Ausstellung erzählt 900-jährige Geschichte des Engelberger Klosters

In der Burger Galerie in Brienz wird die wechselhafte Beziehung zwischen dem Engelberger Kloster und der Kirche von Brienz aufgezeigt.

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(jb)

«Engelberg und Brienz» nennt sich die neue Ausstellung in der Burger Galerie in Brienz. Diese wurde mit der Vernissage des vergangenen Samstags eröffnet. Die Verbindung von Engelberg und Brienz mag auf den ersten Blick Erstaunen auslösen, hat in Tat und Wahrheit aber eine lange Tradition. Aus Anlass des 900-Jahr-Jubiläums des Engelberger Benediktinerklosters wird in der Burger Galerie mit einer Ausstellung ein Blick auf diese Geschichte geworfen.

Pater Romuald Mattmann und Bernhard Mathyer, Präsident der Burgergemeinde Brienz, in der Burger Galerie.

Pater Romuald Mattmann und Bernhard Mathyer, Präsident der Burgergemeinde Brienz, in der Burger Galerie.

Bild: PD

Begonnen hat alles in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. In der von Kaiser Friedrich II. im Jahr 1213 ausgestellten Urkunde bestätigt dieser die Kirche von Brienz als klösterlichen Besitz Engelbergs. Dies nach einer Schenkung des gesamten Kirchensatzes durch Freiherr Kuno von Brienz. Warum Engelberg und nicht Interlaken zu dieser Schenkung kam, ist mit dem Streit des Brienzer Freiherrn mit der Interlakner Propstei begründbar. Mit dieser Schenkung wurde dem Kloster Engelberg das Recht zugesprochen, die Priesterstelle in Brienz zu besetzen sowie das Kirchengut zu verwalten und zu nutzen.

Dies hatte bis im Jahr 1528 Bestand, als die Stadt Bern dem Oberland und dem Haslital die Reformation verordnete. Die dadurch abgebrochenen Beziehungen lebten unter Abt Leodegar Hunkeler (Abt von 1931–1956) wieder auf. 1941 wurde in Brienz eine Kapelle eingeweiht, zu welcher der Engelberger Abt ein Glasfenster im Chor finanzierte. Heute reist einmal im Monat der Engelberger Benediktinerpater Romuald Mattmann über den Brünig, um in dieser Kapelle sowie in Meiringen und Hasliberg einen Gottesdienst zu feiern.

Mario Fuchs hat zentrale Holzskulptur geschaffen

Die Ausstellung in der Burger Galerie führt die Besucherinnen und Besucher durch die Beziehungsgeschichte zwischen Brienz und dem im Jahr 1120 von Konrad von Sellenbüren gegründeten Kloster. Im Zentrum der Ausstellung steht eine lebensgrosse Holzskulptur. Sie stellt den ersten Vorsteher des Klosters, Abt Adelhelm, dar. Geschaffen wurde die Skulptur von dem in Hofstetten bei Brienz aufgewachsenen und dort tätigen Holzbildhauer Mario Fuchs. Er hat dabei die Legende von der Entstehung der Adelhelmsquelle vor dem Kloster in Engelberg aufgegriffen. Aus dem grossen Holzklotz ist die mit der typischen Mönchskutte der Benediktiner bekleidete Figur entstanden. Die von Mario Fuchs angefertigte Skulptur diente als Vorlage für die seit Mai 2020 im Klosterhof auf einem Brunnen stehende Bronzeskulptur.

In der Ausstellung zu sehen ist ebenfalls die wohl erste überlieferte Illustration der heutigen Kirche auf dem Burgstollen. Sie stammt aus einer im Stiftsarchiv in Engelberg aufbewahrten Handschrift (Codex 327) aus dem Jahr 1428 und ist gleichzeitig das älteste Engelberger Ex Libris (Stempel oder Zettel zur Kennzeichnung des Eigentümers). Nicht in der Ausstellung fehlen darf der sogenannte Brienzer Ornat. Dieses liturgische Gewand aus grünem Damast brachten die Brienzer bei der Reformation im Kloster Engelberg in Sicherheit, wo der Brienzer Ornat bis heute aufbewahrt wird.

Die Ausstellung in der Burger Galerie Brienz ist jeweils am Samstag und Sonntag von 14 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Spezialführungen werden auf Anmeldung angeboten.

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