Maturanden in Nid- und Obwalden hoffen und bangen

Was passiert mit den Maturitätsprüfungen? Alle Beteiligten erwarten die nationale Entscheidung mit Spannung.

Marion Wannemacher
Drucken
Teilen
Die Schulzimmer bleiben zurzeit leer.

Die Schulzimmer bleiben zurzeit leer.

Bild: Urs Flüeler / KEYSTONE

Ende Mai beginnen üblicherweise die Maturitätsprüfungen in Ob- und Nidwalden, bis Mitte Juni wäre die Prüfungsphase beendet. Am 19. Juni steht in Sarnen an der Kantonsschule die Maturafeier auf dem Plan, am Kollegi St. Fidelis Stans am 13. Juni, in Engelberg am 12. Juni – wenn nicht das Coronavirus dazwischen kommt. Die Frage ist nur, wie die Maturanden zu ihrer Maturität kommen sollen, wie in diesem Jahr Prüfungen gehandhabt werden können.  58 Maturanden in Sarnen, 22 in Engelberg und 76 in Stans stehen in diesen Tagen zwischen Hoffen und Bangen.

 «Bei uns läuft es, als ob die Prüfungen stattfinden werden», berichtet Patrick Meile, Rektor der Kantonsschule Obwalden. «Die Lehrer bereiten die Maturitätsprüfungen vor, in den Frühlingsferien müssen sie ihre schriftlichen Themen abgeben, wenn alles ist wie sonst», berichtet er.  Auch die Schüler sind am Vorbereiten: Zusammenfassungen schreiben, Lernstoff repetieren, Bücher lesen. Die Schüler seien verunsichert, erklärt der Rektor. «Aufgrund der Situation sind für sie Prüfungen wichtig.» Sie machten sich Sorgen, ob sie ein Zeugnis erhalten, wenn sie keine Prüfung abgelegt haben. «An der Kantonsschule Obwalden sind wir also alle gespannt, was entschieden wird.»  

 «Wenig Konkretes kann kommuniziert werden»

Auch Patrick Eigenmann, Rektor am Kollegium St. Fidelis in Stans, weiss um die Unsicherheiten bei den Schülern. «Natürlich sind einige beunruhigt und fragen nach, ob die Maturaprüfungen wie geplant stattfinden und vor allem, ob das Ziel Matura 20 in Gefahr sei.» Die grösste Herausforderung im Moment bestehe darin, dass wenig Konkretes kommuniziert werden könne. «Wichtig sind für uns schnelle und stabile Entscheidungen, damit wir uns organisieren können.»

Einig sind sich beide Rektoren darin, dass es schweizweit die gleichen Regelungen geben müsse. Das sehen auch Francesca Moser, Leiterin des Amtes für Volks- und Mittelschulen Obwalden und Pius Felder, Leiter des Amtes für Berufsbildung und Mittelschule Nidwalden so. Auf ihren Schreibtischen stapeln sich derzeit Entscheidungen wie: «Wie sieht es aus mit den Promotionen für die Schülerinnen und Schüler, die nicht in den Abschlussklassen sind? Werden weiterhin Leistungsbeurteilungen in der üblichen Form gelten? » In Zusammenhang mit der Frage nach der Matura 2020 verweist Felder auf die Bemühungen der Schweizerischen Konferenz der Erziehungsdirektoren EDK, eine schweizweit gültige Lösung zu finden. Die Schweizerische Mittelschulämterkonzerenz SMAK prüft derzeit verschiedene Szenarien. Für die Berufsmaturität gelten auf entsprechender Ebene die gleichen Bestrebungen.

Von verlängerten Massnahmen ausgegangen

Aus seiner Einschätzung rechnet Felder nicht mit einer normalen Prüfung wie sonst in schriftlicher und mündlicher Form. «Ich gehe von einer Verlängerung der Massnahme aus», sagt er. Die Hygieneregel sei nicht das Problem, sondern die Umsetzung der Distanzregel in Bezug auf Infrastruktur und Ressourcen, da es bei maximal fünf Personen eine sehr grosse Anzahl an Zimmern und Aufsichtspersonen brauche. «Am ehesten umsetzbar ist die mündliche Prüfung mit einem Kandidaten und zwei Prüfungsexperten», so seine Ansicht. Falls es keine andere Möglichkeit gebe, werde er auch befürworten, dass es keine Prüfungen gebe und die Erfahrungsnoten mit einbezogen werden. Für eine solche schweizweite Massnahme brauche es aber eine Notverordnung vom Bundesrat.  Bedenken, dass eine Maturität ohne Prüfung eine Abwertung erfahre, hat der Bildungsexperte nicht: «Ein solcher Maturaausweis zählt wie alle anderen und ermöglicht den Zugang zu Hochschulen. Dort müssen sich die Absolventen dann ohnehin bewähren.»

«Ungewissheit ist eine grosse Belastung für uns alle»

Und wie nehmen es die Betroffenen selber? Maturandin Marlene Zimmermann aus Hergiswil weiss nicht so recht, was sie von der ganzen Lage halten soll: «Bei uns weiss niemand, ob die Prüfungen stattfinden und ob man überhaupt noch einmal einen richtigen Schulalltag haben wird. Die Ungewissheit ist sicher eine Belastung für uns alle.» Ihr wäre es am liebsten, wenn die Semesternoten anstelle der Maturaprüfungen akzeptiert würden. «So hätten wir auch keine Ungewissheit mehr, weil man ja nicht weiss, ob die Maturaprüfungen nicht doch noch kurzfristig abgesagt werden, wenn sich die Lage verschlimmert.»

Für eine mündliche Prüfung plädiert ihr Jahrgangskollege Marco Balbi aus Stans: «Diese könnte man allenfalls über Skype oder eventuell auch, mit genügend Abstand und allen notwendigen Sicherheitsmassnahmen, im Kollegi durchführen». Livio Tecchiati aus Sarnen erzählt: «Ich bereite mich vor, als würden die Prüfungen stattfinden und spekuliere nicht. Ich versuche zu vertrauen, dass wir eine gerechte Lösung finden. Wir sind alle im gleichen Boot und dürfen uns nicht aufregen. Das bringt uns nicht weiter.» Dass am Schluss alles gut heraus kommt, glaubt auch Rektor Patrick Eigenmann: «Ich bin überzeugt, dass wir zusammen mit allen Beteiligten in irgendeiner Form eine tragbare Lösung finden. Niemand braucht sich aus meiner Sicht Sorgen zu machen, dass die Matura in diesem Jahr ausfällt oder genauer gesagt, dass wir keine Maturazeugnisse ausstellen werden.»