Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Besondere Begegnung zweier Musiker in Sachseln

Der 22-jährige Kanada-Schweizer Emmanuel Gasser kam nach Sachseln, um hier sein Vorbild, den 95-jährigen Hans Della Torre, kennenzulernen.
Romano Cuonz
Der junge kanadisch-schweizerische Handorgel-Virtuose Emmanuel Gasser (rechts) trifft erstmals sein Idol, den 95-jährigen ehemaligen Obwaldner Volksmusikstar Hans Della Torre. Bilder: (Romano Cuonz (Sachseln, 27. September 2018))

Der junge kanadisch-schweizerische Handorgel-Virtuose Emmanuel Gasser (rechts) trifft erstmals sein Idol, den 95-jährigen ehemaligen Obwaldner Volksmusikstar Hans Della Torre. Bilder: (Romano Cuonz (Sachseln, 27. September 2018))

Ein einzigartiges Bild am Donnerstag nachmittag im Sachsler Felsenheim: In der Cafeteria sitzt der 22 Jahre junge Nachwuchs-Akkordeonist Emmanuel Gasser aus Kanada neben dem heute 95-jährigen Obwaldner Ländlermusik-Altmeister Hans Della Torre. Und die beiden diskutieren – obwohl zwischen ihnen 73 Jahre liegen – lebhaft miteinander. Übers virtuose Spiel auf der Handorgel mit der Klaviertastatur etwa. Emmanuel Gasser hat im Felsenheim – es steht ja unter dem bezeichnenden Motto «LebensArt im Alter» – soeben mit seinem virtuosen Spiel das Publikum begeistert. Dass er dabei vor allem auch einige Stücke, die Hans Della Torre vor vielen Jahrzehnten komponiert hat, vortrug, rief vor allem bei den vielen Senioren im Publikum Erinnerungen wach.

Ja, wie war das doch damals, als Della Torre in der berühmten Formation Bucheli-Della Torre einige Trophäen, unter anderen die damals grösste Auszeichnung «California Trophäe», gewann? Und die Zeiten erst, als er als Begleiter Ruedi Rymanns mit den legendären Jodelliedern «Gämselijäger» oder «Schacherseppli» unzählige Auftritte hatte? Tempi passati. Aber jetzt, wo der alte Mann seinem jugendlichen Nachfolger begeistert zuhört, taucht Bild um Bild wieder auf.

In der halben Welt bis nach Japan aufgetreten

Obwohl Hans Della Torre zu seinen Glanzzeiten (etwa in der Kapelle mit Sepp Bucheli, Oskar Della Torre und Ernst Abächerli) von Berlin über Kalifornien bis Japan (dort mit der eigenen Kapelle Hans Della Torre) in der halben Welt auftrat und praktisch jeden Tag im Radio zu hören war, ist er stets bescheiden geblieben. Dies, obschon er zu seinen Glanzzeiten auch mal als «Ländlerkönig» bezeichnet worden war.

«Wie nun der junge Kanadier Emmanuel Gasser mich über seinen Schweizer Onkel Paul Gasser um mein Notenheft mit 22 Stücken gebeten hat, stimmte ich sofort zu», sagt der Musiker, der am 15. Oktober seinen 95. Geburtstag feiern darf. Wenn er so zurückdenke, kämen auch die Erinnerungen wieder. «In jungen Jahren machte ich bei der ‹Familia-Fabrik› oft mutterseelenalleine Nachtschicht», sagt Della Torre.

Da seien ihm oftmals schöne Melodien in den Sinn gekommen. Die ganze Nacht habe er sie vor sich hingepfiffen. Nur, damit sie nicht schon am Morgen vergessen seien. Selber Noten schreiben konnte der Obwaldner Nachkomme einer norditalienischen Einwanderer-Familie nicht. «Ich trällerte meine Melodien etwa Kaspar Muther oder Sepp Feierabend vor, und die schrieben sie dann auf», besinnt er sich. Und mit einem fast bewundernden Blick auf den jungen Musiker aus Kanada: «Ich freue mich, dass ein so guter Akkordeonist meine Kompositionen pflegt und gar in Amerika aufführt.»

Familie mit 160 Milch- und Mastkühen

Und wer ist der junge Virtuose, der den betagten Obwaldner unbedingt kennenlernen wollte? Emmanuel Gasser wurde 1996 in Kanada geboren. Er ist eines von sechs Kindern des Franz Gasser vom Sarner «Riedli» und der Barbara Gasser- Wettstein aus Zollikon. Das Paar wanderte vor 31 Jahren nach Sudbury, nördlich von Toronto, aus. «Heute bewirtschaftet unsere Familie 300 Hektar Land mit 160 Milch- und Mastkühen und ich helfe mit», erzählt Gasser.

Mutter Barbara unterrichtete ihre Kinder selber. Und als klein Emmanuel neun Jahre alt war, brachte sie ihm auch das Spiel auf dem Akkordeon bei. Er war ein Naturtalent. Aber er übte auch; oft sechs bis acht Stunden am Tag.

Einen Sieg nach dem anderen geholt

«Meine Familie unterstützte mich dabei unglaublich und verschaffte mir stets die nötige Zeit», sagt der junge Musiker. Und dankte dafür mit einem Wettbewerbssieg nach dem andern. Schon mit 13 gewann er an einem Festival in British Columbia in allen Kategorien. 2013 liess er sich in Victoria (Vancouver Island) als Kanadischer Meister feiern. Und 2016 gewann er an den Nordamerikanischen Meisterschaften in Washington 3000 Dollar Preisgeld.

Emmanuel Gasser.

Emmanuel Gasser.

«Auch wenn ich als Landwirt Musik nicht professionell betreibe, spiele und komponiere ich heute Stücke von der Volksmusik bis zu Klassik und Jazz auf dem Akkordeon», sagt Gasser. Und: «Es war ein grosser Wunsch von mir, Hans Della Torre kennenzulernen, weil mein Vater so viel von ihm erzählt hatte.» In den USA und Kanada seien die Innerschweizer Stücke inzwischen überall auf grosses Interesse gestossen. «Von der Begegnung mit dem Meister nehme ich nun viele schöne Erinnerungen mit nach Kanada.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.