Das Engelberger Geschäftsführermodell ist ein Erfolg

Die Einwohnergemeinde hat ihr 2016 eingeführtes Verwaltungsmodell extern evaluieren lassen.

Martin Uebelhart
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Das Gemeindehaus in Engelberg.

Das Gemeindehaus in Engelberg.

Bild: Corinne Glanzmann (Engelberg, 7. August 2018)

Auf den 1. Juli 2016 wurde bei der Einwohnergemeinde Engelberg das Geschäftsführermodell eingeführt. Bei diesem Gemeindeführungsmodell leitet ein Geschäftsführer die Verwaltung und der Gemeinderat wird von Alltags- und Routinegeschäften entlastet. Er behält jedoch die Gesamtverantwortung für die Verwaltung. Für die operative Führung ist laut einer Medienmitteilung der Gemeinde Engelberg der Geschäftsführer in Zusammenarbeit mit den Abteilungsleitern zuständig. Der Gemeinderat könne sich dadurch vermehrt auf die Entwicklung der Gemeinde, auf Projekte und auf die regionale Zusammenarbeit konzentrieren.

Nun wollte der Engelberger Gemeinderat wissen, ob die gesteckten Ziele des neuen Modells erreicht worden sind. Daher liess er von der HSS Unternehmensberatung aus Sursee eine Evaluation durchführen. Dazu wurden 24 Einzelinterviews geführt.

Neue Führungsorganisation entlastet den Gemeinderat

Die Evaluation habe gezeigt, dass die modelltypische Trennung zwischen politisch-strategischen Aufgaben und den Alltags- und Routinegeschäften konsequent erfolgt, so die Medienmitteilung. Einerseits verfüge die Verwaltung über ausreichende Kompetenzen. Andererseits könne der Einwohnergemeinderat die politisch-strategische Führungsverantwortung wahrnehmen. Die Verkleinerung des Rates von sieben auf fünf Mitglieder, die zeitliche Minderbelastung der Ratsmitglieder sowie die bessere Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Amt würden positiv bewertet. Die neue Führungsorganisation entlaste den Einwohnergemeinderat von operativen Alltagsgeschäften und es bestehe mehr Zeit für Entwicklungsaufgaben.

«Früher waren wir viel mehr in operative Prozesse involviert», erinnert sich Talammann Alex Höchli. Er gehört zu jenen Gemeinderäten, die noch in beiden Systemen gearbeitet haben. «Es gab zum Beispiel Begehungen oder weitere Termine und auch in die Prozesse in der Verwaltung waren wir viel mehr eingebunden.» Das habe viel zeitliche Ressourcen beansprucht.

Heute habe der Gemeinderat mehr die Gesamtsicht im Blick, «auch über die Departementsgrenzen hinweg», sagt Alex Höchli. Man könne sich so auch besser mit einer langfristigeren Perspektive auseinandersetzen. «Wenn man den Eindruck hat, man möchte doch mehr Detailwissen zu einem Geschäft haben, kann man das jederzeit abholen», betont Höchli. Eine wichtige Frage, die man sich gestellt habe, sei, ob sich der Gemeinderat mit dem neuen Modell von der Bevölkerung entferne. Das könne er klar verneinen. «Wenn wir auf Probleme angesprochen werden, setzen wir uns damit auseinander und können dem Bürger allenfalls auch jene Stelle angeben, die sich um den Einzelfall kümmert», hält Höchli fest. Die Bevölkerung habe festgestellt, dass in der Verwaltung ein neuer Wind wehe. «Sie hat mehr Entscheidungskompetenz und mehr Verantwortung. Es braucht nicht immer zu allem noch das Okay des Gemeinderats.»

Im Baubereich etwa stosse das Geschäftsführermodell aber auch an gewisse Grenzen. «Die kantonale Gesetzgebung schreibt vor, dass in sehr vielen Fällen der Einwohnergemeinderat zuständig ist.» Da könnte man sich fragen, ob man die alltäglichen Baugeschäfte nicht einer Kommission delegieren könnte. Das wäre dann aus meiner Sicht noch effizienter.» Wenn es hingegen um Ausnahmebewilligungen oder Ähnliches gehe, müsse nach wie vor der Gemeinderat zuständig sein.

«Wir konnten die Prozesse durchdenken»

Die Gemeinderatsmandate aber auch die Verwaltungsstellen hätten durch das neue Modell an Attraktivität gewonnen, schreibt die Gemeinde weiter in der Mitteilung. Die Zusammenarbeit in der Verwaltung im Allgemeinen und in der Geschäftsleitung im Besonderen sowie die abteilungsübergreifende Koordination würden ebenfalls positiv wahrgenommen.

Wichtig sei gewesen, dass man sich genügend Zeit für die Einführung des Modells gegeben habe, sagt Geschäftsführer Bendicht Oggier. «Wir konnten die Prozesse durchdenken und die Kompetenzen anpassen.» Viele Fragen, die bei einer solchen Umstrukturierung auftauchten, hätte man sich schon im Vorfeld gestellt «und nicht erst, als wir schon mit dem Modell arbeiteten». Auf der Engelberger Gemeindeverwaltung habe sich das Geschäftsführermodell gut eingespielt.

Die Evaluation hat auch Weiterentwicklungspotenzial ausgemacht. «Damit werden wir uns zunächst einmal an einer Klausursitzung intensiv auseinandersetzen», sagt Talammann Alex Höchli, ohne schon in die Details zu gehen.