Aufruf nach Freiwilligen löst in Obwalden einen Ansturm aus

In weniger als einer Woche erhielt das Kantonsspital Obwalden 300 Bewerbungen für Freiwilligenarbeit.

Marion Wannemacher
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«Ich bin überwältigt und extrem dankbar», sagt Eliane Emmenegger, die Leiterin des Personalwesens am Kantonsspital Obwalden. Vergangene Woche richtete das Spital via Website und Social Media einen Aufruf an die Bevölkerung. «Das Kantonsspital Obwalden sucht als Vorbereitung auf die Coronawelle flexible Hilfskräfte jeglicher Art, um einen Personalpool aufzubauen», heisst es darin. In nicht einmal einer Woche erhielt der Aufruf 47000 Klicks. Über 300 Interessierte haben sich bereits bei der Personalabteilung beworben, darunter auch fünf bis zehn Prozent Ärzte sowie mehr als 50 Pflegefachfrauen und andere Kräfte aus der Gesundheitsbranche. Laufend treffen noch weitere Bewerbungen ein.

Das Kantonsspital Obwalden bereitet sich auf viele Krankheitsfälle vor.

Das Kantonsspital Obwalden bereitet sich auf viele Krankheitsfälle vor.

Bild: PD

«Vom Coiffeur über die Pflegefachfrau, vom Arzt bis hin zur Arztsekretärin ist alles dabei», freut sich die Personalchefin. Die ersten Kräfte seien bereits kommende Woche im Einsatz, ergänzt Andreas Gattiker, CEO des Kantonsspitals Obwalden. Vielseitig seien die Aufgaben des Betriebs. «Vom Transport einer Probe zum Labor am Wochenende bis zum hoch spezialisierten Doktor, jede Hilfe ist willkommen», betont Gattiker.

Kantonsspital rüstet sich für Anstieg von Coronafällen

Das Kantonsspital wappnet sich für eine spätere Welle eines Anstiegs von Coronapatienten. Am Freitagabend meldete Obwalden 37 bestätigte Fälle (NW: 54). Man habe bereits diverse Massnahmen getroffen, versichert der CEO. Das Spital sei sicher ein wichtiger Teil in der Kette der Versorgungsmöglichkeiten, dazu gehörten aber ausserdem der kantonale Führungsstab, die Spitex, die Hausärzte und auch das Militär, das bereits angefordert sei.

Ab Mitte April stehen externe Betten im Kurhaus für solche Patienten bereit, die sich bereits auf dem Weg der Besserung befänden. Im Bettenlager unter der Notfallabteilung würden ab einer Fallzahl von 85 Coronapatienten Kranke vorübergehend aufgenommen werden können, bis sie auf ihre Station verlegt werden könnten. Inzwischen hat der Regierungsrat auf Antrag des kantonalen Führungsstabs verfügt, dass Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Personal mit Wohnsitz im Kanton Obwalden bei Bedarf zum Einsatz im Kanton verpflichtet werden können (wir berichteten).

Mit der Bearbeitung der über 300 Bewerbungen geht man in der Personalabteilung des Kantonsspitals pragmatisch um. Natürlich könne man nun nicht 300 Bewerbungsgespräche führen, versichert Eliane Emmenegger. Beim Fachpersonal ziehe man die beigefügten Dokumente zurate. «Es muss niemand einen Lebenslauf schreiben, der in der Küche Sandwiches schmiert», erklärt sie.

Je nach Kompetenz oder Situation werde auch die Frage der Entschädigung geklärt. Erhält jemand ohnehin die Lohnfortzahlung durch den Arbeitgeber oder arbeitet als rein ehrenamtliche Kraft? Dann handele es sich eher um Spesenpauschalen.

Helfen im eigenen Kanton aus Solidarität

Zur Frage der Motivation, warum sich jemand beim Kantonsspital Obwalden bewirbt, sagt die Personalchefin: «Es ist vor allem der solidarische Gedanke, der hier stark zum Ausdruck kommt. Jemand, der auswärts arbeitet, sagt beispielsweise: ‹Ich möchte in meinem Wohnkanton helfen.›»

Die im Aufruf angegebene Altersspanne der Bewerber von 18 bis 50 Jahren solle dabei keine Grenze darstellen, sondern einen Rahmen stecken. «Es kann nicht sein, dass jemand im Freiwilligendienst krank wird», so Emmenegger. Natürlich gelten für die rekrutierten Kräfte die gleichen Schutzmassnahmen wie für das Spitalpersonal punkto Hygienevorschriften, Personal- und Schutzkleidung. Unsicherheiten wie die Frage nach der Ansteckung im persönlichen Pflegekontakt mit Coronapatienten könne natürlich niemand ausschliessen.

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