Guter Angebotsmix und authentische Produkte: Das Dorfzentrum Engelbergs soll attraktiver werden

In Engelberg kümmert sich eine Kommission um die Umsetzung einer Strategie und von Massnahmen.

Martin Uebelhart
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Es hätte noch Platz für Touristen auf der Dorfstrasse in Engelberg....

Es hätte noch Platz für Touristen auf der Dorfstrasse in Engelberg....

Markus Von Rotz (16. November 2019)

Das Thema «Attraktivierung Dorfzentrum Engelberg» zog rund 150 Personen ins Hotel Terrace. Sie liessen sich am Montagabend ausführlich über den Stand des Projekts informieren. Talammann Alex Höchli blickte zunächst in die Geschichte Engelbergs als Kurort und Feriendestination. Er schlug den Bogen zur Gegenwart, in der sich die Gäste nicht mehr wie in der Belle Epoque monatelang in Engelberg aufhielten, sondern durchschnittlich 1,7 Nächte. «Nur mit einem breiten Angebot und unserer Gastfreundschaft ist eine längere Übernachtungsdauer zu erreichen», zeigte sich Höchli überzeugt.

Nicht nur über das klagen, was es nicht mehr gibt

Seit Jahren werde die Entwicklung des Dorfzentrums und insbesondere der Dorfstrasse beklagt: «Leerstehende Verkaufslokalitäten, bis vor kurzem eine fehlende Metzgerei oder ein ungünstiger Ladenmix.» Als Hauptgrund für die Entwicklung werde oftmals die Verlegung der Talstation der Brunnibahn aus dem Dorfzentrum Ende 2008 oder der Wegfall des damaligen Lebensmittelgeschäfts mitten im Dorf verantwortlich gemacht. Höchli gab zu bedenken, nicht nur über das zu klagen, was nicht mehr sei, sondern auch wahrzunehmen, was noch vorhanden sei: «Es wirken sehr attraktive Unternehmen entlang der Dorfstrasse und der Klosterstrasse, die unser Dorf wesentlich aufwerten.»

Jeder Unternehmer, Hotelier oder Gastronom sei bemüht, seiner Kundschaft das beste Sortiment und den besten Service zu bieten. Leider schlügen sich diese Bemühungen nicht immer in der Kasse nieder, was notwendige Investitionen erschwere. «Nur wenn wir selber auch in unseren Läden und unserer Gastronomie einkaufen und konsumieren, werden sie auch in Zukunft weiter bestehen können», betonte Höchli.

Gute Erlebnisse und authentische Produkte

Schon seit einiger Zeit setzt sich ein breit zusammengestelltes Projektteam mit dem Thema «Attraktivierung Dorfzentrum Engelberg» auseinander. Dabei wurde auch auf externe Unterstützung gesetzt. Marco Fuhrer vom Baarer Beratungs- und Marktforschungsunternehmen Fuhrer & Hotz gab den Zuhörern einen Überblick zum Detailhandel in der Schweiz. Er beleuchtete auch das sich verändernde Einkaufsverhalten. «Was motiviert jemanden, in einen Laden zu gehen?», stellte er als Frage in den Raum. Oft sei das mit guten Erlebnissen verbunden und mit Ware, die authentisch und einzigartig sei: «Sachen aus dem Engelbergertal, etwas, das es nur hier gibt.» Fuhrer hat sich die Situation in Engelberg genau angeschaut und mit dem Projektteam seine Eindrücke besprochen. «Wir haben gesagt, wir müssen es schaffen, dass das Dorfzentrum zu etwas wird, worüber man spricht», so Fuhrer. «Ich meine wir sind auf guten Wegen», hielt er fest.

Image und Identität des Dorfzentrums verbessern

Bendicht Oggier, Geschäftsführer der Gemeinde, stellte die Vision vor, die der Gemeinderat zusammen mit den Partnern erarbeitet hat: «Das Dorf Engelberg soll genau so attraktiv werden wie die umliegende Natur. Im Dorfzentrum zwischen Bahnhof und Kloster pulsiert das Dorfleben. Hier trifft man sich und macht Besorgungen.»

Unter anderem solle mit dem Projekt das Image und die Identität des Dorfzentrums verbessert und gestärkt werden. Leerstehende Gewerbeflächen sollen besetzt und bewirtschaftet werden. Angestrebt wird weiter ein attraktiver Angebotsmix. Die Frequentierung des Dorfzentrums soll durch Einheimische, Zweitwohnungsbesitzer, Touristen und Tagesgäste gesteigert werden. Der neue Wind, der in Engelberg weht, soll über die Region ausstrahlen.

Neu kümmert sich eine Kommission mit Vertreten der unterschiedlichsten Akteure unter dem Präsidium von Talammann Alex Höchli mit der Umsetzung der geplanten Massnahmen. Eine besondere Rolle kommt dabei Robert Ortner, Vorstandsmitglied von Gewerbe Engelberg, zu. Er wird sich um die Koordination kümmern.

Am Montag gab er zudem einen Überblick über der die Aktivitäten des Gewerbevereins. Tourismusdirektor Frédéric Füssenich erzählte von der zusätzlichen Winterbeleuchtung, mit der eine einmalige Stimmung kreiert werde. Mit von der Partie in der Kommission ist auch die Dorfgemeinschaft. Das Ziel der unabhängigen Interessengemeinschaft aus Anwohnern, Gewerbetreibenden und interessierten Einheimischen sei es, mit koordinierten Aktionen, speziellen Events und kulturellen Veranstaltungen das Leben im Dorfzentrum von Engelberg aktiv mit zu gestalten, sagte Monika Notz am Montag. In der Kommission sind weiter auch das Kloster, die IG der Zweitwohnungsbesitzer und die Immobilienbranche.

In einer Interview-Runde mit den Referenten vertiefte Moderatorin Susy Schär im zweiten Teil einzelne der angesprochenen Aspekte. Dabei band sie auch das Publikum mit ein, das eingeladen war, Fragen zu stellen oder eigene Anregungen einzubringen.