Das Kollegi Sarnen muss ohne Sozialarbeit auskommen

Die Schulsozialarbeit hilft in Obwalden bis zur dritten Oberstufe – ausser im Gymnasium. Die Einführung hat laut Regierung nicht Priorität.

Franziska Herger
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Die Kantonsschule Sarnen erhält auch künftig keinen Schulsozialarbeiter. (Bild: Philipp Unterschütz, 8. Mai 2018)

Die Kantonsschule Sarnen erhält auch künftig keinen Schulsozialarbeiter. (Bild: Philipp Unterschütz, 8. Mai 2018)

Mobbing, Ausgrenzung, Probleme mit Klassenkameraden, mit den Eltern oder mit der eigenen Identität: Bei all diesen Schwierigkeiten hilft in Obwalden die Schulische Sozialarbeit Schülern vom Kindergarten bis in die dritte Oberstufe. Das Angebot besteht in sämtlichen Gemeindeschulen und dient auch als Anlaufstelle für Lehrpersonen, Schulleitungen und Eltern. Doch was ist mit den Schülern der Kantonsschule in Sarnen? Als einzige in Obwalden steht ihnen keine Schulsozialarbeit zur Verfügung.

Dies sei erstaunlich, findet Kantonsrat Hanspeter Scheuber (CSP, Kerns) in einer Interpellation. Erwiesenermassen gebe es auch bei Gymnasiasten komplexe familiäre, persönliche und schulische Belastungssituationen. Zudem seien die Klassenlehrpersonen oft nur zwei oder drei Lektionen mit der Klasse zusammen. «Das macht es zusätzlich schwierig, Probleme in der Klasse oder persönliche Probleme frühzeitig wahrzunehmen», schreibt der Interpellant.

Mit 19 Mitunterzeichnenden will er daher unter anderem wissen, ob die Lehrpersonen am Kollegi Sarnen für herausfordernde Klassensituationen oder die Unterstützung bei persönlichen Problemen ausgebildet seien, und ob die Regierung einen Bedarf sehe für die Einführung der schulischen Sozialarbeit auch an der Kantonsschule.

Fachlehrersystem erschwert Erkennen von Problemen

Die Schulsozialarbeit sei als erste Anlaufstelle für schnelle Hilfe bei allen Arten von persönlichen Problemen und sozialen Belangen gedacht, sagt Scheuber, selber Primarschulleiter in Littau Dorf, auf Anfrage. «In dieser Niederschwelligkeit unterscheidet sie sich auch etwa vom Schulpsychologischen Dienst.»

Es sei unbestritten, dass das rechtzeitige Erkennen von Problemen durch das Fachlehrersystem der Gymnasien erschwert werde, schreibt die Regierung in ihrer nun vorliegenden Antwort. An der Kantonsschule werde daher viel Wert auf die Klassenstunde und Anlässe wie das Klassenlager und die Herbstwanderung gelegt, die «einen sehr guten Einblick in das Klassengefüge» ermöglichten. Ein ganzheitlicheres Bild ergebe auch die viermal jährlich stattfindende pädagogische Konferenz, an der sich Fachlehrpersonen über die Klassen und einzelne Schüler austauschen. Eine spezifische Ausbildung, um persönliche Probleme der Schüler zu lösen, gehöre nicht zu den Anstellungsvoraussetzungen der Lehrer. 15 Prozent hätten jedoch eine Weiterbildung zur Klassenlehrperson besucht, und alle eine Weiterbildung zum Thema Mobbing.

Schwierige Klassensituationen würden von der Klassenlehrperson mit der Klasse oder den betroffenen Schülern angegangen, bei grösseren Problemen würden das Rektorat und die Eltern beigezogen. In ganz schwierigen Situationen hole sich die Kantonsschule Unterstützung beim Schulpsychologischen Dienst oder der Jugend- und Familienberatung des Kantons Obwalden.

Letztere steht Kindern und Jugendlichen, Lehrpersonen und Eltern zur Verfügung. Im letzten Schuljahr hat sie am Gymnasium neun Jugendliche beraten und betreut, zurzeit sind es zwei.

Interpellant bedauert den Entscheid

Die Anstellung eines schulischen Sozialarbeiters am Kollegi wäre «grundsätzlich begrüssenswert», schreibt die Regierung. Gemessen am Bedarf wäre jedoch nur ein Kleinpensum angebracht. Und: «Angesichts der finanziell angespannten Situation des Kantons und der knappen Personalressourcen sowie der bestehenden Angebote hat die Einführung von schulischer Sozialarbeit an der Kantonsschule zurzeit keine Priorität.»

Das könne er nachvollziehen, sagt Hanspeter Scheuber. «Trotzdem bedaure ich den Entscheid. Zur Schulsozialarbeit können Schüler auch mit Anliegen gehen, die sie einer Lehrperson lieber nicht mitteilen möchten.» Die Prüfung eines allfälligen Anschlusses an die Schulsozialarbeit der Gemeinde Sarnen, wie dies die Regierung erwähnt, sei eine gute Idee, meint Scheuber. «Dass die Regierung die Einführung der Sozialarbeit am Kollegi grundsätzlich begrüssenswert fände, sehe ich als positives Zeichen.»

Der Kantonsrat behandelt die Interpellation an seiner Sitzung vom 5. und 6. Dezember.