Das Personal von Ob- und Nidwaldner Alters- und Pflegeheimen zeigt sich für seine Bewohner erfinderisch

Ob- und Nidwaldner Pflegeheime haben sich gegen Corona gewappnet. Nach drei Todesfällen in Nidwaldner Heimen gibt es keine neuen Fälle.

Marion Wannemacher
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Bis heute gibt es in Nidwalden drei Todesfälle wegen Corona, alle drei waren Bewohnerinnen von Seniorenheimen. Der Nidwaldner Kantonsarzt Peter Gürber hat aber auch eine positive Nachricht: «Es gibt aktuell keine Neuinfektionen in Nidwalden, die Todesfälle liegen inzwischen ein paar Tage zurück. Offenbar hat sich die Lage stabilisiert», hält er fest. Die Massnahmen wie das Isolieren von Patienten mit Symptomen der Corona-Erkrankung und das Besuchsverbot in allen Alters- und Pflegeheimen im Kanton werden beibehalten, eine Verschärfung oder zusätzliche Vorkehrungen sind nicht geplant. «Die Massnahmen sind erfolgreich, wie sich zeigt», so der Kantonsarzt.

Im Seniorenzentum Zwyden in Hergiswil, wo eine Seniorin vergangene Woche an Corona verstarb, setze man vor allem auf Transparenz, betont Leiter und Geschäftsführer Bruno Zanini. «Einmal in der Woche erhalten Angehörige und Bewohner ein Bulletin unter Berücksichtigung des Persönlichkeitsschutzes, das sie rund um das Thema Corona auf den neuesten Stand bringt, unser Personal wird per Broadcast täglich informiert, uns liegt sehr viel an einer regelmässigen offenen Kommunikation», sagt er. So wüssten auch die Bewohner Bescheid im Fall einer bestätigten Infektion. Natürlich sei eine gewisse Anspannung vorhanden und die Bewohner hätten Mühe mit der Kontaktunterbrechung, je länger diese dauere. Er erklärt:

«Die Bewohner wünschen sich Normalität. Nicht ins Dorf gehen zu können, nicht zu wissen, wie lang die Massnahmen noch dauern, ist eine Belastung.»

Als eindrückliches Beispiel nennt er Demenzpatienten, die auf die Mimik des Pflegepersonals angewiesen seien. Dieses trage jedoch Masken zum Schutz der Bewohner.

Leicht sind diese Tage weder für die Bewohner, noch fürs Personal und schon gar nicht für die Betriebsleitungen der Pflegeheime in Ob- und Nidwalden, auf deren Schultern eine grosse Verantwortung lastet. In der Pflege im Zwyden wie auch an allen anderen Alters- und Pflegeheimen beider Kantone tut man alles, um die Stimmung der Bewohner aufzuheitern: Sowohl im Seniorenzentrum in Hergiswil als auch in der Nägeligasse in Stans arrangieren pflegende Mitarbeiter regelmässige Videotelefonie mit den Angehörigen.

Beim Betagtenzentrum Nägeligasse in Stans wird Egon Schenker von Tochter Melanie Schenker besucht.

Beim Betagtenzentrum Nägeligasse in Stans wird Egon Schenker von Tochter Melanie Schenker besucht.

Bild: Nadia Schärli (22. April 2020)

«Einzelne Bewohnende sind von der Technik überrascht, dass sie ihre Lieben plötzlich in einem Tablet sehen und so mit ihnen sprechen können», berichtet Urs Schaub, Leiter der Stiftung Alters- und Pflegeheim Nidwalden in Stans. Angehörige können neuerdings auch bei ihren Verwandten im Heim «fensterln». Vom Parkplatz aus einem Strandkorb sehen sie diese im Sitzungszimmer bei offener Scheibe und können sich auf Zuruf oder mit einem Telefon verständlich machen. Zu jedem Geburtstag eines Bewohners in der Nägeligasse gebe es ein Ständchen aller verfügbaren Mitarbeiter vom Innenhof aus. «Gesanglich haben wir uns als Mitarbeiterteam in dieser Krisenzeit sehr weiterentwickelt», schildert Schaub augenzwinkernd. Dankbar sei man in der Nägeligasse, «dass wir bis jetzt für alle getesteten Bewohner negative Befunde erhielten», sagt er.

Mit einer «Seilbahn» wird beim Betagtenzentrum Nägeligasse Material ausgetauscht.

Mit einer «Seilbahn» wird beim Betagtenzentrum Nägeligasse Material ausgetauscht.

Bild: Nadia Schärli (22. April 2020)

In Seniorenzentrum Zwyden gibt es mehrmals am Tag geführte Spaziergänge. Das Essen findet in Hergiswil entweder auf dem Zimmer oder im Wohnraumbereich auf entsprechendem Abstand statt.
Personell mussten beide Heime aufstocken: Um die Pflegebereiche besser trennen zu können, musste die Nachtequipe im Zwyden um 30 Prozent gesteigert werden. So könnte man im Fall einer Ansteckung die Fallzahlen geringer halten.

Kein bestätigter Coronafall in Obwaldner Alters- und Pflegeheimen

In den Alters- und Pflegeheimen in Obwalden gab es bislang zwar Corona-Verdachtsfälle und Isolationen, aber keinen einzigen bestätigten Fall bei Bewohnern, erklärt Theres Meierhofer-Lauffer, Präsidentin der Obwaldner Betagteninstitutionen Curaviva auf Anfrage. «Wir halten uns an die Empfehlung des Kantonsarztes, den Besuch für die Bewohner einzuschränken», erklärt Meierhofer-Lauffer, die auch Heimleiterin des Erlenhauses in Engelberg ist. Einschränken bedeutet im Klartext wie auch in Nidwalden Besuchsverbot. Ausnahmen gibt es für Bewohner, die im Sterben liegen, ins Heim eintreten oder deren Ehepartner ausserhalb des Heims lebt. Im Erlenhaus essen die 47 Bewohner in zwei Schichten. Sie sitzen dabei diagonal übers Eck, um möglichst weit weg voneinander zu sein.

Beim Betagtenzentrum Nägeligasse in Stans gibt's auch Fenstermusik-Konzerte.

Beim Betagtenzentrum Nägeligasse in Stans gibt's auch Fenstermusik-Konzerte.

Bild: PD

Allerdings entfallen die Gruppenaktivierungen. «Unsere Aktivierungsleute stellen aber Beschäftigungsmappen mit Rätseln und Anleitungen zusammen», freut sich Theres Meierhofer über deren Erfindungsgeist. So haben die Bewohner kürzlich an die hundert Blumen ausgeschnitten, die nun als Dekoration die Räume verzieren. Die Bewohner dürfen sogar unter Begleitung von Pflegenden ums Haus spazieren. Der Garten fiel der Baustelle für die Sanierung des alten Gebäudes zum Opfer. Unterwegs gibt es Bänke zum Hinsetzen, deren Enden ganz rechts und links garantieren den Sicherheitsabstand. Als Höhepunkt empfanden viele Bewohner Ostern: «Es gab bei uns eine Ostermesse mit weit auseinander gestellten Stühlen und ohne Hostien, wir haben das Heim geschmückt, aufs Eiertütschen mussten unsere Bewohner allerdings verzichten», erzählt sie.

Mit einem Notfallplan in verschiedenen Stufen hat sich das Heim für alle Fälle gerüstet. So wurde der Aktivierungsraum als Isolationsquartier vorbereitet. Die Betriebsleiterin weiss um die Begrenztheit der Massnahme, sollte es gleich mehrere Covid-19-Patienten geben. «Du triffst Sicherheitsvorkehrungen, aber du weisst, du hast keine Sicherheit», ist sie sich bewusst. Die Lockerung der Massnahmen sieht die Fachfrau mit gemischten Gefühlen. «Dadurch werden unsere Leute noch schutzbedürftiger», betont sie.