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Das Theater Sarnen zaubert mit Musik, Bild und Licht

In Sarnen wird Tim Krohns Geschichte vom «Vrenelis Gärtli» auf die Bühne gebracht. Dabei sorgt ein kompaktes Ensemble für mystische Stimmung.
Romano Cuonz
Der Fessibauer (Florian Sulzbach), das Mariili (Nicole Wüthrich) und ein bezauberndes Vreneli (Miriam Kafader). (Bild: Romano Cuonz, Sarnen, 12. Oktober 2019)

Der Fessibauer (Florian Sulzbach), das Mariili (Nicole Wüthrich) und ein bezauberndes Vreneli (Miriam Kafader). (Bild: Romano Cuonz, Sarnen, 12. Oktober 2019)

«Es kommt nie nicht keine Ordnung in die Welt, wenn die Mäntschen weiterhin wählen dürfen, ob sie noch auf Erden oder im Jenseits ihre Schuld verbüssen wollen», konstatiert selbst der Herrgott, wie ihm der Tod die nachgerade herzige Zauberin Vreneli vors Himmelstor bringt. Ein Zitat, das ziemlich viel über die heurige Aufführung des Sarner Theaters verrät. Tim Krohns Roman «Vrenelis Gärtli» spielt in einer seltsamen Welt: irgendwo im Übergang zwischen Archaischem und Moderne. Noch aber sind die beengenden Glarner Bergtäler von Hexen und Zauberern bevölkert. Und weil dies so ist, pendelt auch Tim Krohns Sprache ständig zwischen Schweizer Hochdeutsch und der Glarner Mundart hin und her.

Der junge St.Galler Dramaturg Jonas Knecht und die Choreografin Anita Augustin haben aus dem Roman ein atmosphärisches Erzähltheater geschaffen. Ein Stück, das – in seiner epischen Art – sowohl einem ganzen Ensemble wie auch den Zuschauern einiges an Intellekt abverlangt. Das Ensemble – unter der Leitung der befreundeten Theaterfrauen Ursula Reiser und Maria Gallati – ist dieser Herausforderung gewachsen. Unter den Zuschauern aber sind doch Vereinzelte, die den Saal in der Pause kopfschüttelnd verlassen. Schade! Wer nämlich das stets neue «Gnuusch» zwischen all den eigenbrötlerischen Eingeborenen in dieser von bedrohlichen Bergen gesäumten, beängstigenden Abgeschiedenheit aushält, wird belohnt. Kommt nicht umhin, am Schluss begeistert Applaus zu spenden: für eine mystisch dialogisierte Erzählung mit viel Sprach- und noch mehr Bildwitz. Und ganz speziell auch für die Livemusik des alpenmärchenhaft miterzählenden Trios «miRa Tre». Karin Schulthess, Hanspeter Muri und Katrin Wüthrich kreieren Musik. Agieren dabei mitten im passend wirr gestalteten und ideenreich bespielbaren Bühnenbild von Adrian Hossli. Tragen – genau wie Spielerinnen und Spieler – von Barbara Medici mit viel Liebe zum Detail gestaltete, altertümliche Kostüme. Kurz: Sind Sagenfiguren, die es verstehen, einem immer wieder und oft schrill tönend, Hühnerhaut zu bescheren.

Karg und doch voller Blumen

Einen Theaterabend lang kraxelt das eigenwillige, kleine Vreneli (von Miriam Kafader nachgerade sensationell und Karina Wieland liebenswert gemimt) in der Stahlwand, die da blanken Fels und Firn bedeutet, herum. Hoch hinauf geht es, bis hin zum geheimnisvollen Schneefeld «Vrenelisgärtli». Dorthin zaubert Vreneli «pinkelnd» wunderschön gelbe Blumen. Ja, an diesem mystisch, stillen Berggärtchen, wo neben Vreneli nur noch das Gämsi oder der Tod (Nóra Infanger beredt erzählend) hinkommen, prallt alles Gefluche und böse «Umäwätteren» der Eingeborenen drunten im Tal ab.

Schrullig, jeder und jede eigen gemimt und choreografiert, sind die Bergler: Dargestellt von Urs Kafader, Christoph Blum, Melchior Amgarten, Hannah Bucher und Franco Antognoli. Wunderschön immer auch die Szenen mit den Glarner Kindern aus Obwalden.

Gegen Talbewohner und das Patriarchat

Wie Vrenelis arg angefeindeter Vater (von Florian Sulzbach zurückhaltend und deshalb glaubhaft gespielt) nach dem Tod der Mutter Mariili (Nicole Wüthrich) nicht mehr weiter weiss, bringt er Vreneli zur Zauberin «Bersiäneli» (Helena Steffen, tanzend und schrill). Bersiäneli darf wegen seiner Schuld auf Erden seit Jahrhunderten nicht sterben. Bringt nun dem dickköpfigen, oft überbordenden Kind das Zauberhandwerk bei. Vreneli stemmt sich gegen die Talbewohner und – da nimmt der Sagenstoff moderne Züge an – auch gegen das Patriarchat. Als Füchslein jagt Vreneli ruhelos aus dieser in «andere» Welten, wird erwachsen und verliebt sich, bevor die Geschichte – droben im Himmel – durchaus versöhnlich endet. «Eine Kunst, so schön wie der Melk!», schwärmt Vreneli einmal, als es vom Zauber spricht. Und genau in dieser, von Martin Brun bald düster, bald in buntestem Licht zelebrierten Kunst liegt auch der Zauber der Sarner Darbietung 2019.

Theater Sarnen: «Vrenelis Gärtli» nach dem Roman von Tim Krohn. Altes Gymnasium Sarnen. Aufführungen bis zum 2. November. Details: www.theater-sarnen.ch

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