Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Bricht Winnetou die Zelte in Engelberg ab?

Weniger Leute als erhofft wollten die Freilichtspiele sehen. Für eine vierte Auflage wünschen sich die Veranstalter mehr Unterstützung.
Philipp Unterschütz
Die Helden ritten wieder in Engleberg: Richard Bucher als Old Shatterhand (links) und Tom Volkers als Winnetou. (Bild: Romano Cuonz, Engelberg, 4. Juli 2019)

Die Helden ritten wieder in Engleberg: Richard Bucher als Old Shatterhand (links) und Tom Volkers als Winnetou. (Bild: Romano Cuonz, Engelberg, 4. Juli 2019)

Zum letzten Mal verneigten sich am Samstag kurz vor 22 Uhr die Schauspieler des Stücks «Winnetou und der Ölprinz» vor dem Publikum und genossen an der Dernière den verdienten Applaus. Bei einem deftigen Gulasch feierte das in der Proben- und Spielzeit zu einer Familie zusammengewachsene Team nochmals – beim Abschied wurde die eine oder andere Träne verdrückt. Kaum Trost spendete der Blick in die Zukunft.

Die Medienmitteilung, welche die Organisatoren am Sonntagmittag verschickten, lässt durchblicken, dass die Zukunft der Karl May Festspiele nicht gesichert ist (siehe Ausgabe von gestern). Zwar ist es gelungen, den Zuschauerschnitt zu verbessern – dies auch unter Berücksichtigung, dass bedeutend weniger Vorstellungen gespielt wurden. «Die Steigerung zeigt zwar, dass wir auf dem richtigen Weg sind, mit 14'000 Besucherinnen und Besuchern liegen wir aber doch rund 2'000 Personen unter unseren Zielvorstellungen», erklärt Florian Niffeler, Marketingchef der Karl May Freilichtspiele. Über die genauen Finanzzahlen könnten so kurz nach dem Abschluss der Spielzeit noch keine genaueren Angaben gemacht werden. «Ob die Karl May Festspiele in diesem Rahmen weitergeführt werden, ist noch nicht klar. Weitere Informationen sind ab Mitte Oktober zu erwarten», heisst es dazu denn auch in der Medienmitteilung.

Wichtiger Bestandteil des Sommerprogramms

Um weiter spielen zu können, müsste zuerst die Finanzierung sichergestellt sein, so Florian Niffeler weiter. «Wir brauchen grosse Partner, Sponsoren und Gönner. Und wir müssen die künftige Rechtsform und die entsprechende Organisation definieren.» Zudem müsse der Spielort klar sein und alle Bewilligungen vorliegen. In Engelberg würden diese grundsätzlich noch für zwei Jahre vorliegen.

Tatsächlich haben die Karl May Festspiele von Tourismus Engelberg und auch von der Gemeinde bedeutende finanzielle und auch ideelle Unterstützung erhalten. Tourismusdirektor Frédéric Füssenich betont, dass die Festspiele ein attraktiver Bestandteil des Engelberger Sommerprogramms seien. «Wir haben die Zahlen für dieses Jahr noch nicht, aber im Vorjahr haben die Festspiele rund 1500 Logiernächte generiert.» Das bisherige Engagement von Engelberg Tourismus und von der Gemeinde sei sicher berechtigt. Es sei eine grosse Leistung, was da auf die Beine gestellt worden sei. Man dürfe auch nicht vergessen, was für ein schwieriges Metier solche Freilichtspiele angesichts der grossen Konkurrenz an Veranstaltungen seien.

Tourismusdirektor fände ein Ende schade

Für Frédéric Füssenich stellt sich allerdings auch die Frage, ob mit den Karl-May-Geschichten im begrenzten Schweizer Markt über Jahre ein konstant hohes Publikum angelockt werden könne. Füssenich sagt:

«Es wäre aber wirklich schade, wenn die Freilichtspiele nicht mehr stattfinden würden. Nur schon wegen des Enthusiasmus und Engagements, mit dem auch viele Engelberger mitgemacht haben.»

Nach dem Zwischenfazit der Veranstalter würden der Tourismusverein und wohl auch die Gemeinde auf Gesuch hin eine erneute Unterstützung sicherlich wieder prüfen.

Bisher keine Unterstützung vom Kanton

In ihrer Medienmitteilung erwähnen die Veranstalter, dass vom Kanton Obwalden eine Unterstützung ausgeblieben sei. Zwei Gesuche haben sie gestellt, eines ging an den Regierungsrat für Gelder aus dem Swisslos-Fonds, das andere ans Kulturdepartement unter dem Titel Kulturförderung. Beide Gesuche wurden nur schon aus rein formalen Gründen abgelehnt, wie Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler sagt:

«Wenn eine Veranstaltung gewinnorientiert ist, dürfen wir keine Beiträge aus dem Swisslos-Fonds gewähren und es dürfen nur Organe wie gemeinnützige Vereine oder Stiftungen berücksichtigt werden.»

Auch die Kulturförderung unterstützt keine gewinnorientierten Veranstaltungen. «Im Budget war ein sechsstelliger Betrag als Gewinn ausgewiesen – das ist ein Ausschlusskriterium», sagt Marius Risi, Leiter des kantonalen Amts für Kultur und Sport. Die Kulturkommission sei deshalb auch gar nicht mehr auf den Inhalt eingegangen und habe keine Diskussion über den Stellenwert des Anlasses für den Kanton geführt. Abgelehnt worden sei in diesem Zusammenhang auch eine Defizitgarantie.

Florian Niffeler meint, dass die Ablehnung der Kulturförderung finanziell für die Veranstalter noch zu verschmerzen gewesen sei – es ging um 8'000 bis 10'000 Franken. «Schwerwiegender war, dass eine kantonale Kulturförderung natürlich das Eintrittsticket ist für weitere Beiträge durch andere Stiftungen.» Wenn also der Kanton ablehne, werde ein Gesuch andernorts oft nicht mehr geprüft.

Die Karl May Freilichtspiele haben in den letzten drei Jahren über 57'000 Besucherinnen und Besucher nach Engelberg gelockt. Besuchten 2018 rund 19'000 Personen 33 Aufführungen, waren es 2019 rund 14'000 Personen an 20 Aufführungen. Seit Beginn des Freilichttheaters lagen die Besucherzahlen unter den Erwartungen, was sich natürlich auch in den Finanzen belastend niederschlägt.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.