Leserbrief

Bischof kann gar nicht an Sitzung teilgenommen haben

Zum Leserbrief von Meinrad Grüniger-Frank, Ausgabe vom 28. März

Mike Bacher, Engelberg
Drucken
Teilen

In einem Leserbrief erhebt Meinrad Grüniger-Frank zahl­reiche Vorwürfe gegen Martin Kopp. Bei näherer Betrachtung fallen allerdings mehrere Widersprüche auf. Es wird etwa behauptet, 2003 habe eine Delegation (erfolglos) bei «Bischof Johannes Vonderach im Büro des Klosters Einsiedeln» vorgesprochen und der «ad interim amtierende Bischof Vollmar» habe keine Stricke zerrissen. Bischof Vonderach ist 1994 verstorben und hat somit kaum neun Jahre später an einer Sitzung teilgenommen. P. Paul Vollmar SM wurde zwar 1993 unter Bischof Haas Weihbischof und war ab 1998 als General­vikar auch für die Urschweiz zuständig. Als Bischof von Chur amtete von 1998 bis 2007 allerdings P. Amédée Grab OSB.

Auch der Vorwurf, Martin Kopp habe sich erst gezeigt, als der betreffende Pfarrer aus Beckenried weggezogen sei, zielt ins Leere. Kopp wurde erst in dieser Zeit Generalvikar und damit in den Fall involviert. Um zu verstehen, weshalb er wohl nach zwei Sitzungen «unerledigter Dinge» fernblieb, bedarf es eines Blicks auf die juristischen Abläufe.

Im Leserbrief heisst es etwas gar euphemistisch «Mühe in der Verwendung von pfarreieigenen Geldern». Der seinerzeitige Pfarrer von Beckenried wurde gemäss Presseberichten 2007 wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung von einem zivilen Gericht verurteilt. Es war wohl bald klar, dass die Sache auf ein strafrechtliches Verfahren hinausläuft. Für den kirchlichen Bereich scheint Kopp nach eingehender Prüfung der Sachlage, rasch gehandelt zu haben. Gemäss dem Grundsatz der «freien Kirche in einem freien Staat» kann das kirchliche Recht das staatliche Recht allerdings nicht ersetzen. Die Verfahren laufen nebeneinander. Dabei vertritt der Generalvikar gemäss kanonischem Recht (Kirchenrecht) den Bischof als Inhaber der ausführenden Gewalt. Somit war es sogar Kopps Pflicht, vom sich abzeichnenden strafrechtlichen Verfahren Abstand zu nehmen.

Als Vorwurf gegen ihn lässt sich diese «Anekdote» aus dem Jahr 2003 somit nicht verwenden.