Brunni-Bahnen verzichten auf Dividendenzahlung

Aufgrund der unsicheren Lage und der leicht rückläufigen Geschäftszahlen sei eine Dividendenzahlung nicht angebracht, findet der Verwaltungsrat. Für die Wintersaison ist die Geschäftsleitung verhalten optimistisch.

Philipp Unterschütz
Drucken
Teilen
Auf dem Brunni hofft man auf eine gute Wintersaison.

Auf dem Brunni hofft man auf eine gute Wintersaison.

Bild: PD

Weil sich auch der Verwaltungsrat der Brunni-Bahnen Sorgen wegen Corona machte, wurde die 68. Generalversammlung sicherheitshalber auf schriftlichem Weg abgehalten. Sämtliche Anträge des Verwaltungsrates wurden mit einer Mehrheit zwischen 90 und 99 Prozent angenommen. Auf dem schriftlichen Weg wurde eine Stimmbeteiligung von 68 Prozent aller möglichen Aktienstimmen erreicht. «Das ist ein sehr hoher Rücklauf und deutlich mehr als an einer normalen GV, wo wir jeweils eine Stimmbeteiligung von rund 40 Prozent erreichen», erklärt Thomas Küng, Geschäftsführer der Brunni-Bahnen Engelberg AG.

Entschieden wurde insbesondere, dass die Brunni-Bahnen in diesem Jahr auf eine Rückzahlung aus Kapitaleinlagereserven verzichten. Der Verwaltungsrat war klar der Ansicht, dass sich eine Auszahlung aufgrund des Ergebnisses des Geschäftsjahres 2019/20 und der unsicheren Lage nicht rechtfertigen lasse. Nicht nur die Gesellschaft musste wegen der Pandemie finanzielle Einbussen in Kauf nehmen, auch die Mitarbeitenden hatten während des Shutdowns aufgrund der dreimonatigen Kurzarbeit Lohneinbussen hinnehmen müssen. «Insgesamt verloren die Angestellten im Durchschnitt rund 5 Prozent eines Jahreslohns», sagt Thomas Küng.

Dank der sinnvollen und pragmatischen Lösung im Rahmen der Kurzarbeit mussten keine Entlassungen ausgesprochen werden. «Und das wird bis auf weiteres auch so bleiben», betont Thomas Küng. Im Gegenteil, man sei momentan daran, rund 20 Personen für die anstehende Wintersaison zu rekrutieren. Das sind vorwiegend Saisonniers, die schon bisher jeweils im Winter für das Unternehmen arbeiteten. Gesucht werde aber noch ein Koch fürs Familienrestaurant OX auf der Klostermatte und Personal für die Kasse. Die Brunni-Bahnen beschäftigen umgerechnet auf Vollzeitstellen rund 52 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dies variiert aber je nach Saison, im Winter werden bis 100 Personen in verschiedenen Pensen beschäftigt.

Sommersaison 2020 war zufriedenstellend

Etwas mehr als 100‘000 Gäste (Ersteintritte) haben in der zu Ende gegangenen Sommersaison das Brunni-Gebiet besucht und rund eine Viertelmillion Fahrten (Frequenzen) vorgenommen. Die Brunni-Bahnen konnten damit den Sommer mit einem Umsatzrückgang von rund 10 Prozent gegenüber dem Fünf-Jahr-Schnitt abschliessen. Der Umsatz entspreche dem bislang viertbesten Sommer, der Umsatz im neuen Berglodge Restaurant Ristis sogar dem zweitbesten.

Grund für den Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahr sind natürlich die fehlenden Einnahmen während des Shutdowns im Mai und Juni 2020 und die ausserhalb der Sommerferien eher unbeständigen Witterungsbedingungen. Zudem fehlten weitgehend ausländische Gäste, Vereinsausflüge, Firmenanlässe und Schulreisen. «In Anbetracht der Umstände betrachten wir das Ergebnis der Sommersaison als zufriedenstellend», sagt Thomas Küng, der vor der Sommersaison noch einen Rückgang von bis zu 40 Prozent für möglich hielt. Er zweifelt aber auch daran, ob es ohne Corona ein Rekordsommer geworden wäre. Verglichen mit dem Rekord von 2018 sei das Wetter deutlich weniger sonnig gewesen.

Thomas Küng, Geschäftsführer der Brunni-Bahnen Engelberg AG.

Thomas Küng, Geschäftsführer der Brunni-Bahnen Engelberg AG.

Bild: PD

Coronaschutzkonzept hat funktioniert

Aufgrund der positiven Umsatzentwicklung konnte der Covid-19-Kredit von 500'000 Franken bereits Mitte August 2020 vollständig zurückbezahlt werden. Diesen habe man als Vorsichtsmassnahme zur Liquiditätssicherung aufgenommen. «Weil einem Kreditnehmer aber Investitionen untersagt sind, wollten wir den Kredit baldmöglichst wieder zurückzahlen», sagt Thomas Küng. So habe man mittlerweile die Beschneiung der Schlittelpiste an kritischen Stellen ausgebaut, was eine frühere und längere Öffnung des Angebots erlaube. «Allerdings hat uns die Coronakrise bei anderen Investitionen wie beispielsweise dem Umbau des Kinderlands im Yeti-Park zurückgeworfen», so Thomas Küng weiter. Die Auftragsvergabe wolle man vorsichtshalber erst im Februar vornehmen, wenn man wisse, wie die Wintersaison verlaufe und die Baubewilligung erteilt wurde.

Für die kommende Wintersaison ist Thomas Küng verhalten optimistisch. Man werde weiterhin die Schutzmassnahmen der Branche anwenden. «Es gab trotz 100'000 Gästen im Sommer unter unseren Angestellten und Gästen keinen einzigen uns bekannten Coronafall im Zusammenhang mit unserem Bahn- oder Gastronomiebetrieb. Das Schutzkonzept hat sich bewährt», ist Thomas Küng überzeugt. Im Winter gilt allerdings nach den neusten Vorgaben auch auf den Liften eine Maskenpflicht. Er habe das Gefühl, dass die Leute auch im Winter an die frische Luft und die Sonne wollen. Hinsichtlich der Pandemiebekämpfung wäre es daher kontraproduktiv, wenn Skigebiete und Bergbahnen als Zubringer in Ausflugsgebiete geschlossen würden, betont Thomas Küng. «Dann gibt es aufgrund der Konzentration auf wenige Ausflugsziele erneut unkontrollierbar starke Personenansammlungen an den noch zugänglichen Orten.»

Fahrplan im Herbst und Winter

Insgesamt ist das Unternehmen laut Thomas Küng gut aufgestellt. «Wir haben genügend Reserven, um einen schlechten Winter zu überstehen. Diese braucht ein Bergbahnunternehmen nur schon aus wettertechnischen Gründen.» Die Liquidität sei derzeit gesichert.

Die Brunni-Bahnen verkehren bis zum 15. November 2020 täglich von 8 bis 17 Uhr. Anschliessend sind an den Wochenenden weiterhin mindestens die Luftseilbahn, der Sessellift und das Berglodge Restaurant Ristis geöffnet. Geplanter Start für den täglichen Winterbetrieb ist am 5. Dezember 2020.

Das Protokoll der GV ist ab sofort auf der Website der Brunni-Bahnen Engelberg AG abrufbar: www.brunni.ch/aktionaer