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Das gibt eine saftige Rechnung für einen Obwaldner Sprayer: Fast 100'000 Franken Sachschaden

Ein 25-Jähriger, der mit Graffiti an über 50 Orten in der ganzen Schweiz fast 100'000 Franken Sachschaden verursacht hat, wird nun zur Kasse gebeten. Der Fall schreckte andere Täter ab.
Franziska Herger
Ein Graffiti des verurteilten Sprayers bei der Feuerstelle am Wichelsee.Bild: PD/Kapo Obwalden

Ein Graffiti des verurteilten Sprayers bei der Feuerstelle am Wichelsee.Bild: PD/Kapo Obwalden

Der Sprayer, der zwischen 2014 und 2016 zahlreiche Fassaden und Bahnwagen in Obwalden und der ganzen Schweiz besprayte, ist rechtskräftig verurteilt. Dem in Obwalden wohnhaften Mann sind wegen Sprayereien an mindestens 50 Orten eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 60 Franken (10'800 Franken) und eine Busse von 8000 Franken auferlegt worden, wie die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitteilte. Zudem muss der inzwischen 25-Jährige die Verfahrenskosten von 25'000 Franken tragen. Der Sachschaden beläuft sich auf 99'000 Franken.

Man sei dem Mann wegen eines anonymen Hinweises aus der Sprayer-Szene auf die Schliche gekommen, sagt Christoph Fries, Leiter der Obwaldner Kriminalpolizei. 2016 wurde er verhaftet und 27 Tage lang in Untersuchungshaft genommen. Es war schweizweit das erste Mal, dass ein Sprayer in Untersuchungshaft kam. «Das erregte Aufsehen, auch weil Sprayen oft als Kunst betrachtet wird», sagt Oberstaatsanwältin Esther Omlin.

Mittäter ebenfalls bereits verurteilt

Doch bei einer Hausdurchsuchung hatte die Polizei Videos gefunden, in denen man den Mann mit Unbekannten beim Sprayen sah. Damit er sich nicht mit ihnen absprechen konnte, wurde er inhaftiert. «Es hat auch deshalb 27 Tage gedauert, weil er seine Kollegen nicht verpfiffen hat», sagt Omlin. Inzwischen konnten jedoch vier Mittäter aus Luzern, Zürich und Aargau gefasst und teilweise bereits rechtskräftig verurteilt werden. Sie sprayten in wechselnder Zusammensetzung mit weiteren Personen aus dem In- und Ausland im Bereich von Bahngleisen der Zentralbahn und der A8, jedoch auch in Norditalien und Deutschland nahe der Grenze. In der Zentralschweiz finden sich Tags (Sprayer-Unterschriften) des Obwaldners an Wänden in Kägiswil, Alpnach, Giswil, Luzern, Rothenburg, Zell und Emmen. Durch eine schweizweite Datenbank für Tags eröffnete sich den Ermittlern das Ausmass der Sachbeschädigung, sagt Omlin. «Fast 100'000 Franken sind schon aussergewöhnlich.»

Ein im Mai 2011 versprayter Zug der Zentralbahn. Der jetzt verurteilte Täter war zwischen 2014 und 2016 aktiv. (Bild: OZ)

Ein im Mai 2011 versprayter Zug der Zentralbahn. Der jetzt verurteilte Täter war zwischen 2014 und 2016 aktiv. (Bild: OZ)

Täter arbeitete zur Wiedergutmachung

Ausserordentlich sei auch, wie sich der Täter um Wiedergutmachung bemüht habe. Während des Verfahrens arbeitete er bei diversen Geschädigten, um den Schaden zu beheben. «Dadurch hat er die Schadenersatzforderungen gegen ihn teilweise abgearbeitet», so Omlin. «Einige Geschädigte haben gar ihre Anzeige zurückgezogen, was das Strafmass verringerte.» Der Verurteilte sei heute nicht mehr Teil der Sprayer-Szene. «Ich bin zuversichtlich, dass er durch geregelte Arbeit die Zivilforderungen der Geschädigten zurückzahlen kann», so Omlin.

Mit dem Urteil habe man kein Zeichen gegen Sprayer setzen wollen. «Man könnte schon ab einem Sachschaden von 30 000 Franken vor Gericht, doch wir haben den Fall mit Strafbefehl erledigt. Sprayereien sind doch ein wenig anders als blindwütige Zerstörung.» Abschreckende Wirkung haben dagegen die Ermittlungen samt Untersuchungshaft gezeigt. «Wir haben eine deutliche Abnahme illegaler Sprayereien festgestellt, wohl auch aufgrund dieses Falles», sagt Christoph Fries. Graffiti sind nicht überall verboten. An «legalen Wänden», etwa bei der Lido-Unterführung in Sarnen, darf mit einer Gemeinde-Bewilligung gesprayt werden.

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