Auslöser für Panik bei Kuhherde im Melchtal bleibt unklar - keine Hinweise auf den Wolf

Die genetisch ausgewerteten Proben haben keine gesicherten Hinweise ergeben, wer oder was die Panik bei einer Kuhherde ausgelöst hat und zum tödlichen Absturz von acht Kühen führte.

Philipp Unterschütz
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Ein Wolf im Tierpark Goldau.

Ein Wolf im Tierpark Goldau.

Bild: Romano Cuonz (Goldau, 16. Oktober 2019)

Nur eine von neun Kühen überlebte, als vor einem Monat im Melchtal eine Herde dermassen in Panik geriet, dass acht Tiere in ein Tobel stürzten. «Einen solchen Vorfall habe er noch nie erlebt, sagte Bauer Roland Bucher, auf dessen Land sich der Absturz ereignete. Die Tiere gehörten aber zur benachbarten Alp Bettenebnet. Das heisst laut Bucher aber auch: «Die Kühe haben mehrere Kilometer zurückgelegt und sind in Panik herumgerannt.»

Umgehend nach dem Vorfall ging die Suche nach der Ursache für die Panik der Tiere los. Die aufgebotene Wildhut nahm verschiedene Proben. Am Dienstag teilte nun der Kanton mit, dass man die Ursache noch nicht geklärt habe. Die zwischenzeitlich vom Laboratoire de Biologie de la Conservation de l’Université in Lausanne genetisch ausgewerteten Proben hätten keine gesicherten Erkenntnisse ergeben. Die Speichelprobe von einer Verletzung des geretteten und nicht abgestürzten Tiers sowie eine ab einem Kuhhorn entnommene Haarprobe seien nicht auswertbar, hat das Labor dem Kanton mitgeteilt. Offenbar liegt das nicht etwa daran, dass die Proben nicht richtig entnommen worden wären, sondern das Labor habe von einem erstmals aufgetretenen Problem bei der Analyse berichtet, sagt Andreas Bacher, Leiter Abteilung Wald und Natur beim Kanton Obwalden.

Speichelprobe wird nochmals analysiert

Besonders wichtig wäre aber die Auswertung einer Speichelprobe, die an einer Verletzung der überlebenden Kuh entnommen wurde. Damit könnte via genetische Probe zweifelsfrei bestimmt werden, ob ein und allenfalls welches Tier am Vorfall beteiligt gewesen wäre. «Von dieser Probe wird jetzt eine zweite Untersuchung gemacht», so Andreas Bacher weiter. Das Ergebnis dürfte wohl erst in einigen Wochen vorliegen.

Andreas Bacher, Leiter Abteilung Wald und Natur beim Kanton Obwalden.

Andreas Bacher, Leiter Abteilung Wald und Natur beim Kanton Obwalden.

Bild: Obwaldner Zeitung

Eine weitere Probe – es handelt sich um Tierkot, der rund ein Kilometer vom Ort des Geschehens gefunden worden war – konnte das Labor dagegen auswerten. «Gemäss den Laboruntersuchungen konnte die Probe einem Haustier zugewiesen werden», heisst es in der Medienmitteilung des Kantons. Auf Nachfrage will Andreas Bacher nicht genauer präzisieren, um was für ein Tier es sich handelt. «Es war ein Haustier. Und es ist ein Tier, das nicht fähig ist, bei einer Kuhherde eine derartige Panik auszulösen.»

Vorfall hat auch eine politische Dimension

Andreas Bacher bestätigt, dass man etliche Anfragen und auch Mutmassungen erhalten habe, was denn nun die Gründe für den Vorfall seien. Auch bei unserer Zeitung fragten diverse Leser nach. Klar ist, dass bei der Klärung auch eine politische Komponente mitschwingt. Auf Twitter schrieb beispielsweise die Obwaldner SVP-Nationalrätin Monika Rüegger kurz nach dem Vorfall: «Jetzt reicht’s mit dem Wolf!!!!». Dazu postete sie die Bilder der im Melchtal verunglückten Kühe. Gleichzeitig warb sie für ein Ja zum nationalen Jagdgesetz, das am 27. September dieses Jahres zur Abstimmung kommt.

Andreas Bacher wehrt sich vehement gegen Aussagen, wonach die Informationen des Kantons vor dem Hintergrund der anstehenden Abstimmung politisch gefärbt seien. «Wir halten gar nichts unter dem Teppich. Wir sind verpflichtet, fachlich begründet, offen und transparent zu informieren.»

Keine Hinweise auf eine Wolfspräsenz im Melchtal

Rita Burch, Besitzerin von fünf der verunfallten Tiere, sagte nach dem Vorfall: «Die Kühe waren zwischen zwei und elf Jahre alt. Somit waren sie erfahren und haben beispielsweise auch schon Gewitter erlebt. Derart in Panik geraten sind sie noch nie.» Zu möglichen Ursachen wollte sie sich aber nicht äussern, es sei alles offen. Bauer Roland Bucher hingegen vermutete, dass ein Wolf der Auslöser für die Panik war.

Andreas Bacher dagegen sagt, dass keinerlei Erkenntnisse aus der Zeitspanne vor und seit dem Absturz der Rinder und Kühe vorliegen würden, die auf eine Beteiligung eines Wolfs als Auslöser des Absturzes hinweisen. «Im Gebiet in Melchtal wurden auch keine Risse, Beobachtungen oder andere Feststellungen hinsichtlich einer Wolfspräsenz gemacht.» Es gebe zum jetzigen Zeitpunkt absolut keine Beweise, dass ein Wolf im Spiel gewesen sei.

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