Behindertengerecht ist noch weit entfernt. Dutzende von Haltestellen warten in Nid- und Obwalden auf den Umbau

Rund 100 Postauto-Perrons müssen in Nidwalden umgebaut werden. Auch in Obwalden gibt's noch viel zu tun. Dafür bleibt noch bis Ende 2023 Zeit.

Matthias Piazza
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Die Busperrons beim Bahnhof Stans sind noch nicht behindertengerecht umgebaut.

Die Busperrons beim Bahnhof Stans sind noch nicht behindertengerecht umgebaut.

Bild: Matthias Piazza (Stans, 8. Oktober 2020)

Die Zeiten, als der Postautochauffeur die Rampe herunterklappen muss, damit der Rollstuhlfahrer mit dem Postauto mitfahren kann, sollten in gut drei Jahren mehrheitlich der Vergangenheit angehören. Zumindest, wenn es nach dem Behindertengleichstellungsgesetz geht. Dieses schreibt nämlich vor, dass bis Ende 2023 alle Haltestellen behindertengerecht umgebaut sind, sofern dies in einem Kosten-Nutzen-Verhältnis steht. Damit müssen rund 100 von knapp 150 Nidwaldner Bushaltestellen bis Ende 2023 angepasst werden. Beim restlichen Drittel kann wegen des schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnisses auf den Umbau verzichtet werden.

In Nidwalden fiel der Startschuss zum Umbau im Dezember des vergangenen Jahres, als die Haltestelle Engelbergstrasse in Stans angepasst wurde. Auf einem 18 Meter langen Abschnitt wurde das Trottoir auf 22 Zentimeter angehoben, womit der Einstieg in den Bus praktisch ebenerdig möglich ist.

Doch es gibt noch viel zu tun. Erst etwas mehr als zehn Prozent dieser gut 100 Haltekanten sind bis jetzt auf die behindertengerechte Höhe angepasst, wie Stephanie von Samson, Vorsteherin des Nidwaldner Amts für Mobilität, auf Anfrage sagte. Gegen 80 Prozent seien in Planung. 60 der anzupassenden Haltestellen liegen auf Gemeindegebiet, das heisst innerorts auf Kantons- oder Gemeindestrassen, Finanzierung und Umsetzung liegen darum in der Verantwortung der jeweiligen Gemeinde. Der Kanton hat knapp 20 Haltestellen umzubauen. Aktuell sind die Haltestellen Stansstad, Werkhof, und Emmetten, Sagendorf, im Bau. Jene bei der Kaserne in Oberdorf wurde kürzlich angepasst. «Wir achten darauf, dass wir den Haltestellenumbau mit Belagssanierungen oder sonstigen Strassenbauprojekten verbinden können, um Synergien zu nutzen», begründet Stephanie von Samson die vermeintlich willkürliche Reihenfolge. Weil mehrere Bauprojekte miteinander verbunden würden, könne man auch nur schwer die Kosten für den Umbau der Haltestellen beziffern. Sie gehe davon aus, dass die besagten Haltestellen fristgerecht umgebaut werden können.

Im schweizweiten Schnitt

Nidwalden befindet sich beim Fortschritt der Umsetzung in guter Gesellschaft. Denn die Behindertenorganisation Inclusion Handicap schätzt, dass schweizweit bis Ende Jahr erst rund zehn Prozent der Bushaltestellen behindertenkonform umgebaut sind.

Weiter ist die Zentralbahn. Dort ist auf Nid- und Obwaldner Gebiet Niederrickenbach-Station die einzige Haltestelle, deren Perron noch nicht die erforderliche Höhe aufweist. Gunthard Orglmeister, Leiter Infrastruktur der Zentralbahn, ist zuversichtlich, dass der Umbau fristgerecht durchgeführt werden kann.

Auch in Obwalden hat man sich auf den Weg gemacht

In Obwalden – dort ist jede Postautohaltestelle Sache der Gemeinde – hat Kerns diesen Sommer den Startschuss für den Haltestellenumbau gegeben. So werden die Postautohaltestellen Sand und Stöckalp voraussichtlich noch dieses Jahr behindertengerecht umgebaut. Auch die Haltestellen Post, Boll, Chäli-Burgflue, Foribach, Melchtal Dorf und Melchtal Sportcamp, St. Niklausen alte Post sowie St. Niklausen Alpenblick werden zurzeit überprüft, wie es auf Anfrage heisst.

Auch in Alpnach hat man sich auf den Weg gemacht. «Eine Studie für den Umbau der Haltestelle Bahnhof Alpnach Dorf läuft, bei den anderen Haltestellen wird zuerst überprüft, ob überhaupt ein Umbau gemacht werden muss. Eine Anpassung der Haltestellen verknüpfen wir nach Möglichkeit mit anderen Bauprojekten, wie etwa jenen, die im Rahmen des A8-Vollanschlusses umgesetzt werden», sagt Gemeindepräsident Marcel Moser.

In Sarnen prüft der Gemeinderat zurzeit, welche der 26 Postautohaltestellen zu priorisieren sind. «Bis zum Ablauf der Frist Ende 2023 haben wir die gesetzlich notwendigen Anpassungen abgeschlossen», sagt dazu Gemeinderat Raphael Disler.