«Dramatische Situation»: Obwalden schickt nach Coronafall in Klub 300 Personen in Quarantäne

Im Bar- und Musik-Club Gletscherspalte in Engelberg hat sich in der Nacht auf den 6. September eine Person aufgehalten, welche positiv auf Covid-19 getestet wurde. Das hat weitreichende Konsequenzen. Auch, weil viele Gäste falsche Kontakte angaben.

Christian Glaus
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Trotz Intensivierung der Coronatests sind die Fallzahlen im Kanton Obwalden bisher tief geblieben. Und jetzt das: Nach dem Besuch im Engelberger Bar- und Musikklub Gletscherspalte ist ein Besucher positiv auf das Virus getestet worden. Nun müssen sämtliche Mitarbeiter und Gäste, welche sich im Club aufgehalten hatten, in Quarantäne gehen. Betroffen sind rund 300 Personen aus mindestens 14 Kantonen und dem Ausland, wie der Kanton Obwalden am Donnerstagabend mitteilte. Darunter sind allein 100 Personen aus Obwalden.

Die positiv getestete Person hatte sich in der Nacht auf den 6. September im Club aufgehalten. Nach Angaben des Kantons handelt es sich um einen Mann mittleren Alters. Er zeigte Anfang Woche Krankheitssymptome und wurde positiv getestet.

«Für den Kanton Obwalden ist das eine dramatische Situation», sagt Patrick Csomor, Leiter des Gesundheitsamts. Der Grund: Der Club verfügte zwar über ein Schutzkonzept und hat auch die Kontaktdaten seiner Gäste aufgenommen. Die Liste wurde handschriftlich geführt. Aber: «Viele Besucher haben falsche Angaben gemacht», sagt Csomor. Ein Phänomen, das nach ähnlichen Vorfällen in anderen Kantonen eigentlich bereits bekannt sein sollte.

Virus könnte sich rasch unkontrolliert ausbreiten

Für den Kanton ist die aktuelle Situation besonders heikel, weil er erst verspätet reagieren konnte. Und mit vielen Besuchern des Clubs konnte er noch gar nicht Kontakt aufnehmen. «Dadurch besteht die Gefahr, dass sich andere Personen anstecken», sagt Csomor. So könnte sich das Virus rasch unkontrolliert ausbreiten. Zudem sei unklar, ob der Ursprung der Erkrankung des positiv getesteten Mannes der Club ist. Deshalb hat der Kantonsarzt die Quarantäne in Form einer Allgemeinverfügung angeordnet:

  • Sämtliche Personen, die sich am Samstagabend, 5. September und frühen Sonntagmorgen, 6. September, im Club aufgehalten haben, müssen sich ab sofort und bis 15. September in Quarantäne begeben.
  • Personen, die noch nicht zur Quarantäne aufgefordert worden sind, müssen sich mit den zuständigen Stellen ihres Kantons in Verbindung setzen.

Csomor appelliert an die Eigenverantwortung jedes Einzelnen. Er sagt aber auch: «Dieser Fall lehrt uns.» Der Kanton werde Vorkehrungen treffen, damit sich Fälle mit unvollständig und nicht korrekt ausgefüllten Kontaktlisten nicht wiederholen. Wie diese Massnahmen genau umzusetzen sind, werde mit dem Betreiber geklärt.

Gesundheitsamt läuft jetzt im Corona-Modus

Laut Patrick Csomor stellt der Fall auch für das Contact-Tracing eine grosse Herausforderung dar. Zwar könne man das Gesundheitsamt kurzfristig voll auf das Contact-Tracing ausrichten. Das sei aber nur während ein paar wenigen Tagen möglich. Danach müsse das Gesundheitsamt auch wieder die regulären Arbeiten erledigen.

Für den betroffenen Club hat der Coronafall Konsequenzen. Er bleibt bis auf Weiteres geschlossen, wie Csomor bestätigt. Bevor er wieder öffnen könne, müsse das Schutzkonzept und vor allem die Zuverlässigkeit der Kontaktangaben der Besucher verbessert werden.