BRUDER KLAUS: Bischof Huonder: Kontroverse dauert an

Der ehemalige Obwaldner Dekan Karl Imfeld findet, Bischof Vitus Huonder sollte sich nicht von der SVP einspannen lassen. Und erinnert sich an dessen unrühmliche Zeit als Pfarrhelfer.

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Sie wollen an der Feier zu Ehren von Bruder Klaus den Ton angeben: Der Churer Bischof Vitus Hounder (links) und SVP-Stratege Christoph Blocher (rechts). (Bilder: Keystone)

Sie wollen an der Feier zu Ehren von Bruder Klaus den Ton angeben: Der Churer Bischof Vitus Hounder (links) und SVP-Stratege Christoph Blocher (rechts). (Bilder: Keystone)

Zumindest um den Anlass des Gedenkens gibt es keinen Streit: In diesem Jahr wird an Niklaus von Flüe erinnert, der vor 600 Jahren geboren und vor 70 Jahren von Papst Pius XII. heiliggesprochen wurde. Doch dann hat es mit der Einigkeit schon bald ein Ende. Vor allem darüber, wer mit wem feiert, wer wo eingeladen ist und wo spricht, ist eine Kontroverse entbrannt.

Heutiger Stand der Dinge: Die offizielle Gedenkfeier, ausgerichtet vom Regierungsrat des Kantons Obwalden, findet am  30. April auf dem historischen Sarner Landenberg statt. Eingeladen zwar, unter anderen, aber nicht als Redner berücksichtigt: Bischof Vitus Huonder. Eine Tatsache, die den kirchlichen Würdenträger verstimmt hat. Jedenfalls fiel die Reaktion von Bistumssprecher Giuseppe Gracia vor zehn Tagen leicht angesäuert aus: «Obwohl Bischof Huonder der Bischof ist, in dessen Gebiet Bruder Klaus gewirkt hat, wurde er an keinen Anlass eingeladen, um zu den Feierlichkeiten einen eigenen Beitrag zu leisten.»

Gut für den Bischof, dass sich das Komitee «Schweiz mit Bruder Klaus» erbarmte und am       19. August in Flüeli-Ranft eine eigene Feier organisiert – unter der Federführung der Obwaldner SVP-Parteipräsidentin Monika Rüegger. Ein umstrittenes Manöver, zumal die «Geschichtspolitik», welche die Partei von Christoph Blocher betreibt, «nicht viel mit Bruder Klaus, dafür viel mit der heutigen Politik zu tun hat». So drückte sich Thomas Maissen, Schweizer Historiker und Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Paris, in einem Interview mit unserer Zeitung aus.

Fakt ist jedenfalls, dass Blocher und Huonder im August, eine knappe Woche vor dem alljährlichen Bruder-Klausen-Tag, gemeinsam ihre historisch-kirchlich-politische Feier- und Gedenkstunde abhalten werden. Gleichsam für den von den Rechtskonservativen als Nationalheiligen in Sachen Neutralität und Unabhängigkeit der Schweiz vereinnahmten Bruder Klaus.

Einer, der sich über das Gebaren des Zürcher Pfarrersohns und des katholischen Würdenträgers ärgert, ist der ehemalige Kernser Pfarrer und Obwaldner Dekan Karl Imfeld. In einem Leserbrief in der Lokalpresse schrieb der 85-jährige Mundartforscher, Volkskundler, Schriftsteller und Hörspielautor Ende vergangener Woche wörtlich: «Auch für einen pikierten Bischof ist es danebengegriffen, wenn er sich für die Interessen einer Partei einspannen lässt. Kirchliche Amtsträger und erst recht ein Bischof sollen von der Begünstigung politischer Parteien die Finger lassen.»

Doch Imfelds Rage hat noch einen anderen Grund: Huonder hatte von 1981 bis 1984 ein nicht sehr rühmliches Gastspiel als Pfarrhelfer in Sachseln gegeben. «Er musste die Stelle wegen Streit mit der Pfarrei und dem Pfarrer verlassen», erinnert sich Imfeld. Es habe sogar eine Unterschriftensammlung mit mehreren hundert Unterschriften gegen das Wirken des jungen Geistlichen gegeben. Stein des Anstosses: Huonder verschreckte nach der Erinnerung des Kernser Pfarrers die Kinder mit Geschichten von Hölle und Fegefeuer – und in den Gottesdiensten war plötzlich wieder Latein zu hören. Dabei waren die Obwaldner, so Imfeld, vor über dreissig Jahren «schon viel weiter». Kurz: Der Huonder’sche Konservatismus in Unterricht, Seelsorge und Liturgie war den Obwaldnern fremd. Und er wird ihnen auch im Gedenkjahr nicht fehlen. «Das ist nicht vergessen», ist sich Imfeld sicher. Nicht ohne Grund sei Huonder nie zu einem Bruder-Klausen-Tag eingeladen worden.

Neckisches Detail am Rand:  Der bald 75-jährige Huonder wird im April die Altersgrenze
erreichen – und im August an der «Feier für die ganze Familie» der SVP kaum mehr Churer Bischof sein. «Da haben also eine Partei und mit ihr ein alt Bundesrat und ein baldiger alt Bischof zu spät gemerkt, dass sie nicht mehr Träger jener hohen Ämter sind, die dem Anlass den Glanz verleihen sollten», führt der vife Pfarrer im Ruhestand und Ex-Dekan vor.

bbr

Alt Pfarrer Karl Imfeld sprach bei der Senioren Residenz am Schärme in Sarnen. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 19. Januar 2011))

Alt Pfarrer Karl Imfeld sprach bei der Senioren Residenz am Schärme in Sarnen. (Bild: Corinne Glanzmann (Sarnen, 19. Januar 2011))