Corona-Verdachtsfälle in Obwalden und Nidwalden

Zwei Fälle befinden sich in Obwalden in Abklärung, einer in Nidwalden. Weitere erwiesen sich als normale Grippe. 

Franziska Herger
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Das Corona-Virus hat die Schweiz erreicht. Rund 70 Verdachtsfälle gibt es in der Schweiz. Einige davon kämen aus dem Kanton Nidwalden, heisst es beim Kanton auf Anfrage. Es seien jedoch «keine Handvoll», sagt Karen Dörr, Vorsteherin des Nidwaldner Gesundheitsamts. «Es wurden mehrere Analysen aus Nidwalden an das zuständige Labor in Genf geschickt.» Das Labor schicke regelmässig die Resultate zurück – bis zum jetzigen Zeitpunkt alle negativ. Eine Probe sei noch ausstehend, so Dörr.

Nidwalden sei auf das Virus vorbereitet. «Schon seit einiger Zeit besteht eine Taskforce unter Leitung der Gesundheitsdirektorin, die im ständigen Kontakt mit dem Kantonsspital, dem Kantonsarzt und dem kantonalen Führungsstab steht.» Es sei sichergestellt, dass die Abläufe vorbereitet und koordiniert vonstatten gingen, dass etwa genug Atemmasken da seien und der Pandemieplan auf dem neuesten Stand sei. Dieser beschreibt unter anderem die Führung und Koordination der involvierten Organisationen wie Kantonsspital, Nothilfeorganisationen oder Zivilschutz. Weiter stehe der Kantonsarzt regelmässig mit dem Bundesamt für Gesundheit in Kontakt, um die Lage zu beurteilen.

Wie hoch die Bedrohung durch das Virus für Nidwalden sei, sei schwer zu sagen. «Wir sind eine ländliche Region, aber durch Engelberg auch eine Tourismusdestination», meint Karen Dörr. 

Im Notfall gibt es das unterirdische Spital

Der Nidwaldner Spitaldirektor Urs Baumberger sagt auf Anfrage: «Wir hatten bei uns lediglich ein paar wenige Verdachtsfälle zur Abklärung, welche sich nicht bestätigt haben.» Seit einigen Wochen fänden wöchentliche Sitzungen mit der kantonalen Taskforce statt. Darin seien Szenarien definiert worden für unterschiedlich hohe Zahlen an Verdachts- und Krankheitsfällen, die der Kanton allenfalls bewältigen müsste.

«Dann wurde der Betrieb – in Abstimmung mit dem Luzerner Kantonsspital – so geplant, dass wir das jeweilige Patientenvolumen bewältigen könnten, etwa mit Blick auf Personal und Räumlichkeiten», erklärt Baumberger. Keine leichte Aufgabe. «Aufgrund der fehlenden Erfahrungswerte in der Schweiz ist es schwer abzuschätzen, was ein realistisches oder ein Worst-Case-Szenario wäre.» Mit welchen Patientenzahlen besten- und schlechtestenfalls gerechnet wird, darüber gibt der Spitaldirektor keine Auskunft.

Die Vorbereitung in Nidwalden sei jedoch vorbildlich, betont auch er. Das Spital sei bereit. «Dass wir einen Patienten isolieren, ist bei uns Alltag. Werden es mehrere, würden wir allenfalls planbare Operationen verschieben.» Zudem verweist er auf das unterirdische Spital unter dem Kantonsspital Nidwalden, eines von nur sieben Notspitälern schweizweit mit einem so hohen Bereitschaftsgrad, dass es innert Stunden in Betrieb genommen werden könnte. «Dort hätten wir etwa 70 zusätzliche Betten und die Infrastruktur ist direkt am oberirdischen Spital angedockt.»

Hände waschen, Menschenmengen meiden

In Obwalden seien momentan zwei Verdachtsfälle in Abklärung, sagt Patrick Csomor, Leiter des Obwaldner Gesundheitsamts, auf Anfrage. Bisher habe es insgesamt sieben Verdachtsfälle gegeben, den ersten schon im Januar. «Dieser erwies sich jedoch, wie vier weitere, als normaler Grippefall.»

«Bei Verdacht auf Coronavirus werden Patienten angehalten, zu Hause zu bleiben und alle Aussenkontakte zu meiden», so Csomor. Jeder bestätigte Fall müsse in Spitalquarantäne. Im Moment werde noch geklärt, welche derartigen Fälle im Kantonsspital verbleiben könnten und welche nicht. «Das Kantonsspital ist nicht für die Isolation von Hochrisikopatienten eingerichtet. Allenfalls müssten auch Plätze in anderen Spitälern in Anspruch genommen werden.»  

Auch Obwalden verfüge über einen Pandemieplan und das Kantonsspital über ein Pandemielager, das mit dem notwendigen Material wie Atemmasken für das Personal ausgestattet sei. Seit Anfang Woche stünden das Gesundheitsamt, der Kantonsarzt, das Kantonsspital und die Leitung des kantonalen Führungsstabs in regelmässigen Kontakt. «Wir verfolgen die Situation genau», betont Patrick Csomor. Eine allfällige Gefahr durch Touristen aus Asien sieht er als gebannt.

«Die Zahl der Reisegruppen ist praktisch auf null gesunken.»

Für die Bevölkerung sei dasselbe Verhalten zu empfehlen wie bei einer starken saisonalen Grippe: «Auf gründliche Händehygiene achten, nicht mit den Händen das Gesicht berühren, und grosse Menschenmengen meiden.» Besucher der eben zu Ende gegangenen Fasnacht in Obwalden müssten sich aber kaum Sorgen machen. «Die Lage war nicht so, dass eine Beschränkung der Fasnacht ernsthaft in Betracht hätte gezogen werden müssen», sagt Patrick Csomor.

Wichtig sei auch, dass Personen, die Kontakt zu bereits erkrankten Personen hatten und unter Husten und Fieber litten, sich bei einem Arzt meldeten. «Nur so kann die Dunkelziffer von möglichen Betroffenen tief gehalten werden.»

Auch im Kanton Uri wurde am Mittwoch ein Corona-Verdachtsfall bekannt.

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