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COLÔNIA HELVETIA: Bricht die Brücke der Freundschaft?

Im Sommer fährt eine Zentralschweizer Delegation nach Brasilien in die von Obwaldner Familien gegründete Kolonie. Mitorganisator Hans Kaufmann befürchtet, dass dies die letzte solche Reise ist.
Marion Wannemacher
Ein Stimmungsbild von der letzten Reise. (Bild: Alexandra Frei (4. August 2013))

Ein Stimmungsbild von der letzten Reise. (Bild: Alexandra Frei (4. August 2013))

Marion Wannemacher
marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

«Die Reise ist eine unter bisher vielen in die Colônia Helvetia. Es entstand ja schon eine Art Tradition. Es zeigen sich aber zunehmend Schwierigkeiten, und sie könnte deshalb die letzte sein», sagt Hans Kaufmann. 1989 kam der Aargauer in Brasilien in Kontakt mit der Obwaldner Gruppe, als diese die Schweizerschule in Curitiba besuchte, wo er für drei Jahre unterrichtete. Dieses Jahr nun ist Kaufmann Kommunikationsbeauftrager für die Reise.

Diesen Sommer reist eine Delegation aus der Zentralschweiz zum 40-Jahr-Jubiläum der Trachtengruppe Enzian in der Colônia. «Das Interesse hat wegen der vielen Reisen, die schon dorthin unternommen wurden, nachgelassen, die Mitglieder der Organisationsgruppe sind überaltert, und von öffentlicher Seite her besteht zu wenig Interesse, diese kulturellen Aktivitäten in der Kolonie zu unterstützen», glaubt Kaufmann.

Beschwerliche Reise lohnte sich für manche doch

129 Jahre ist es mittlerweile her, dass rund 150 Obwaldner nach Brasilien auswanderten, weil sie dort bessere Lebensbedingungen erwarteten. Eine für viele trügerische Hoffnung, denn mehr als jeder Dritte liess auf der beschwerlichen Reise sein Leben, und die brasilianischen Grossgrundbesitzer forderten die Hälfte der Ernteerträge. Doch die vier Familien Wolf, Ambiel, Bannwart und Amstalden gründeten die Colônia und brachten es mit Anbau von Kaffee, Zuckerrohr und Bohnen zu gewissem Reichtum.

Die Kolonie besteht heute noch, und das Interesse der Brasilianer, vor allem der jüngeren und mittleren Generation von 20 bis 40 Jahren, an der Schweizer Kultur ist offensichtlich ausgeprägt. Sie gründeten den Schützenverein Helvetia, die Trachtengruppe Enzian und durch den Sarner Auswanderer Noldi Heuberger den Jodlerklub Helvetia. Sehr viel Anteil an den Beziehungen Schweiz-Brasilien hat der ehemalige Obwaldner Lehrer Sepp Wolf, der im Thurgau wohnt. Er suchte in der ganzen Schweiz immer wieder Musikanten, Volkstanzgruppen, Jodler, Fahnenschwinger und Geissle­chlöpfer und führte sie zu den ehemaligen Schweizern. Auch umgekehrt kamen die Brasilianer nach Obwalden.

«Was mich so erstaunt, ist, dass da junge Leute in der fünften Generation unsere Schweizer Trachtentänze tanzen», sagt Marianne von Ah, die mit ihrem Mann Bärti und zwei weiteren Mitgliedern diesen Sommer als Delegation der Trachtengruppe Sachseln mitfährt. Auch Bärti von Ah zeigt sich überrascht, dass in der Kolonie typisch schweizerische Vereinsaktivitäten wie Schützenverein, Trachtengruppe für Erwachsene und gar eine für Kinder sowie ein Jodlerklub gepflegt werden. Die Vereinsmitglieder treffen sich in der Kolonie sonntags, weil sie häufig weit entfernt voneinander arbeiten.

Zahlreiche Ob- und Nidwaldner mit dabei

Die diesjährige Reisegruppe aus der Zentralschweiz besteht aus fünf Tanzpaaren, drei Musikanten, drei Alphornbläsern unter anderem aus Buochs und drei Fahnenschwingern auch aus Alpnach sowie sieben Begleitpersonen, von denen drei Portugiesisch sprechen. Aus Obwalden sind Fahnenschwinger Franz Wallimann mit zwei weiteren aus Weggis und Steinen sowie zwei Alphornbläsern und weiteren Begleitpersonen mit dabei. Die Nachkommen der Auswanderer haben sich von der Tanzgruppe Sachseln während ihres Aufenthalts einen Workshop gewünscht. Korrektur beim Pflegen von ­originalgetreuem Schweizer Brauchtum tue vielfach not, weiss Marianne von Ah.

Trachten in Brasilien unerschwinglich

Eine Tracht ist für die Brasilianer nahezu unerschwinglich. «Eine Werktagstracht kostet mit Strumpfhosen, Bluse und Schuhen um die 1500 Franken, eine Uisgschliffni› gegen 2500 Franken», nennt von Ah zwei Beispiele. Auch beim Tanzen kommt es auf die Feinheiten an. In ihren Anfängen hatte die brasilianische Tanzgruppe eine deutsche Tanzlehrerin. Bei einem Auftritt fielen dann Abweichungen auf. Ein berühmtes Tanzlehrerpaar aus Bern korrigierte den falschen Kurs.

Die für Sommer geplante Reise dauert vom 27. Juli bis 10. August. Natürlich wird auch der erste August gefeiert, allerdings schon übers Wochenende vom 29./30. Juli wegen der weiten Anfahrtswege vieler Gäste. Den tatsächlichen 1. August wird die Delegation voraussichtlich mit Fahnenschwingen, Alphornmusik und Trachtengruppe an der Copacabana feiern.

Trotz aller Vorfreude: Kulturellen Zustupf gab es lediglich vom Sport- und Kulturamt Obwalden in Höhe von 1000 Franken. Ob es wohl zum 130. Jubiläum der Kolonie im nächsten Jahr noch zu einem Besuch in Brasilien kommen wird?

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