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Interview

Brigitte Breisacher: «In vielen Berufen fehlen die Fachkräfte»

Die Breisacher Stiftung feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Die Obwaldner Unternehmerin Brigitte Breisacher (50) ist Stiftungsratspräsidentin und erklärt im Interview, warum sie sich so sehr für das Handwerk und die Berufsbildung einsetzt.
Alex Piazza
Der Stiftungsrat mit Präsidentin Brigitte Breisacher unterstützt auch humanitäre Projekte. (Bild: PD)

Der Stiftungsrat mit Präsidentin Brigitte Breisacher unterstützt auch humanitäre Projekte. (Bild: PD)

Brigitte Breisacher, wie ist die Breisacher Stiftung entstanden?

Mein Vater kam 1954 aus Freiburg mit 100 Deutschen Mark in der Tasche nach Wilen, wo er als Schreiner für einen Stundenlohn von 2.34 Franken arbeitete. Hier lernte er auch meine Mutter kennen, eine Münchnerin, die als Köchin und Haushälterin bei einem Früchtegrosshändler tätig war. Was sie zusätzlich verband, war die gesunde Einstellung zur Arbeit. Sie hatten einen enormen Willen, etwas zu erreichen. Was schliesslich in der Gründung der Firma Alpnach Norm gipfelte. Ich selber trat im Alter von 19 Jahren in die Firma ein, übernahm mit 30 Jahren die Geschäftsleitung und mit 40 Jahren erwarb ich das Unternehmen käuflich. Am gleichen Tag gründete mein Vater die Breisacher Stiftung. Seine Idee war, das Handwerk in der Umgebung zu fördern und leistungsstarke Lernende zu belohnen.

Wie sieht diese Förderung konkret aus?

Das 1987 von meinem Vater erbaute Wohn- und Geschäftshaus in Alpnach wurde pfandfrei in die Stiftung integriert. Die daraus resultierenden Mieterträge kommen grösstenteils leistungsstarken jungen Berufsleuten aus den Kantonen Ob- und Nidwalden zugute. Den besten Lehrabgängern überreiche ich jeweils an einer separaten Feier ein Couvert mit Bargeld. Wir unterstützen aber auch humanitäre Projekte, in Not geratene, ehemalige oder aktuelle Mitarbeiter der Firma. Und kürzlich ermöglichten wir 686 Oberstufenschülern mit Begleitpersonen die Reise an die Swiss Skills nach Bern. Insgesamt schütten wir jedes Jahr rund 220'000 Franken aus.

Warum dieses grosse Engagement?

Tatsache ist, dass in vielen handwerklichen Berufen die Fachkräfte fehlen. Mit der Stiftung versuchte mein Vater, dieser ­Entwicklung etwas entgegenzuwirken. Die Jungen sollten motiviert werden, eine Berufslehre zu machen und diese letztlich auch noch gut abzuschliessen. Dank dem heute äusserst vielfältigen Weiterbildungsangebot, mit oder ohne Berufsmatura, bieten sich engagierten Fachleuten unzählige berufliche Möglichkeiten.

Bekommen Sie Zuspruch für Ihre Unterstützung?

Natürlich, wir bekommen viele Dankeskarten – und auch mündliche Rückmeldungen. Vor einiger Zeit sagte mir jemand: «Es ist toll, dass ihr auf dem Boden geblieben seid und euch ohne Eigennutzen für die Berufsbildung einsetzt.» Und in einem Restaurant kam ein junger Kellner auf mich zu und sagte: «Frau Breisacher, vor drei Jahren habe ich von Ihnen Geld bekommen.» Solche Reaktionen zeigen mir, dass unser Engagement geschätzt wird.

Sie sind selber mit einer KV-Lehre ins Berufsleben gestartet. Wo sehen Sie das grosse Plus der Berufsbildung?

In einer Lehre lernen die Jugendlichen zu arbeiten, sich in einem Team einzuordnen, mit Erwachsenen zu kommunizieren und mit Geld umzugehen. Es ist die perfekte Lebensschule. In diesen drei oder vier Jahren entwickeln sich die Jugendlichen zu eigenständigen Persönlichkeiten. Mit dem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis haben sie ausserdem einen guten Rucksack, den sie im Anschluss weiter füllen können.

Anders gesagt: Mit einer Berufslehre stehen ihnen Tür und Tor offen.

Genau. Das Problem ist, dass dies viele Eltern nicht wissen. Sie sind überzeugt, dass ihr Kind studieren muss, um mal ein besseres Leben führen zu können, als sie es selber hatten. Es darf nicht sein, dass wir nur noch Akademiker ausbilden. Wir brauchen auch Leute, die anpacken können. Deshalb müssen wir Sorge tragen zum Handwerk, es ist das Fundament und der Motor unserer Wirtschaft.

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