Coronavirus kurbelt Obwaldner Müesli- und Pastaproduktion an

Bei der Sachsler Bio-Familia und auch der Kernser Pasta Röthlin läuft der Betrieb auf Hochtouren. Die Freude hält sich jedoch in Grenzen.

Matthias Piazza
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Produktion bei der Bio-Familia in Sachseln.

Produktion bei der Bio-Familia in Sachseln.

Bild: PD

14000 Tonnen Cerealien, also Müesli, produziert die Sachsler Bio-Familia AG in einem durchschnittlichen Jahr. Dieses Jahr dürften es mehr sein. «In den vergangenen drei Wochen hat die Nachfrage nach unseren Produkten stark zugenommen», sagt CEO Peter Odermatt. Es würden fast 20 Prozent mehr produziert als in normalen Zeiten. «Hamsterkäufe wegen der Coronapandemie sind sicher mit ein Grund. Hinzu kommt, dass mehr gefrühstückt wird, weil viele Leute, die sonst pendeln und nicht frühstücken, jetzt von zu Hause aus arbeiten», führt Odermatt aus.

Peter Wallimann, Produktionsleiter der Pasta Röthlin AG, in der Packerei in Kerns.

Peter Wallimann, Produktionsleiter der Pasta Röthlin AG, in der Packerei in Kerns.

Bild: PD

Man spüre auch, dass die Grossdetaillisten wie Coop oder Denner wegen der höheren Nachfrage ihrer Kunden ihre Lager aufstocken. Dies alles wirke sich stark auf die Produktion aus, da 85 Prozent der produzierten Menge an Detaillisten und 15 Prozent an Hotels und Restaurants geliefert würden.

Nicht nur die Anlagen laufen in diesen Tagen auf Hochtouren. Auch die rund 130 Mitarbeiter in der Produktion leisten Überstunden und arbeiten auch samstags – von Kurzarbeit wie in anderen Branchen keine Spur, im Gegenteil.

Mitarbeiter von Hotels und Restaurants springen ein

Doch gerade jetzt, wo jede helfende Hand gefragt ist, sind die Absenzen wegen der Coronapandemie hoch. Zwischen 8 und 15 Mitarbeiter der 200-köpfigen Belegschaft mussten in den vergangenen Wochen zu Hause bleiben. «Bisher hatten wir keinen bestätigten Coronafall», hält Peter Odermatt fest. «Aber Mitarbeiter, die einer Risikogruppe angehören, unter hohem Blutdruck leiden, erkältet sind, oder sich krank fühlen, bleiben zu Hause. Gleiches gilt für Mitarbeiter, deren Familienmitglieder krank sind.» Auf einen Schlag brauchte das Unternehmen Mitarbeiter, die aushelfen.

Fündig wurde man bei Hotels und Restaurants in der Umgebung. Weil die Restaurants wegen des Coronavirus geschlossen sind, gibt es dort nichts zu tun. Und auch die Hotels, obwohl offen, haben Flaute, weil die Touristen ausbleiben. Trotzdem: «Wir waren positiv überrascht, wie schnell wir dieses Dutzend Mitarbeiter engagieren konnten. Einige davon kommen sogar aus der Lebensmittelbranche», sagt der CEO. Überhaupt sei er vom Engagement der eigenen und fremden Mitarbeiter tief beeindruckt. «Sie leisten Ausserordentliches, ohne sich zu beklagen.»

Auch wenn die Belegschaft voll mitziehe, sei der Aufwand für die organisatorischen Massnahmen enorm. «Bei Schichtwechsel darf die eine mit der anderen Schicht nicht in Berührung kommen, um das Ansteckungsrisiko so minim wie möglich zu halten. Normalerweise gibt es eine Überschneidung von zehn Minuten. Nun müssen Informationen zum Produktionsablauf telefonisch an die Nachfolger weitergegeben werden.» In die Kantine oder in die Garderobe dürfen die Mitarbeiter nur noch gestaffelt.

Von einem guten Geschäft dank der Coronapandemie will Peter Odermatt nicht sprechen. «Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage in den nächsten Wochen stark zurückgeht, wenn die Lager der Detaillisten voll und die Haushalte eingedeckt sind. Wahrscheinlich fallen wir dann gar in ein Auftragsloch.»

Dass Bio-Familia ein ausserordentlich gutes Geschäftsjahr haben werde, bezweifle er darum auch. «Der Umsatz im laufenden Jahr wird vielleicht fünf bis zehn Prozent höher sein als 2019», meint er. Klar sei, dass dieses Geschäftsjahr unvergessen bleibe. «In diesen zehn Jahren als Geschäftsführer von Bio-Familia habe ich etwas Vergleichbares noch nie erlebt.»

Doppelt so viele Teigwaren wie sonst

Auch bei der Kernser Pasta Röthlin AG laufen die Maschinen heiss. «Wir produzierten diesen März über 250 Tonnen Teigwaren, etwa doppelt so viel wie in einem normalen Monat», sagt Marketingleiterin Sarah Gerster. Zwar bezögen die Restaurants fast keine Pasta mehr, dafür bestellten die Detaillisten das Dreifache. Dies verlange von den knapp 50 Mitarbeitern grossen Effort mit Überstunden. Dank Schweizer Hauptlieferanten sei die Lieferung von Rohstoff und Verpackungsmaterial sichergestellt, auch wenn die Grenzen geschlossen würden. Auch Sarah Gerster rechnet nach der Auftragsspitze mit einer Flaute, wenn alle mit Teigwaren eingedeckt sind.