Das Projekt Hochwassersicherheit Sarneraatal ist auf Kurs

Mit der Vergabe des zweitgrössten Bauloses hat die Hochwassersicherheit Sarneraatal einen weiteren Meilenstein erreicht. Die anspruchsvollen Arbeiten für das Einlaufbauwerk am Sarnersee, die kommenden Montag starten, kommen aber teurer als erwartet.

Philipp Unterschütz
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Drohnenaufnahme des Bereichs am Sarnerseeeufer, in dem das Einlaufbauwerk für das Projekt Hochwassersicherheit Sarneraatal gebaut wird. (Bild: PD/Adrian Durrer)

Drohnenaufnahme des Bereichs am Sarnerseeeufer, in dem das Einlaufbauwerk für das Projekt Hochwassersicherheit Sarneraatal gebaut wird. (Bild: PD/Adrian Durrer)

Für 7, 8 Millionen Franken hat der Kanton Obwalden diese Tage das Baulos für das Einlaufbauwerk Sarnen an die ARGE Sarneraatal (Federführung Meier + Jäggi AG Zofingen) vergeben. Der Baustart erfolgt am kommenden Montag. Gemessen an der Bausumme ist das nach dem Hochwasserstollen, der mit knapp 76 Millionen Franken den Löwenanteil des Projekts Hochwassersicherheit Sarneraatal ausmacht, der zweitgrösste Baumeisterauftrag. Damit sind nun Bauarbeiten (ohne Planung) für rund 85 Millionen Franken vergeben worden und es stehen noch Vergaben für etwa 10 Millionen Franken an für die bereits genehmigten Projektteile - das heisst ohne die Massnahmen an der Sarneraa.

Das Einlaufbauwerk wird im Fall eines drohenden Hochwassers bis zu maximal 100 000 Liter pro Sekunde Seewasser fassen und via Stollen unterhalb des Wichelsees der Sarneraa zuführen. Das Ableiten dieser grossen Wassermenge wäre beispielsweise bei einem extremen Hochwasser wie jenem von 2005 erforderlich, bei welchem die Schütze im Auslaufbauwerk in Alpnach während 1 bis 2 Tagen voll geöffnet wären.

Die nun vergebenen Arbeiten umfassen unter anderem den Bau eines Einlauftrichters mit einer Sohle rund 11 Meter unter dem Wasserspiegel des Sarnersees. Um dies und weitere Bauwerke unter der Geländeoberfläche realisieren zu können, muss bis im Sommer 2020 eine bis 15 Meter tiefe Baugrube erstellt und trockengelegt werden. Eine Spundwand hält das Seewasser zurück. Noch bevor das eigentliche Einlaufbauwerk gebaut ist, wird hier nämlich die Tunnelbohrmaschine, die den Hochwasserstollen von Alpnach her ausbricht, eintreffen und danach dort demontiert. Erst von Herbst 2021 bis im Frühjahr 2023 wird das eigentliche Einlaufbauwerk gebaut.

Die Visualisierung des Einlaufbauwerks zeigt, dass man im Endzustand nicht viel vom Bauwerk sieht, der grösste Teil liegt unter Wasser. (Bild: PD)

Die Visualisierung des Einlaufbauwerks zeigt, dass man im Endzustand nicht viel vom Bauwerk sieht, der grösste Teil liegt unter Wasser. (Bild: PD)

Ebenfalls Bestandteil des Auftrags ist die Erstellung einer Zufahrt zur Baustelle, welche auf Höhe des «Seehofs», etwa 300 Meter südlich der Mündung der Grossen Melchaa liegt. Für die Zufahrt ist auch ein temporärer Bahnübergang mit Schrankenanlage auf Höhe des Galgenbachs notwendig. Diese Erschliessung wird nach Abschluss der Bauarbeiten teilweise zurückgebaut.

Preis war wichtigstes Vergabekriterium

Raphael Vonaesch, Projektleiter Hochwasserschutz Obwalden.

Raphael Vonaesch, Projektleiter Hochwasserschutz Obwalden.

Für Raphael Vonaesch, kantonaler Projektleiter Hochwassersicherheit Sarneraatal, ist die Vergabe nicht nur wegen der Bausumme ein Meilenstein, wie er auf Nachfrage sagt. «Die Baugrube im Sarnersee ist technisch ein sehr anspruchsvolles Bauwerk. Es muss rechtzeitig erstellt werden, damit der Zeitplan eingehalten werden kann.»

Bei der Auftragssumme von 7,8 Millionen Franken lag man laut Vonaesch aber doch rund eine Million höher als erwartet. «Sämtliche sechs eingegangenen Offerten lagen zum Teil sehr deutlich über dem Kostenvoranschlag, der mit Erfahrungszahlen aus ähnlichen Bauwerken – soweit es solche gibt – ermittelt wurde. Die grösste Abweichung liegt bei den Vorbereitungsarbeiten mit der Baustelleneinrichtung.»

Die Frage, inwiefern sich dies auf die Gesamtkosten durchschlägt, könne man noch nicht beantworten, weil die Realisierung ja erst richtig losgegangen sei, sagt auf Anfrage Baudirektor Josef Hess. «Wir setzen alles daran, trotz der zu erwartenden Mehrkosten beim Einlaufbauwerk den Kostenrahmen gemäss Auflageprojekt einzuhalten.»

Zeitplan - Noch sieben Einsprachen sind offen

Bis heute wurden vier Baumeisteraufträge von voraussichtlich fünf oder sechs Baulosen der bisher genehmigten Projektteile für den Hochwasserschutz Sarneraatal vergeben. Mit allen Planungsarbeiten und weiteren Arbeitsgattungen, das heisst, nebst den Baumeisterarbeiten beispielsweise Stahlwasserbau, Zäune sowie weitere Ausrüstung, Umgebungsarbeiten, Steuerung usw. werden insgesamt mehr als 30 Aufträge zu vergeben sein.

Bereits erstellt sind die Zufahrt zum Installationsplatz Etschi/Auslaufbauwerk, der Abtrag für den Installationsplatz Etschi, der Werkleitungsblock Trafostation Erlen – Trafostation Auslaufbauwerk, die Dammschüttung inklusive Erosionsschutz und die Vorarbeiten für die Zufahrt zum Einlaufbauwerk.

Zurzeit gearbeitet wird am Installationsplatz Etschi und an der Baugrube für das Auslaufbauwerk (Spezialtiefbauarbeiten).

Als Nächstes folgen die Ausrüstung des Installationsplatzes Etschi (Büro, Werkstatt, technische Anlagen, Ver- und Entsorgung, Logistik), das Abteufen der Baugrube für das Auslaufbauwerk, die provisorische Erschliessung für das Einlaufbauwerk (Umlegung Kantonsstrasse, provisorischer Bahnübergang Zentralbahn) sowie die Anlieferung der Tunnelbohrmaschine im Oktober/November 2019.

Alle diese Arbeiten gehören zur Teilprojektgenehmigung vom Herbst 2017. Die Arbeiten entlang der Sarneraa zwischen Sarnersee und Wichelsee sind dagegen nicht Bestandteil davon. Hier laufen zurzeit Verhandlungen mit insgesamt noch sieben Einsprechern.

Der gesamte Zeitplan umfasst folgende Meilensteine: Einspracheverhandlungen im Januar/Februar 2019, Genehmigung des Gesamtprojekts im Sommer 2019, Bau des Hochwasserentlastungsstollen von 2018 bis 2023, Bau der Massnahmen an der Sarneraa von 2023 bis 2025, Inbetriebnahme des Regulierreglements etwa im Sommer 2024 und Bauabschluss des Gesamtwerks ab 2025. (unp)