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Das Engelberger Skispringen aus Sicht der Sportpsychologie

Der Sportpsychologe und ETH-Dozent Hanspeter Gubelmann besuchte mit einer Gruppe Studierender das Weltcup-Skispringen. Sie konnten hinter die Kulissen des Grossanlasses blicken.
Martin Uebelhart
Sportpsychologe Hanspeter Gubelmann (links) besichtigt zusammen mit Studierenden und dem ehemaligen Schanzenchef Patrick Emmenegger (Zweiter von rechts) die Schanze.(Bild: Philipp Schmidli (Engelberg, 15. Dezember 2018))

Sportpsychologe Hanspeter Gubelmann (links) besichtigt zusammen mit Studierenden und dem ehemaligen Schanzenchef Patrick Emmenegger (Zweiter von rechts) die Schanze.(Bild: Philipp Schmidli (Engelberg, 15. Dezember 2018))

Gegen 70 Studierende der ETH schauen sich am Samstagnachmittag die Titlis-Grossschanze in Engelberg an. Sie alle besuchen die Vorlesungen des Sportpsychologen Hanspeter Gubelmann, der die Feldexkursion leitet. Er beleuchtet in seiner Vorlesung an der ETH ausgewählte Themen der Sportpsychologie.

Dass Gubelmann seinen Studenten diesen Einblick ermöglichen kann, kommt nicht von ungefähr: «Ich war während 15 Jahren sportpsychologischer Betreuer der Schweizer Skispringer und habe noch heute Kontakt zum Team», sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Nirgends sonst als in Engeberg sei dieser hautnahe Kontakt mit der Schanze, den Trainern und Athleten möglich. «Der im Theoriesaal dozierte Stoff wird hier quasi lebendig», sagt Hanspeter Gubelmann.

Vorbei bei der Gruppe schaut auch Andreas Küttel, ehemaliger Skispringer und heute unter anderem Co-Kommentator beim Schweizer Fernsehen. «Hanspeter Gubelmann unterstützte mich nicht nur sportpsychologisch, er war auch mein Dozent während meines Studiums zum Sport-Lehrdiplom», erzählt Küttel. Dadurch habe sich eine intensive Zusammenarbeit entwickelt. «Er hat mir gezeigt, welcher Karriereweg möglich ist, wie sich Spitzensport und Studium verbinden lassen.»

Einmal zum Schanzentisch und wieder zurück

Die mentale Stärke sei eine Hauptvoraussetzung, um im Spitzensport die optimale Leistung zu erzielen, sagt Gubelmann auf die Frage, was die Sportpsychologie bewirken könne. «Optimales Training schafft die Grundlage zum Erfolg. Wie diese im Wettkampf erfolgreich umgesetzt wird, darüber entscheidet die psychische Verfassung des Athleten», hält er fest. Die angewandte Sportpsychologie kenne Mittel und Wege, wie diese erreicht werden soll. Diese mentale Leistungsoptimierung sei eines von zahlreichen Themen der Sportpsychologie.

Ein wenig körperliche Leistung ist während der Besichtigung der Schanze angesagt. Der Aufstieg zum Schanzentisch und der Weg wieder hinunter über unzählige Treppenstufen haben es in sich. Unterwegs erklärt der ehemalige Schanzenchef Patrick Emmenegger einer Gruppe der Studentinnen und Studenten ausführlich, wie die Schanze vorbereitet wird, was es alles braucht, damit ein Anlass wie das Weltcup-Skispringen durchgeführt werden kann. Und meint am Ende, als eben wieder ein Athlet für einen Probesprung vom Schanzentisch abhebt: «Wir suchen auch jedes Jahr Vorspringer.»

Jede Sportart zeichne sich durch ein spezifisches psychologisches Anforderungsprofil aus, erzählt Hanspeter Gubelmann weiter aus seinem Fachgebiet. «Was ein Skispringer zur perfekten Ausübung dieser ‹Sekundensportart› benötigt, nützt dem Marathonläufer herzlich wenig.» Die Bedeutung der sportpsychologischen Betreuung lasse sich leicht an den Aussagen der Athleten bemessen, die einen sehr hohen Prozentsatz eines geglückten Sprungs der Psyche zuschrieben, so der Sportpsychologe weiter.

Jeder Springer hat seine individuelle Vorbereitung

Wie sich ein Skispringer auf einen Wettkampf vorbereite, sei individuell. Jeder Springer bringe ein individuelles Set an mentalen Fähigkeiten und Fertigkeiten mit. Visualisieren etwa helfe sehr gut im Techniktraining. «Der Springer geht in der Sprungvorbereitung nochmals seine Checkliste mit geschlossenen Augen durch.» Vielleicht habe er im Vorfeld lernen müssen, mit negativen Gedanken besser umzugehen oder sich vom Konkurrenten nicht mehr ablenken zu lassen. Hier würden Trainingsformen der Gedanken- und Aufmerksamkeitsregulation helfen.

Spannend sei er, der Blick hinter die Kulissen des Engelberger Skispringens, finden die Studierenden. «Ich war zuvor noch nie an einem Weltcup-Springen», sagt Nino Taormina. Die Steilheit der Schanze bekomme man vor Ort viel unmittelbarer mit, als im Fernsehen, findet er und hofft auf einen spannenden Wettkampf.

«Eindrücklich aus dieser Perspektive.»

Fast noch exotischer als Skispringen klingt Einrad-Downhill. Diese Sportart übt Valentin Bucher aus, der sich im Studium für das Sport-Lehrdiplom befindet. «Ich konnte mir das gar nicht so vorstellen, doch das ist schon sehr eindrücklich, wenn man die Athleten 120 Meter weit springen sieht.» Vorspringer möchte er dennoch nicht werden. «Beim Skispringen gehört so viel dazu.» Die mentale Stärke und die Abläufe müssen auf den Punkt stimmen.

Simon Schmid belegt Sportpsychologie bei Hanspeter Gubelmann als Wahlfach in seinem Studium der Gesundheitswissenschaften und Technologie. «Es ist sehr eindrücklich, das Skispringen aus dieser Perspektive zu sehen», sagt der Handballer, der bei GC Zürich in der Nationalliga A spielt. «Es ist cool die Athleten zu sehen und was sich alles rundherum abspielt. Jetzt haben wir einmal die Anlagen gesehen. Ich hoffe, es wird dann noch spannend, wenn wir Kontakt zu Trainern und weiteren Personen haben.

Der ehemalige Skispringer Andreas Küttel im Gespräch mit Lea Fürer, die bei Hanspeter Gubelmann ihr Sportpsychologie-Praktikum absolviert. (Bild: Martin Uebelhart (15. Dezember 2018))

Der ehemalige Skispringer Andreas Küttel im Gespräch mit Lea Fürer, die bei Hanspeter Gubelmann ihr Sportpsychologie-Praktikum absolviert. (Bild: Martin Uebelhart (15. Dezember 2018))

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