Corona

«Das Video ist schlechte Werbung für uns»: Titlisbahnen machen sich Sorgen um den Skibetrieb

Ein Video zeigt eine fast endlos scheinende Schlange am Dienstag vor der Talstation der Titlisbahnen. Funktionieren die Schutzmassnahmen? Sprecher Urs Egli sagt, das Video zeige nur die halbe Wahrheit – und er verspricht Verbesserungen.

Christian Glaus
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Leservideo: PilatusToday

«Wenn das nur gut kommt.» Mit diesen Worten hat der Obwaldner alt Regierungsrat Niklaus Bleiker ein Video auf Twitter geteilt. Es zeigt, wie sich am Dienstag vor der Talstation der Titlisbahnen eine lange Schlange bildet – bis zum Parkplatz. Die Leute stehen dicht an dicht, nicht alle Erwachsenen tragen eine Maske. Die Aufnahmen – nicht nur Bleikers Beitrag – machen schnell die Runde. Die Frage stellt sich: Funktioniert so Skifahren im Coronawinter? Und: Sieht so ein funktionierendes Schutzkonzept aus?

Bleiker hat seinen Post inzwischen gelöscht. Weil er falsch verstanden worden sei, wie er gegenüber unserer Zeitung sagt. «Eigentlich wollte ich nur die Leute wachrütteln. Wenn alle ihr Schutzkonzept so gut umsetzen wie die Titlisbahnen, kommt es gut. Sonst laufen wir in einen Hammer.» Bleiker war zwar am Dienstag nicht selber bei der Titlis-Talstation, er kennt aber die Umsetzung der Schutzmassnahmen von anderen Skitagen, als er selber auf der Piste war. «Die Titlisbahnen machen das wirklich vorbildlich.» Die Gäste würden im Freien anstehen, alle mit Masken, die Stationen seien fast menschenleer. «Ich habe aber Bedenken, dass wir nicht mehr lange Ski fahren können, wenn das nicht alle so machen.»

Gesundheitsdirektorin übt sich in Zurückhaltung

Für die Beurteilung der Schutzkonzepte und für die Bewilligung des Skibetriebs sind die Kantone zuständig. Die Obwaldner Gesundheitsdirektorin Maya Büchi hat die Bilder aus Engelberg gesehen. «Auch solche, die etwas ganz anderes darstellen», sagt die Regierungsrätin auf Anfrage. Inhaltlich will sie sich nicht dazu äussern, weil der Prozess noch im Gang sei. Das Schutzkonzept liege noch nicht abschliessend vor. So schnell wie möglich will der Kanton dieses prüfen und entscheiden. Auch zum neuen Verschärfungspaket des Bundesrats will sich Büchi noch nicht äussern, weil dieses noch nicht in der Regierung behandelt worden sei. «Wir haben nur ein paar Stunden Zeit für unsere Stellungnahme gegenüber dem Bundesrat», so Büchi. Was sie aber sagen könne: «Bei den Massnahmen muss man die Regionalität berücksichtigen.»

Zurück zu den Titlisbahnen: Diese haben keine Freude an den Bildaufnahmen. «Das Video ist schlechte Werbung für uns, weil es nicht die ganze Situation zeigt», sagt Sprecher Urs Egli. Die Titlisbahnen haben inzwischen eigenes Bildmaterial veröffentlicht, welches die Situation in den Stationen zeigt. Die Gäste tragen Masken, es hat nur wenige Leute in den Gebäuden.

Blick zum Drehkreuz in der Talstation. Die Aufnahme ist laut den Titlisbahnen am 8. Dezember um 10 Uhr entstanden.

Blick zum Drehkreuz in der Talstation. Die Aufnahme ist laut den Titlisbahnen am 8. Dezember um 10 Uhr entstanden.

Bild: Titlisbahnen

«Es ist gewollt, dass die Leute im Aussenbereich anstehen. Dort ist die Ansteckungsgefahr viel kleiner als im Inneren», betont Egli. Die Sicherheit der Gäste sei gewährleistet.

Doch wo hört die Verantwortung der Bergbahnen auf? Sind sie nicht mehr zuständig, wenn die Leute im Freien Schulter an Schulter stehen? «Innerhalb einer Gruppe werden die 1,5 Meter Abstand natürlich nicht immer eingehalten, zwischen den Gruppen aber schon», betont Egli. Die Gäste müssten sich noch an die Schutzmassnahmen gewöhnen.

«Wie der Bundesrat sind auch wir auf die Eigenverantwortung jedes Einzelnen angewiesen.»

Egli sagt, die Geschäftsleitung sei am Dienstag selber vor Ort gewesen und habe sich ein Bild gemacht. Die Leute seien sehr diszipliniert gewesen, hätten Masken getragen und nicht gedrängelt. «Man spürt schon, dass sich das Verhalten beim Anstehen verändert hat, wir sind auf einem guten Weg.»

Neu: Sicherheitsdienst und zweiter Eingang

Dennoch setzen die Titlisbahnen weitere Massnahmen um. So wird künftig ein Sicherheitsdienst eingesetzt, um die Gäste auf die Schutzvorkehrungen hinzuweisen. Ausserdem steht ab nächstem Wochenende ein zweiter Eingang mit zusätzlichen Ticketautomaten zur Verfügung, damit die Kunden möglichst rasch und möglichst kontaktlos zu ihren Tickets kommen. «Nach Möglichkeit sollen sie diese bereits online kaufen», sagt Egli. Ausserdem wollen die Titlisbahnen die Signalisation verbessern.

Am Dienstag waren rund 2700 Personen im Skigebiet unterwegs. Von Spitzenwerten sind die Titlisbahnen damit weit entfernt. Wie konnte sich da überhaupt eine derart lange Schlange bilden? Urs Egli spricht von einer Summierung unglücklicher Umstände. Aufgrund des starken Schneefalls waren Lawinensprengungen nötig. Diese konnten wegen starken Windes aber nicht wie geplant durchgeführt werden. Deshalb verzögerte sich die Öffnung des Skigebiets. Wegen des starken Windes musste auch die Fahrtgeschwindigkeit des Titlis-Express reduziert werden – die Förderleistung nahm ab. Hinzu kam, dass wegen der Coronamassnahmen nur noch fünf Personen pro Gondel erlaubt sind. «Im Schnitt sind aber nur drei eingestiegen», so Egli. Die Förderleistung reduzierte sich weiter. Nach zwei Stunden habe sich die Schlange aufgelöst.

Über 250'000 Franken in Coronaschutz investiert

Die Titlisbahnen haben nach eigenen Angaben bisher über 250'000 Franken in den Coronaschutz für die Gäste investiert. «Und das, obwohl wir wissen, dass wir diese Kosten nicht wieder erwirtschaften können.» Zur Politik mit den ständig neuen Verschärfungen äussert sich das Unternehmen nicht. Doch die Tatsache, dass der Bundesrat immer neue Massnahmen in Aussicht stellt, stimmt wenig zuversichtlich. Werden die Bergbahnen bald ein zweites Mal stillgelegt? Der Blick in die Zukunft bereitet Urs Egli Sorgen: «Die sich ständig ändernden Rahmenbedingungen verunmöglichen uns, Sicherheit in der Planung zu erlangen, und dies ist kostspielig.»

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