BURGENFÄSCHT: Giswil gleicht mittelalterlichem Dorf

Am Giswiler Burgenfäscht drehte sich alles ums Mittelalter. Standesgemäss musste das Fussvolk seinen Obolus entrichten – natürlich zweckgebunden.

Drucken
Teilen
Beim Burgenfäscht in Giswil üben Kinder den Umgang mit der Helebarde. (Bild Roger Zbinden/Neue OZ)

Beim Burgenfäscht in Giswil üben Kinder den Umgang mit der Helebarde. (Bild Roger Zbinden/Neue OZ)

Aus allen Ecken Giswyls und den angrenzenden Ländern und Grafschaften strömt an diesem Samstage im 14. Jahrhundert das gemeine Fussvolk zur Burganlage Rudenz. Der Freiherr von Rudenz und Gemahlin haben dazu geladen.

Der Historische Verein Obwalden und die Heimatkundliche Vereinigung Giswil haben am Wochenende ein ganzes Mittelalterdorf aus dem Boden gestampft. Das Geschlecht des Freywilds erteilt Jünglingen und Mägdeleins einen Hellebarden-Drill. Etwas weiter oben, am Fuss der Burg, führt ein Ritter einen Knappen in die Kunst des Schwertkampfes ein. Etwas weniger kriegerisch, aber nicht minder lebhaft, geht es auf dem Marktplatz zu und her. Der Schmied repariert die beschädigten Hellebarden, ein Töpfer fertigt wahre Kunstwerke, in der Seilerei werden Seile gedreht.

Mönche, Söldner, Kleriker und Scheiterhaufen
Ein Mönch, einer der wenigen Stände, die im Mittelalter lesen und schreiben konnten, preist seine Abschriften an. Er würde denn auch gerne im Mittelalter leben. «Als Mönch im Kloster wäre ich privilegiert gewesen, hätte immer genug zu Essen gehabt. Ich hätte nicht in die Kriege ziehen und den Kopf herhalten müssen.» Auf dem Platz sind auch angeheuerte Söldner auszumachen. Die Jugendlichen gehören der Gemeinschaft der Zwei Raben an, einer Mittelaltergemeinschaft in Obwalden. Im Mittelalter würden sie nicht gerne leben, aus Angst, wegen der Intelligenz auf dem Scheiterhaufen zu landen.

Es geht nicht lange, da erhält man die Gelegenheit, einen Ablassbrief zu kaufen, um sich seiner Sünden zu entledigen. «Wer diese Figur ehret mit einem Paternoster, der hat 14'000 Jahre Ablass, und den Ablass hat bestätigt Papst Clemens.» Das Geld fliesse natürlich nicht zum Konvent, sondern werde für gute Taten verwendet, versichert der Kleriker.

«Sorge tragen zum ältesten Gemäuer in Giswil»
Beim Burgeingang steht Landsknecht Bruno Zumbühl. «Ich bin dem Burgherrn unterstellt. Dieser hat die Aufgabe, den Übergang zum Brünig zu bewachen, Wegzoll einzuziehen und den Bauern jedes Jahr den Zehnten einzuziehen.» In Realität ist Bruno Zumbühl Präsident der Heimatkundlichen Vereinigung in Giswil (HVG), welche das Burgenfäscht zusammen mit dem Historischen Verein Obwalden organisiert. 20'000 Franken hat der Verein diesen Sommer in die sanfte Renovation der Burg Rudenz investiert. Der Kanton hat 10'000 Franken übernommen. Der Rest soll aus dem Reinerlös des Festes finanziert werden.

Die Burgruine hat für Zumbühl eine grosse historische Bedeutung. «Sie ist ein Geschichtsstein von Giswil, unsere Geschichte. 1252 das erste Mal belegt, ist es das älteste Gemäuer in Giswil. Dazu müssen wir Sorge tragen.»

Matthias Piazza

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Montag in der Neuen Obwaldner Zeitung.