Bauprojekt
In Alpnachstad soll die Artenvielfalt trotz einer Überbauung erhalten werden

Dass sich Biodiversität und Bauen gegenseitig nicht ausgrenzen, zeigt ein Projekt in Alpnachstad.

Beat Christen
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Alain Grossenbacher (links) und Biologe Beat von Wyl auf dem Land hinter dem Hotel Rössli in Alpnachstad.

Alain Grossenbacher (links) und Biologe Beat von Wyl auf dem Land hinter dem Hotel Rössli in Alpnachstad.

Bild: Beat Christen

Die Meinungsunterschiede sind gross, wenn sich ein Naturwissenschafter und ein CEO eines Bauunternehmens über das Thema Bauen und Biodiversität austauschen. In eben diesem Gespräch mit dem Giswiler Biologen Beat von Wyl stellt Alain Grossenbacher von der Eberli AG Sarnen die Hypothese auf, dass eine grüne Mastwiese über eine geringere Biodiversität verfügt als eine Überbauung auf derselben Fläche mit Fokus auf die Förderung von Biodiversität. «Die Biodiversität ist nach der Bebauung höher als zuvor», so die Behauptung von CEO Grossenbacher. Die Begründungen des Bauprofis, «dass dabei die Vielfalt des Lebens zunimmt, weil Tiere, Pflanzen, Pilze und Mikroorganismen genauso zum Ökosystem gehören wie der Mensch», erstaunen den Biologen. «Vielleicht auch deshalb», meint Beat von Wyl, «weil man solche Aussagen aus dem Mund von Baufachleuten nicht unbedingt erwartet.»

Gemeinsam erkunden Alain Grossenbacher und Beat von Wyl danach das Land hinter dem Hotel Rössli in Alpnachstad. Dabei kommt von Wyl zum Schluss: Die zwei Gewässerräume links und rechts der Wiese sowie die grosse Freifläche bieten eine gute Ausgangslage für die Förderung der biologischen Vielfalt. Das in der Folge vom Biologen erarbeitete Konzept zur Förderung der Biodiversität auf der Parzelle Rösslimatte überzeugt schliesslich auch die Planer und Entwickler bei Eberli. «Mit der Umsetzung leistet das Wohnquartier Südbreite in Alpnachstad als Pilotprojekt einen Beitrag an die Artenvielfalt, indem im Quartier auf eine nahtlose Verschmelzung des Wohnraums mit der umliegenden Natur geachtet wird», fasst Beat von Wyl das Konzept zusammen und ergänzt: «Im Zwischenraum wird die Idee zur Schaffung einer eigenen kleinen Biosphäre konsequent umgesetzt.»

Förderung des natürlichen Wasserhaushalts

«Autofreie und gut durchlüftete Aussenräume sorgen für Ruhe und frische Luft. Grosse Bäume bieten Schattenplätze, Hecken und Blumenwiesen mit einheimischen Arten schaffen Privatsphäre und bilden wichtige Lebensräume für Vögel, Schmetterlinge und Bienen», sagt Grossenbacher. Die Verwendung von wasserdurchlässigen Materialien und «naturnah gehaltenen Feuchtflächen» würden den natürlichen Wasserhaushalt fördern. Auch sorgen sie laut dem Obwaldner Biologen von Wyl auch im Sommer für ein «angenehmes Klima».

Mit der Umsetzung dieser Massnahmen erfüllt das Quartier Südbreite die Anforderungen der Stiftung Natur und Wirtschaft für eine vorbildliche Areal- und Umgebungsgestaltung. Die Überbauung hat nun das Vorzertifikat für naturnahe Umgebungsplanung erhalten.

Biodiversität «nicht zwingend teurer»

Von Wyl freut es, «dass beim Wohnquartier Südbreite die Auseinandersetzung der Bauherrschaft mit dem Thema Biodiversität und der daraus resultierenden Umsetzung aufzeigt, dass vieles möglich ist.» Auf der anderen Seite sagt Alain Grossenbacher: «Wir sind aufgrund der gemachten positiven Erfahrungen beim Projekt in Alpnachstad heute überzeugt, dass Biodiversität sogar im bebauten oder im städtischen Raum möglich ist.» Wichtig sei, dass man von Anfang an die richtigen Partner in ein Projekt einbeziehe und die gewillt sei, Mensch und Natur miteinander zu verweben. Das Obwaldner Unternehmen wolle dem Thema Biodiversität auch künftig ein besonderes Augenmerk schenken. Grossenbacher: «Wir haben in Alpnachstad die Feststellung gemacht, dass Biodiversität nicht zwingend teurer ist. Vorausgesetzt, man geht das Thema von Anfang an richtig an.»