Kloster Engelberg baut mit  St. Josefshaus sein Hotelangebot aus

Das Haus der Franziskanerinnen wird künftig vom Kloster geführt – einem der grössten Hotelleriebetriebe im Ort

Matthias Piazza
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Das St. Josefshaus in Engelberg. (PD)

Das St. Josefshaus in Engelberg. (PD)

Seit bald 900 Jahren – nächstes Jahr feiern sie Jubiläum – führen die Benediktiner in Engelberg eine Abtei mit Stiftsschule, leisten Seelsorge in der Pfarrei, betreiben Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe sowie Kultur- und Landschaftspflege. Auch das Aufnehmen und Betreuen von Gästen gehört seit der Gründung des Klosters 1120 zur Tradition. Einzelpersonen und Paare, die eine Auszeit suchen, wohnen im öffentlichen Teil des Klosters in ehemaligen Mönchszellen. 17 Zimmer mit total 24 Betten stehen zur Verfügung.

Und nun baut das Kloster sein Beherbergungsangebot aus, wie es gestern mitteilte. Es übernimmt im Oktober 2020 das benachbarte St. Josefshaus mit bis zu 80 Betten, das bis anhin von den Ordensschwestern der Franziskanerinnen von Gengenbach im Schwarzwald geführt wurde.

Daniel Amstutz, Geschäftsführer Kloster Engelberg. (Bild: PD)

Daniel Amstutz, Geschäftsführer Kloster Engelberg. (Bild: PD)

«Unser Kloster war und ist mit den Schwestern des St. Josefshauses immer sehr eng verbunden», sagt Daniel Amstutz, Geschäftsführer des Benediktinerklosters Engelberg, dazu. «So halfen die Franziskanerinnen der Klostergemeinschaft in vielen Bereichen, sie waren auch als herzliche Krankenschwestern im Internat im Dienst, daran erinnere ich mich als ehemaliger Internatsschüler sehr gut.»

Franziskanerinnen froh um die Partnerschaft

Die Übergabe im 75. Betriebsjahr an das Kloster fällt den Schwestern allerdings nicht ganz einfach. Generaloberin Schwester Michaela Bertsch ist jedoch überzeugt, «dass man heute aussergewöhnliche Wege gehen muss, um damit auch ein Zeichen der Lebendigkeit zu setzen», wird sie in der gemeinsamen Medienmitteilung zitiert. «Wir sind froh, mit dem Kloster einen Partner gefunden zu haben, der unseren Weg weitergehen will. So sind sich die franziskanische und benediktinische Spiritualität sehr nahe.»

Der Orden hatte nach neuen Lösungen gesucht wegen der angestrebten Konzentration der Kräfte in Gengenbach. So wird in naher Zukunft ein Teil der noch verbliebenen sechs Schwestern im Alter zwischen 58 und 88 Jahren das Josefshaus verlassen und nach Gengenbach ziehen. Mit der Übernahme durch das Kloster soll die Zukunft des christlichen Erholungshauses gesichert werden.

Auch wenn die sieben Doppel- und zehn Einzelzimmer im Kloster öfters ausgebucht seien, gehe es bei der Übernahme des St. Josefshauses nicht um Expansion, so Daniel Amstutz. «Der Gewinn steht mit der Beherbergung im St. Josefshaus nicht im Vordergrund, wir streben aber mindestens einen kostendeckenden Betrieb an. In der ‹Klostergastig› selber decken die Einnahmen der Übernachtungen die Kosten aber noch nicht ganz.» Im Zentrum stehe hier klar die Gastfreundschaft.


Auch dank Synergieeffekten könne das St. Josefshaus in Zukunft wirtschaftlich betrieben werden. «Unsere Küche bereitet jährlich rund 120'000 Mahlzeiten zu. Auch der Hausdienst, die Elektroequipe und die restlichen klostereigenen Betriebe können für Betrieb und Unterhalt des St. Josefshauses mit einbezogen werden.» Die Mitarbeiter im St. Josefshaus werden in der neuen Organisation übernommen. Zudem dürfen die verbliebenen Schwestern gratis dort wohnen bleiben.

Das Kloster Engelberg im Winterkleid. (Bild: Beat Christen, 4. Februar 2019)

Das Kloster Engelberg im Winterkleid. (Bild: Beat Christen, 4. Februar 2019)


Mit dem St. Josefshaus vergrössert das Kloster Engelberg die Bettenkapazität im Ort. Wenn man den verpachteten «Sonnwendhof» und das wieder zur Pacht ausgeschriebene Gasthaus Grafenort mit einrechnet, werden durch das Kloster direkt und indirekt knapp 200 Betten im Tal angeboten, so Amstutz.

Der Barocksaal des Klosters Engelberg erstrahlt in neuem Glanz

Risse in Decke und Wänden, stumpf gewordene Vergoldungen sowie abgebrochene Stuckaturen. Nach über 100 Jahren erfuhr der Barocksaal im Benediktinerkloster Engelberg wieder eine umfassende Renovation. Die Eröffnung erfolgt am Ostersonntag.
Beat Christen