BUCH: Vom faszinierenden Innenleben des Skisprungs

Beat Christen hat die Engelberger Skisprung-Geschichte niedergeschrieben. An der Vernissage gab es Lob für ihn und die speziellen Schanzen vom Schweizer Skisprungchef.

Primus Camenzind
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Ein Bild aus dem Buch von der Schweizer Meisterschaft im Jahr 1908. Bild: PD

Ein Bild aus dem Buch von der Schweizer Meisterschaft im Jahr 1908. Bild: PD

Als der einheimische Autor Beat Christen am Donnerstagabend bei der Vernissage seines Büchleins «Von Null auf Hundert» im Mediencenter des Weltcup-Skispringens ans Rednerpult trat, liess er die rund 50 Besucher erst einmal wissen, weshalb er als Heft Nummer 33 der Dokumenten-Serie des Klosterdorfs die Engelberger Skisprung-Geschichte von 1904 bis 2016 aufgearbeitet hat: «Die Tatsache, dass am 19. Dezember 2015 zwei Brüder – die Slowenen Peter und Domen Prevc – die ersten beiden Plätze belegten, ist einmalig in der Geschichte des Skisprungs», betonte Christen. «Nicht genug», fuhr er fort. Als Dritter stand der 44-jährige Japaner Noriaki Kasai auf dem Podest. «Und als dieser 1999 erstmals in Engelberg auf dem Podest stand, war Domen Prevc gerade mal 6 Monate alt.

Autor vermittelt Emotionen

Wegen dieser einmaligen Besetzung des Siegerpodiums 2015 war für Christen endgültig klar, dass er die Skisprung-Geschichte zu Papier bringen wollte. Den Buchtitel «Von Null auf Hundert» begründet er mit bekannten Zahlen: «Der Athlet startet ganz oben bei 0 Kilometer, erreicht beim Sprung rund 90 Stundenkilometer und landet schlussendlich mit einer Geschwindigkeit von 100 bis 110 km/h.» Beat Christen war langjähriger Medienchef des Engelberger Weltcup-Springens. In dieser Eigenschaft begegnete er unzähligen Trainern und Athleten.

Christens Wege kreuzten sich darum auch regelmässig mit jenen des Schweizer Skisprungchefs Berni Schödler. Es entstand eine freundschaftliche Beziehung, mit ein Grund, weshalb Schödler an der Vernissage auch das Wort ergriff. «Mit diesem Büchlein ist es Beat Christen gelungen, Emotionen zu vermitteln. Er ist kein Mann der grossen Worte, wählt jedoch im richtigen Moment die richtigen Worte.» Auf Seite 102 des Dokumentes wählte Christen den Zwischen­titel «Man springt einfach». Schödler liess die Gäste der Vernissage wissen, dass «wir uns im Schweizer Lager diesen einfachen Satz für die bevorstehenden Springen auf der Titlis-Schanze zum Motto machen!»

Als tiefsinniger Laudator trat Hanspeter Gubelmann in Erscheinung. «Beat Christen hat seit unserem ersten Zusammentreffen in den 1980er-Jahren eine enorme Entwicklung gemacht», meinte der bekannte Sportpsychologe. Die «Schreibe» seines Jugendfreundes bezeichnete Gubelmann als «unterhaltsam und doch akribisch recherchiert». «Was wir heute zum ersten Mal in unseren Händen halten, ist nicht nur ein Sportbuch, sondern es zeigt das faszinierende Innenleben des Skisprungs.»

Als Psychologe stellte der Laudator die Frage nach dem Zusammenhang zwischen dem Buchtitel und dem Wesen des Autors in den Raum. «Von Null auf Hundert» so Gubelmann, sei eigentlich nicht bezeichnend für die gelassene Art von Beat Christen. Er habe ihn an den Skispringen als «Krisenkommunikator» und als «Besänftiger von Journalisten» erlebt. Die von der Engelberger Gemeinderätin Brigitta Naef moderierte Vernissage wurde durch die Trinkler aus dem Dorf und der Schwyzerörgeli-Formation von Ursi Tschümperli umrahmt.

Eine Anlage mit eigenem Charakter

Am Rande der Vernissage äusserte sich Berni Schödler über die viel gepriesene Einzigartigkeit der Engelberger Naturschanze. «Es ist ein Gesamtpaket, was wir hier vorfinden. Die Athleten schätzen die Titlis-Schanze, weil sie Charakter hat und obwohl sie nicht einfach zu springen ist. Die technischen Voraussetzungen sind in Engelberg sehr gut.» Schödler lobt auch das Ambiente: «Man ist zu Hause, sieht die vielen Schweizer Flaggen und trifft aufgestellte Leute.»

Hinweis

Herausgeberin der Engelberger Dokumente ist die Kulturkommission der Einwohnergemeinde. Heft Nr. 33 kann in Buchform in Gemeindehaus bezogen werden.

Primus Camenzind