Fünf Millionen Soforthilfe für die Obwaldner Wirtschaft: «Wir wollen nicht, dass Unternehmen jetzt pleitegehen»

Der Regierungsrat und die Obwaldner Kantonalbank haben einen Hilfsfonds für Kleinstunternehmen beschlossen. Nidwalden plant, für Bankkredite zu bürgen. Die Kurzarbeitsgesuche häufen sich. 

Franziska Herger
Hören
Drucken
Teilen
Die meisten Geschäfte in Obwalden sind wegen des Corona-Virus geschlossen, wie hier im Dorfzentrum von Sarnen.

Die meisten Geschäfte in Obwalden sind wegen des Corona-Virus geschlossen, wie hier im Dorfzentrum von Sarnen. 

Bild: Keystone/Urs Flüeler (17. März 2020)

Obwaldner Unternehmen erhalten – praktisch ab sofort – fünf Millionen Franken Soforthilfe aus einem Fonds der Obwaldner Kantonalbank (OKB). Dies teilte der Regierungsrat am Donnerstag mit. Die vom Bundesrat infolge der Corona-Krise erlassenen Verbote und Massnahmen würden die Wirtschaft hart treffen, so die Regierung. Vor allem kleine Unternehmen und selbstständig Erwerbende, Landwirte und Kulturschaffende «werden aufgrund des Corona-Virus unverschuldet vor Liquiditätsproblemen stehen».

Die Gesundheit der Bevölkerung und die Aufrechterhaltung des Gesundheitssystems haben auch in Obwalden Priorität, wird Landammann Josef Hess zitiert. «Gleichzeitig müssen aber sehr schnell und unbürokratisch Massnahmen zur Linderung der wirtschaftlichen Folgen angegangen werden.»  Nach einer Analyse der Situation mit der Regierung hat der Bankrat der OKB daher die Schaffung eines Fonds beschlossen. «Damit sollen vor allem Firmen, insbesondere Kleinstunternehmen, unterstützt werden, die es am härtesten trifft, weil sie beispielsweise nicht auf Unterstützung des Bundes hoffen können», sagt OKB-CEO Bruno Thürig. «Der Fonds soll ein Auffangnetz sein, eine Art Sozialdienst für Kleinstunternehmen.»

Volkswirtschaftsdirektor: Unternehmer brauchen Sicherheit

Auch der Bund hat zehn Milliarden Franken Soforthilfe in Aussicht gestellt sowie eine weitere Milliarde für besonders betroffene Unternehmen. An wen und unter welchen Bedingungen diese Gelder geleistet werden, soll bis April definiert werden. Zu spät, findet Volkswirtschaftsdirektor Daniel Wyler. «Wir müssen den Unternehmen konkrete Vorschläge machen können. Es braucht etwas Handfestes, die Leute sind genug verunsichert.» Ziel sei, die Fixkosten der Unternehmen zu decken, damit sie nach Ende der Krise wieder in den normalen Betrieb übergehen können. «Wir wollen nicht, dass Unternehmen jetzt pleitegehen, denn damit ginge die ganze Obwaldner Wirtschaft kaputt.»

Bei den Geldern aus dem OKB-Fonds handelt es sich weder um A-fonds-perdu-Beiträge noch um einen normalen Unternehmenskredit. Bruno Thürig erklärt: «Es sind zinslose Darlehen mit einer rund einjährigen Rückzahlfrist, über die diskutiert werden kann.» Dabei werde der Mindestbetrag eruiert, den ein Kleinstunternehmen zur Existenzsicherung brauche. Daniel Wyler betont:

«Es geht hier nicht darum, Unternehmensgewinne zu finanzieren.»

Bereits im Verlauf der nächsten Woche sollen die Unternehmen per Online-Formular bei der OKB Kreditanträge stellen können. «Wichtig ist jedoch, zuerst mit der Hausbank zu reden. Sollte dort ein Kredit nicht zu Stande kommen, ist der Fonds die richtige Anlaufstelle», so Thürig. Man werde die Gesuche möglichst unbürokratisch in einem verkürzten Verfahren prüfen. Nötige Angaben seien eine Bankverbindung sowie ein Handelsregisterauszug oder eine andere Form der Unternehmensidentifizierung sowie eine Antragsbegründung. Fixkosten müssten lediglich plausibilisiert, nicht restlos nachgewiesen werden. Die Bank habe genügend Liquidität, um den Fonds zu äufnen, sagt Bruno Thürig. «Wir gehen ja von einer Rückzahlung der Kredite aus.» Die OKB entscheidet über die Verteilung der Kredite. Der Kanton als Bankeigner hat ein Anhörungsrecht.

Weitere Mittel könnten zur Verfügung gestellt werden

Die fünf Millionen beruhten nicht auf einer genauen Schadensprognose, sagt Daniel Wyler: «Das wirtschaftliche Schadensausmass der Corona-Krise lässt sich noch nicht abschätzen, da nicht klar ist, wie lange die Massnahmen noch dauern. Aber die Luzerner Kantonalbank hat 50 Millionen bereitgestellt, und Obwalden hat etwa einen Zehntel der Einwohner Luzerns.» Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Kanton zusätzliche Mittel nachschiessen werde.

Zunächst brauche es aber eine Koordination mit den vom Bund in Aussicht gestellten Mitteln. Die Volkswirtschaftsdirektion habe in den letzten Tagen viele verzweifelte Anrufe erhalten. Das sei sehr verständlich, sagt Daniel Wyler. «Schwieriger ist, wenn wir am Telefon oder am Schalter beschimpft und bedroht werden, weil wir noch nicht sagen können, wie es sich genau mit den Bundesgeldern verhält. Da schlägt man den Hund und nicht den Meister.»

171 Kurzarbeitsgesuche eingereicht

Seit Beginn der Krise sind in Obwalden 171 Kurzarbeitsgesuche eingegangen. Normalerweise sind es im gleichen Zeitraum weniger als eine Handvoll. Der administrative Aufwand sei gross, so Wyler. Trotz Personalstopp sei die Volkswirtschaftsdirektion durch Umverteilungen um zwei Vollzeitstellen aufgestockt worden. «Die Mitarbeiter leisten massiv Überzeit.» Grössere Obwaldner Industrie- und Produktionsunternehmen litten im Moment noch nicht unter mangelnder Liquidität, und auch Zulieferprobleme gebe es nicht in grösserem Ausmass, sagt der Volkswirtschaftsdirektor. Ihnen fehlten aber Mitarbeiter, weil sie zur Risikogruppe gehörten oder gar in Quarantäne sind. Um das Ansteckungsrisiko klein zu halten, sei Schichtbetrieb nötig, weshalb man den Unternehmen mit Nacht- und Sonntagsarbeitsbewilligungen unter die Arme greife.

Neben administrativen Erleichterungen für die Kurzarbeit will der Regierungsrat seitens der Verwaltung Kreditorenrechnungen umgehend begleichen und bei Zahlungsschwierigkeiten Kulanz zeigen. Auch Anpassungen der Zinssätze und Fristen bei den Verzugszinsen würden diskutiert, sagt Wyler. Er traf sich am Donnerstag mit Vertretern des Gewerbeverbandes, Banken sowie den Obwaldner Bundesparlamentariern, um weitere Massnahmen zu prüfen und zu konkretisieren.

Nidwalden arbeitet noch an einer Lösung

Auch in Nidwalden arbeite man «mit Hochdruck» an einer Lösung für die Firmen, sagt Volkswirtschaftsdirektor Othmar Filliger auf Anfrage. «Vorgesehen ist, dass der Kanton für Kredite der in Nidwalden ansässigen Banken an Unternehmen bürgen wird.» Eckdaten würden im Moment zusammen mit der Nidwaldner Kantonalbank konkretisiert. Am 24. März will der Regierungsrat mittels eines befristeten Noterlasses entscheiden. In Nidwalden hat die Zahl der Kurzarbeitsgesuche seit Beginn der Krise 230 erreicht. 

Mehr zum Thema