Coronapandemie

Über 20 Millionen Franken betrage der Verlust: Obwaldner Gastronomie fordert sofortige Finanzhilfe

Eine Umfrage von Gastro Obwalden zeigt: Wegen der Coronapandemie sind bei Obwaldner Restaurants und Hotels Schäden von über 20 Millionen Franken entstanden. Jedoch nur jeder dritte Betrieb sei nach aktuellem Stand ein Härtefall und erhalte finanzielle Unterstützung.

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(inf) Gastro Obwalden führte vor Weihnachten eine Umfrage bei seinen Mitgliedern durch. Von den 108 Restaurants und Hotels haben insgesamt 59 an der Umfrage teilgenommen. «Die Resultate sind erschreckend», sagt der Obwaldner Gastropräsident Bruno Della Torre. Die Umfrage zeigt: Der durchschnittliche Schaden je Betrieb im Sarneraatal und Engelberg beläuft sich auf 192'800 Franken. Hochgerechnet auf über 108 Betriebe beträgt der Coronaschaden in der Obwaldner Gastronomie fast 21 Millionen Franken, wie Gastro Obwalden in einer Mitteilung schreibt. «Ohne schnelle Hilfe werden das zahlreiche Betriebe nicht überleben», weiss Bruno Della Torre aus Gesprächen mit Berufskollegen zu berichten.

Bruno Della Torre vom Gasthaus Rose ist Präsident von Gastro Obwalden und überzeugt: «Ohne schnelle Hilfe werden zahlreiche Betriebe nicht überleben.»

Bruno Della Torre vom Gasthaus Rose ist Präsident von Gastro Obwalden und überzeugt: «Ohne schnelle Hilfe werden zahlreiche Betriebe nicht überleben.»

Bild: Pius Amrein
(Kerns, 6. November 2020)

Der durchschnittliche Umsatzrückgang im Jahr 2020 gegenüber den Vorjahren beläuft sich auf 34 Prozent. Diese Zahl sei insofern relevant, weil sie aufzeige, dass der Grossteil der Betriebe beim Härtefallprogramm von Bund und Kanton durch die Maschen fallen würde. Nur ein Drittel der Betriebe habe Umsatzrückgänge von über 40 Prozent und wäre nach dieser Definition ein Härtefall. «Unsere Umfrage hat ergeben, dass sehr viele Betriebe Ausfälle zwischen 20 und 40 Prozent ausweisen», erläutert der Obwaldner Gastropräsident und ergänzt:

«Aber auch diese Betriebe haben Schäden im sechsstelligen Bereich und es kann nicht sein, dass Wirtefamilien unverschuldet diese Schäden selber tragen müssen.»

Viele beanspruchten bereits finanzielle Hilfe – soweit möglich

Die Umfrage zeigt zudem, dass 88 Prozent der Obwaldner Betriebe im 2020 Hilfsmassnahmen beansprucht und Kurzarbeitsentschädigungen in Anspruch genommen haben. Knapp 60 Prozent der Hotels und Restaurants hätten im Frühling 2020 einen Coronakredit aufgenommen. Gut die Hälfte der Betriebe erhielt zudem gewisse Coronaschäden von Versicherungen bezahlt. Ein Viertel der Betriebe habe Mietzinsreduktionen bekommen und/oder beim Obwaldner Hilfsfonds für Härtefälle einen Beitrag beantragt. Weniger als 10 Prozent mussten Zahlungen bei Lieferanten, Versicherungen oder Steuern aufschieben lassen.

Einschneidend sei die Lage aber auch für die Angestellten. Die von Gastro Obwalden durchgeführte Umfrage zeigt, dass im Coronajahr im Schnitt drei Stellen pro Betrieb abgebaut wurden. Das sind für Obwalden über 300 neue Arbeitslose im 2020. Weitere sechs Stellen pro Betrieb oder hochgerechnet 600 Stellen seien gefährdet, wenn sich die Krise bis im Sommer 2021 hinziehe. «Das sind massive Verluste für unsere Branche», erklärt Bruno Della Torre und ergänzt:

«Es wird Know-how vernichtet, welches über viele Jahre aufgebaut wurde und es stehen 600 menschliche Schicksale hinter diesen Zahlen.»

Der Obwaldner Gastroverband stellt deshalb klare Forderungen an die Behörden und Politik: «Wir fordern eine faire Lösung für alle Geschädigten infolge der staatlichen Pandemiebekämpfung. Wir erwarten eine vollständige Entschädigung für die Umsatzausfälle im Jahr 2020, sei dies vom Bund oder vom Kanton Obwalden.» Die Entschädigungen seien mit A-fonds-perdu-Beiträgen zu zahlen. Gestützt auf die Branchenzahlen von Gastro Suisse betragen die Schäden der Betriebe rund 30 Prozent vom Umsatzausfall. Daher fordert der Verband Gastro Obwalden als schnelle Entschädigung 30 Prozent vom Umsatzausfall im Jahr 2020 verglichen mit den Jahren 2018 und 2019. Gastro Obwalden ist überzeugt, dass es nun schnelle und pragmatische Lösungen braucht. Ansonsten drohe vielen Betrieben bereits Anfang 2021 der Konkurs.

Diese staatlichen Einschränkungen haben den Gastrobetrieben am meisten zugesetzt

Die staatlichen Einschränkungen der vergangenen Monate hat der Obwaldner Gastrobranche unterschiedlich geschadet, wie die Umfrage bei den Mitgliedern zeigt. Die Befragten nannten den Shutdown im Frühling als den härtesten Einschnitt. Gefolgt von den Sitzplatzbeschränkungen von zehn und später sogar auf vier Personen pro Tisch. Das Veranstaltungsverbot (über 50 bzw. 30 Personen), die Tischabstände (2 Meter bzw. 1,5 Meter) und die allgemeine «Negativ-Kommunikation» trafen die Betriebe ähnlich stark. Die Sperrstunde (24 Uhr bzw. 23 Uhr) und das Veranstaltungsverbot (über 300 Personen) hat einzelne entsprechende Betriebe hart getroffen, im Durchschnitt aber wurden diese Einschränkungen am wenigsten gravierend eingestuft.

Zudem erbrachte die Mitgliederumfrage, dass die Schutzkonzepte in der Gastronomie in Obwalden im Schnitt etwas mehr als 20'000 Franken pro Betrieb gekostet haben. Bei über hundert Restaurants und Hotels gibt dies für die Coronaschutzmassnahmen im 2020 bereits eine Summe von über 2 Millionen Franken. «Für eine Branche mit sehr geringen Gewinnmargen sind bereits diese Extrakosten eine grosse Herausforderung und lasten auf den Schultern vieler Betriebe», sagt Gastropräsident Bruno Della Torre. (pd/inf)