Dank Molke musste die ARA Engelberg im vergangenen Jahr kein Heizöl verwenden

Die Abwasserreinigungsanlage Engelberg konnte auch 2019 mehr Strom produzieren, als sie selber benötigt.

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Robert Schleiss, Bereichsleiter der Abwasserreinigungsanlage Engelberg, kontrolliert Abwasserproben im Labor.

Robert Schleiss, Bereichsleiter der Abwasserreinigungsanlage Engelberg, kontrolliert Abwasserproben im Labor.

Bild: Manuela Jans-Koch (Engelberg, 21. Dezember 2017)

(lur) Die Abwasserreinigungsanlage Engelberg (ARA) hat im vergangenen Jahr leicht weniger Abwasser gereinigt als im Jahr davor, wie aus ihrem am Dienstag veröffentlichten Jahresbericht hervorgeht. Waren es 2018 noch rund 2,5 Milliarden Kubikmeter Wasser, die in der Kläranlage behandelt wurden, betrug die Menge 2019 knapp 2,2 Milliarden Kubikmeter. Damit resultiert eine Abnahme um knapp 14 Prozent. Die Abwassermenge habe unter anderem aufgrund der wenigen Niederschläge im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr abgenommen.

Als erfolgreich wird im Jahresbericht auch für 2019 das Pilotprojekt Molke beschrieben. Dabei wird die Molke aus der Schaukäserei des Klosters Engelberg bei der ARA angeliefert, um diese zu Methangas weiterzuverarbeiten. Durch die Produktion von Klärgas, wozu die Molke «einiges beigetragen» habe, muss die Reinigungsanlage nicht mehr auf den Einsatz von Heizöl zurückgreifen. «Durch die Molkeanlieferung war es möglich, die ARA energieautark zu betreiben», heisst es im Bericht. Grob geschätzt betrage der Anteil an der Gasproduktion der Molke rund 20 Prozent.

Konkret heisst das, dass die ARA 2019 rund 616 Kubikmeter Molke verarbeitet hat (Vorjahr: 284 Kubikmeter). Gesamthaft konnte sie im vergangenen Jahr knapp 110 000 Normkubikmeter Gas klären. 2018 waren es noch 103 000 Normkubikmeter. Der ganze Wärmebedarf der ARA liess sich damit im vergangenen Jahr mit Klärgas decken. Dieser betrug gesamthaft 341 000 Kilowattstunden, womit er sich gegenüber dem Vorjahr um 16 000 Kilowattstunden erhöht hat.

Mehr Strom produziert als im Vorjahr

Im Strombereich konnte die ARA mehr produzieren, als sie selber benötigte: Der Eigenbedarf wurde zu 140 Prozent gedeckt (Vorjahr: 138 Prozent). Mit 435 000 Kilowattstunden, die aus Heiz- und Wasserkraft sowie Solarenergie gewonnen wurden, übertraf die ARA die Stromproduktion vom Vorjahr um rund 13 000 Kilowattstunden. Mit der produzierten Energie liessen sich etwa 110 Haushalte versorgen. Von dieser Strommenge verbrauchte das ARA selbst 311 000 Kilowattstunden (Vorjahr: 305 000). Somit konnte es 124 000 Kilowattstunden ins Stromnetz einspeisen – 7000 mehr als im Jahr davor.

Im geklärten Schlamm konnten ausserdem auch weniger Schadstoffe festgestellt werden. «Gegenüber 2018 ist bei den meisten untersuchten Schadstoffen eine Abnahme zu beobachten», schreibt die ARA.

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Philipp Unterschütz