Aufschüttungen schaffen mehr Natur am Südufer des Alpnachersees

Ein Spatenstich per Klappe von einem Lastschiff aus war gestern auf dem Alpnachersee angesagt. Es war der Start zum Projekt der Aufwertung des Südufers als Teil des Hochwasserschutzprojektes.

Robert Hess
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Das Klappschiff Reuss der Firma Arnold aus Flüelen transportierte die ersten 340 Tonnen Ausbruchmaterial in die Mündungsbucht der Sarneraa. (Bild: Robert Hess, Alpnach, 24. Juni 2019)

Das Klappschiff Reuss der Firma Arnold aus Flüelen transportierte die ersten 340 Tonnen Ausbruchmaterial in die Mündungsbucht der Sarneraa. (Bild: Robert Hess, Alpnach, 24. Juni 2019)

Statt der üblichen Schaufeln und Helme fassten die gut 20 Behördenmitglieder, Vertreter der Unternehmungen und Gäste beim kleinen Bootsanlegeplatz am Südufer des Alpnachersees Schwimmwesten. Und die erste Schaufelarbeit übernahmen die Klappen an der Unterseite der vier grossen offenen Behälter des Urner Lastschiffes Reuss. Per Knopfdruck vom Führerhaus des Schiffes aus setzte sie der Obwaldner Baudirektor Josef Hess erstmals in Gang. Dieser Vorgang mit je 340 Tonnen Ausbruchmaterial aus der Kraftwerkserneuerung Ritom im Tessin an Bord wird sich in den kommenden Monaten einige hundert Mal wiederholen. Das Material wird jeweils zuvor nach Flüelen transportiert, wo es auf ein Lastschiff der Firma Arnold in Flüelen umgeladen und in rund dreistündiger Fahrt ans Südufer des Alpnachersees überbracht wird.

«Etwas von den Urnern abgeschaut»

Diese Material-Transporte sind Teil des Projektes «Aufwertung Südufer Alpnachersee» und dieses ist ein Teil des Projektes «Verbesserung der Hochwassersicherheit Sarneraatal». «Dessen Herzstück ist sicher der Hochwasserentlastungsstollen Ost», so der Obwaldner Landstatthalter Hess weiter. Wohin mit dem Ausbruchmaterial?, sei die Frage gewesen. Ein Teil sei als Baustoff wiederverwertbar, aber für rund 120000 Kubikmeter hätte der Weg nur auf eine Deponie geführt. Doch dann sei das Projekt Aufwertung Südufer Alpnachersee ins Spiel gebracht worden, «eine Idee, die wir zugegebenermassen etwas den Urnern abgeschaut haben», meinte Josef Hess augenzwinkernd. Mit diesem Projekt füllen wir eine Zone wieder auf, in der während 70 Jahren wertvoller Sand gewonnen wurde», so der Baudirektor weiter. «Wir schaffen damit die Grundlage für neue ökologisch wertvolle Flachwasserzonen und Flachmoore und wir schaffen die Voraussetzungen, dass hier wieder ein natürliches Delta der Sarneraa wachsen kann. Zudem werde das Südufer als Erholungslandschaft aufgewertet. Geplant sei eine «spannende Wasserlandschaft, an der sich Wanderer und Naturliebhaber erfreuen können.» Möglich sei auch der Bau eines Aussichtsturmes. Der Kantonsrat hat am 24. Januar einen Kredit von 11 Millionen Franken für das Projekt genehmigt.

Der Partner aus dem Tessin

Vorerst soll nun ein Teilprojekt «Mündungsbucht Sarneraa» realisiert werden, sagte Projektleiterin Anje Marten vom Amt für Wald und Landschaft gestern. Für dieses Teilprojekt gehe man von einem Schüttvolumen von rund 350000 Kubikmetern aus. Vom Stollenausbruch werden aber nur rund 120000 Kubikmeter anfallen. Im Tessin, bei der Firma Ritom, haben die Obwaldner einen guten Partner fürs restliche Material gefunden. Dieses stammt aus der Kraftwerkserneuerung Ritom und sollte eigentlich auf eine Deponie im Mittelland gebracht werden, doch die Partnerschaft Obwalden/Tessin funktionierte und das Material wird nun bis im Winter 2019/2020 mit dem Lastschiff angeliefert.

Spannendes Projekt, «sehr gute Lösung»

Laut Projektleiterin Anje Marten ist das Material aus dem Tessin wasserbeständig, dasjenige aus dem Hochwasserentlastungsstollen nur bedingt. Das Material aus dem Stollen wird mit Lastwagen an den See transportiert und über schwimmende Förderbänder geschüttet. Gemeinderätin Regula Gerig meinte am gestrigen Spatenstich, es sei ein spannendes Projekt, wobei sich nicht alle vorstellen könnten, was da genau realisiert werde. «Ich bin aber überzeugt, dass es der Bevölkerung etwas bringen wird.» Und Mario Koksch vom Bundesamt für Umwelt sagte auf Nachfrage: «Mit Aufschüttungen diese ökologische Aufwertung zu realisieren, ist eine sehr gute Lösung.»