ihr Dach ebenfalls mit Solarzellen zu bestücken», so Myriam Planzer.

Für sie steht ausser Zweifel, dass Solarenergie einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten kann. Dabei werden bekanntlich auch die Atomkraftwerke, welche zurzeit noch rund 40 Prozent des Strombedarfs in der Schweiz abdecken, abgeschaltet, wenn sie das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben. «Wenn wir die gut geeigneten Dächer voll für Solarstrom ausnützen würden, könnten wir schon mehr als die Hälfte des Schweizer Strombedarf abdecken», so Planzer.

Einwände, dass Solarzellen gar keine so gute Ökobilanz hätten, weil für deren Produktion viel Energie und Rohstoffe gebraucht würden, lässt sie nicht gelten. «Solaranlagen haben eine Lebensdauer von weit über 20 Jahren. Bereits nach zwei Jahren Betrieb ist die Energiebilanz ausgeglichen.» Was möglich ist, zeigt Onnens im Kanton Waadt. Dort werden 78 Prozent der geeigneten Dachflächen für die Gewinnung von Solarstrom genutzt – ein Schweizer Rekord.

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