«Bike to Work»
Auch Mitarbeiter von Ob- und Nidwaldner Unternehmen treten wieder in die Pedale

Nächste Woche lassen wieder Tausende Mitarbeiter ihr Auto in der Garage stehen und fahren stattdessen mit dem Velo zur Arbeit. Auch in Nid- und Obwalden stösst die Aktion «Bike to Work» wieder auf grosses Interesse. So auch im Kantonsspital Obwalden.

Matthias Piazza
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Ruud Rietveld, ist beim Kantonsspital Obwalden nicht nur Leiter der Physiotherapie, sondern bei seinem Arbeitgeber auch verantwortlich für die «Bike to Work»-Aktion.

Ruud Rietveld, ist beim Kantonsspital Obwalden nicht nur Leiter der Physiotherapie, sondern bei seinem Arbeitgeber auch verantwortlich für die «Bike to Work»-Aktion.

Bild: Manuela Jans-Koch (Sarnen, 30. April 2021)

Nächste Woche sind mehr Velofahrer unterwegs als sonst. Der Grund heisst «Bike to Work» (mit dem Velo zur Arbeit). Pro Velo Schweiz, der nationale Dachverband der Velofahrer, erwartet über 50'000 Teilnehmende, die ihren Arbeitsweg im Mai oder Juni mit dem Velo zurücklegen. Aktuell seien bisher über 36'000 Mitarbeiter aus 1913 Betrieben angemeldet, schreibt Pro Velo Schweiz. Drei Viertel davon würden an beiden Monaten teilnehmen. An der nationalen Aktion geht's um Teamgeist, Fitness und nachhaltiges Mobilitätsverhalten. Dabei wird auch der Wettkampfgeist geweckt. In Vierergruppen versuchen die Mitarbeiter, mindestens einen Monat lang so viele Velokilometer wie möglich zurückzulegen. Wer an mindestens der Hälfte seiner Arbeitstage das Velo eingesetzt hat, nimmt an der Verlosung teil. Zu gewinnen gibt es Preise im Wert von über 120'000 Franken. Auch wer im Homeoffice arbeitet, kann an der Aktion teilnehmen, sofern er sich jeden zweiten Tag mit dem Velo bewegt.

Rund 30 Betriebe aus Nid- und Obwalden machen dieses Jahr mit, viele davon nicht zum ersten Mal, darunter auch das Seniorenzentrum Zwyden in Hergiswil, Maxon in Sachseln, die Stiftung Rütimattli in Sachseln oder die Gemeindeverwaltung Alpnach, um nur ein paar zu nennen. Die Ennetbürger Firma Sigrist-Photometer AG macht das erste Mal mit. Seit bald zehn Jahren ist hingegen das Kantonsspital Obwalden in Sarnen dabei. Der Betrieb mit rund 400 Mitarbeitern ist mit 72 Leuten am Start, die ab Montag in Vierergruppen einen Monat lang um die Wette strampeln. «Wegen Corona fiel ‹Bike to Work› im vergangenen Jahr aus. Nun freuen sich die Leute umso mehr auf den Anlass, der auch zu wieder etwas Normalität beiträgt», sagt Ruud Rietveld, der fürs Spital den Anlass koordiniert. Als Leiter der Physiotherapie weiss er um den Nutzen von Bewegung: «Wer für den Arbeitsweg das Velo nimmt, ist dank der körperlichen Aktivität wacher für die Arbeit. Und auf der Heimfahrt lässt sich unterwegs an der frischen Luft wunderbar der Tag reflektieren», wie er aus eigener Erfahrung wisse.

Ein langer Arbeitsweg sei dabei kein Hinderungsgrund.

«Selbst Mitarbeiter aus Luzern kommen mit dem Velo»,

erzählt er, gefragt nach den Teilnehmern mit dem längsten Weg. Dieser beträgt rund 25 Kilometer. Auch aus dem 10 Kilometer entfernten Giswil stiegen Spitalmitarbeiter aufs Velo um. Dass nach der Aktion nun ein Fünftel der Belegschaft regelmässig mit dem Velo zur Arbeit komme, sei erfahrungsgemäss nicht so. «Einige pendeln das ganze Jahr über dem Velo, andere steigen wieder aufs Auto oder den ÖV um. Doch nach jeder Austragung entdecken einige Mitarbeiter das Velo als gesundes Verkehrsmittel für den täglichen Weg zur Arbeit», erzählt Ruud Rietveld, der das ganze Jahr über mit dem Velo pendelt. Dass er in Sarnen selber wohne, komme ihm da schon entgegen, gesteht er lachend ein.

Neue Pendlererfahrung für Südafrikaner

Thomas Beck von Pro Velo Unterwalden spricht von einer erfolgreichen Aktion, für alle Verkehrsteilnehmer:

«Wenn im Mai und Juni auf den Schweizer Strassen pro Tag gegen 30'000 Leute mehr als sonst das Velo nehmen, dürfte sich das sehr spürbar auf die Stausituation auswirken.»

Auch in den etwas weniger staugeplagten Kantonen Nid- und Obwalden komme «Bike to Work» an. Die Teilnehmerzahlen hätten bis 2019 stetig zugenommen und wohl nur wegen des coronabedingten Homeoffice dieses und letztes Jahr etwas stagniert. «Ich weiss von einem Pilatus-Mitarbeiter aus Südafrika, der Velofahren bei sich zu Hause nicht kannte. Mit«Bike to Work» kam er auf den Geschmack und machte eine ganz neue Pendlererfahrung.» Auch Thomas Beck ist überzeugt, dass der Umstieg aufs Velo für den Weg zur Arbeit einen grossen Einfluss aufs Wohlbefinden hat. «Man kommt entspannter an den Arbeitsplatz oder nach Hause, wenn man sich nicht auf der Autofahrt ärgern muss.»

Um das Velo als Verkehrsmittel noch populärer zu machen, brauche es auch ein attraktives Velonetz, mit direkten Verbindungen. «Es muss sicher und bequem sein. Ich will als Velofahrer flüssig fahren können und nicht immer wieder abbremsen müssen, erst recht, wenn ich mit einem E-Bike unterwegs bin.» Die Kantone Ob- und Nidwalden hätten in den vergangenen Jahren einige Anstrengungen für die Velofahrer unternommen beispielsweise mit dem kantonalen Radwegkonzept in Nidwalden. «So haben die Velofahrer nun einen eigenen Weg von Stans bis Dallenwil», macht er ein Beispiel. Trotzdem bleibe noch viel zu tun.