Auf der Melchsee-Frutt wird hochstehende Klassik gespielt

Unter dem Titel «Klassik auf der Alp» setzten Bernhard Röthlisberger und das bekannte Amar Quartett auf rund 2000 Meter Höhe musikalische Meilensteine. Auch Werke Mozarts wurden gespielt.

Romano Cuonz
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Das Amar Quartett zusammen mit dem Klarinettisten Bernhard Röthlisberger. (Bild: Romano Cuonz (Melchsee-Frutt, 17. August 2018))

Das Amar Quartett zusammen mit dem Klarinettisten Bernhard Röthlisberger. (Bild: Romano Cuonz (Melchsee-Frutt, 17. August 2018))

Auf den Bergmatten von Melchsee-Frutt grasen noch Kühe. Man hört ihre Glocken bimmeln. Die letzten Sonnenstrahlen beleuchten Bergspitzen, beinahe rosa spiegeln sie sich im See. Eine romantische, klassisch alpine Stimmung. Auf alle Fälle wie gemacht für das Wiedererwachen einer Idee, die vom langjährigen Glogghuis-Hotelier und Musikliebhaber Franz Fürling stammt: «Klassik auf der Alp».

Nun hat sie Andre Fischer – der Besitzer des Hauses unter dem neuen Namen «Fischers Alpenhotel» – übernommen. Das kleine Festival wurde aus seinem 9-jährigen Dornröschenschlaf aufgeweckt. Pionier Franz Fürling und der bekannte Klarinettist Bernhard Röthlisberger als künstlerischer Leiter waren bereit, ein attraktives Programm zusammenzustellen. Der ursprünglichen Idee folgend haben sie dazu einige Kleinformationen eingeladen. Musik, die nahe beim Publikum ist – und deshalb doppelt berührt – soll es sein.

Mozarts Liebe zur Klarinette

Zum Auftakt trat am Donnerstagabend das Amar Streichquartett auf: Vier Streicher, die seit über 20 Jahren eine der führenden Formationen der Schweiz bilden. Einstudiert haben sie Perlen der klassischen Musik. Dies in Zusammenspiel mit dem Klarinettisten Bernhard Röthlisberger.

«Meilensteine» wollte das Ensemble auf der Alp setzen. Dazu hatte es Werke von Wolfgang Amadeus Mozart und Felix Mendelssohn Bartholdy einstudiert, die man eher selten hört. Dies, obwohl gerade sie einen klanglich unglaublichen Reichtum besitzen. Das galt schon für Mozarts fragmentarisches Allegro in B-Dur für Klarinette und Streichquartett, das man zum Auftakt gab.

Man spürte förmlich, welche Freude am Experimentieren Mozart gehabt haben muss. Und ebenso, wie die Musiker der Kleinformation diese Freude aufgenommen haben. Anna Brunner und Annina Wöhrle (Violinen), Marko Milenkovic (Viola) und Ofer Canetti (Violoncello) interpretierten jede Spielerei, jede Kapriole, jede bisweilen fast schon sprunghafte Idee des Komponisten mit gleich viel Vergnügen wie musikalischer Präzision. In wohltuend lockerem Zusammenspiel mit dem Klarinettisten Bernhard Röthlisberger liessen die Streicher den Funken Takt für Takt, Passage um Passage, aufs beinahe familiär um sie platzierte Publikum überspringen.

Auch Bartholdy war zu hören

Vor allem beim «Stadler-Quintett» – hier in einer selten gehörten Fassung für Bassett-Klarinette und Streicherquartett – wurde Mozarts sprichwörtliche Liebe zur Klarinette hör- und spürbar. Dem Komponisten war es 1789 gelungen, die Klarinette nachgerade vollkommen in den Streicherklang einzubetten. Vor allem das «Larghetto» spielten die fünf Musiker im Frutter Hotel so schön, dass man als Zuhörer unwillkürlich den Atem anhielt. Aber auch die heiteren, wienerisch angehauchten Passagen wurden meisterhaft interpretiert.

Eine wahre Trouvaille war auch das Streichquartett Nr. 2 in e-Moll, das Felix Mendelssohn Bartholdy vier Jahre vor seinem Tod seinem Bruder Paul zum Geburtstag geschenkt hatte. Dazu schrieb er: «Wie gerne hätte ich Dir was Besseres, Hübscheres zum Geburtstag geschickt, aber ich wusste nicht was.» Doch zu seiner Überraschung reagierte das Publikum schon bei der Uraufführung völlig begeistert. Und dies war auch auf Melchsee-Frutt nicht anders. Dem Amar Quartett gelang es, dieses rhythmisch eher unruhige Werk, das mit hohen Tempi ständig im Fluss bleibt, musikalisch einfühlsam darzubieten. Höchste Musikqualität auf beinahe 2000 Meter über Meer.

Klassik auf der Alp in «Fischers Alpenhotel» Melchsee-Frutt. Heute Abend, 20.30 Uhr. Infos gibt es hier.