Interview

Das Ziel der Obwaldner Athletinnen ist Olympia 2024 in Paris

Von der Öffentlichkeit kaum beachtet, wurde vor einem Jahr ein Verein Athletikzentrum Sarnen-Unterwalden gegründet. Dieser wurde nötig, um den jungen Spitzensportlerinnen ihre Trainingsmöglichkeit zu sichern.

Markus von Rotz
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Die erfolgreichen Athletinnen mit einem Teil ihrer Medaillensammlung (von links): Hinten: Tina Baumgartner, Julia Niederberger, Nadine Odermatt, Michelle Liem; vorne: Selina Odermatt, Sandra Röthlin und Lara Durrer. Es fehlt Nora Baumgartner.

Die erfolgreichen Athletinnen mit einem Teil ihrer Medaillensammlung (von links): Hinten: Tina Baumgartner, Julia Niederberger, Nadine Odermatt, Michelle Liem; vorne: Selina Odermatt, Sandra Röthlin und Lara Durrer. Es fehlt Nora Baumgartner.

Bild: PD (Sarnen, 18. Dezember 2019)

Im ersten Jahresbericht Ihres Zentrums ist die Rede von einer «sensationellen Saison» mit 4 EM-Teilnahmen und 21 Medaillen an Schweizer Meisterschaften. Da können Sie als Präsident wohl zufrieden sein?

Thomas Zumstein: Ja, wir sind sehr gut gestartet. Es ist sehr erfreulich, wie sich die jungen Sportlerinnen entwickeln. Ein wichtiges Ziel ist, jemanden aus unseren Reihen an der Olympiade 2024 in Paris zu haben. Mit den erzielten Resultaten sind wir diesem einen grossen Schritt näher gekommen.

Es gab doch schon früher gute Leichtathleten in Obwalden. Warum brauchte es ein neues Zentrum?

Unser Verein ist klar darauf ausgelegt, junge Sportlerinnen und Sportler auf ihrem Weg zum Leistungs- und Spitzensport zu begleiten. So haben wir es in den Statuten. Es ist wichtig, dass sie unter einem Dach in Ruhe trainieren können. In der bisherigen LG Unterwalden gab es Meinungsverschiedenheiten über den richtigen Weg. Deshalb wurde dieser Verein gegründet.

Könnte man Nachwuchssportler nicht auch in den Stammvereinen ihrer Gemeinde fördern?

Aus unserer Sicht sind die Vereine nicht der richtige Ort für die Spitzensportförderung. Wer in Richtung Spitzensport will, braucht, vergleichbar mit Hochbegabten in der Schule, eine besondere Förderung. Das Feld von Trainingswilligen ist in einem Verein zu breit, um den Besten die nötige Betreuung zukommen zu lassen.

Wie kamen Sie zum Präsidium dieses neuen Vereins?

Ich unterstütze die Leichtathletik und unseren Haupttrainer Thomas Rymann seit über 25 Jahren ideell und mit meiner Firma auch finanziell. Unter seiner Leitung hatten wir schon früher sehr gute Athleten, wenn ich an Nicole Kiser oder Marathon-Europameister Viktor Röthlin denke. Ich übernahm das Amt als Präsident, weil wir mit dem Verein den Trainer in einem Teil seiner Arbeit entlasten können.

Sie sprachen die hohen Ziele an. Man will an Europa- und Weltmeisterschaften sowie der Jugendolympiade teilnehmen. Ist das realistisch?

Ich denke absolut, dass das möglich ist. Es ist eine der Hauptzielsetzungen unseres Vereins, solche Ziele zu erreichen. Wir hoffen, dass es gelingt. Wir haben sehr gute Talente im Mehrkampf, im Hochsprung oder in Sprintdisziplinen. Und weil es eine kleine, fast familiäre Trainingsgemeinschaft ist, motivieren sich die jungen Frauen gegenseitig auch sehr. Wir haben schon die bisher gesteckten Ziele übertroffen. Und wenn ich daran denke, dass die besten Leistungen im Alter zwischen 25 und 30 Jahren möglich sind, liegt bei unseren Jungen noch einiges drin.

Wie finanziert sich das Athletikzentrum?

Neben dem Hauptsponsor Obwaldner Kantonalbank leben wir von Förder-, Sponsoren- und Elternbeiträgen. Die Hälfte des Geldes kommt von den Direktinteressierten, primär von den Eltern unserer jungen Athletinnen, die daneben auch noch sehr viel Zeit und Kilometergeld aufwenden für die Teilnahme ihrer Kinder an Trainings oder Anlässen. Im Gegensatz etwa zum Skisport fehlen bei der Leichtathletik in der Übergangsphase vom Jugend- zum Spitzensport bezahlte Trainer. Und die Sportlerinnen leisten gleichzeitig einen Riesentrainingsaufwand, ab 2020 wird ein Teil unserer Athletinnen diesen noch erhöhen, zum Beispiel mit Trainings über den Mittag.

Man hört, dass den erfolgreichen bisherigen Trainern da und dort Steine in den Weg gelegt wurden und der Zutritt zu Trainingshallen verwehrt wurde und Ihr Verein darum nötig wurde.

Ich würde es anders formulieren. Im Zusammenhang mit den angesprochenen Meinungsverschiedenheiten in der bisherigen Leichtathletikgruppe gab es Hindernisse für einen geregelten Trainingsbetrieb. Um diese zu beseitigen, wurde der neue Verein gegründet.

Und damit sind Sie nun auf gutem Weg?

Auf einem sehr guten, auch wenn es noch immer kleinere Hindernisse gibt. Aber die Gemeinde Sarnen und der Kanton als Eigentümer der Sportanlagen haben uns bei der Problemlösung sehr geholfen. Teilweise scheitern einzelne Trainings etwa ganz einfach an Hallenbenützungsreglementen. Ich bin darum sehr gespannt, wie der Kanton Obwalden in Zukunft den Leistungssport fördern will.

Wäre die Weiterarbeit mit den aktuellen Aushängeschildern der Obwaldner Leichtathletinnen ohne das neue Zentrum in Gefahr gestanden? Es ist protokolliert, dass Sportlerinnen angedroht wurde, sie hätten sich für ihren Trainer entschieden und müssten nun mit den Konsequenzen leben, wenn er keine Räumlichkeiten finde.

Wir wollen jetzt vorwärtsschauen. Es ist wichtig, dass unsere Sportlerinnen in Ruhe und konzentriert trainieren können. Mit unserem Team (siehe Kasten) haben wir sehr engagierte Trainerinnen und Trainer, die mit voller Überzeugung hinter der Leichtathletik stehen. Der Verein sorgt für gute Rahmenbedingungen. Ich bin stolz auf unsere Athletinnen und die Trainer.

A propos Athletinnen. Wo bleiben die starken Jungs?

Ja, diese Frage ist berechtigt, kann ich aber auch nicht beantworten. Das ist im Übrigen nicht nur in Obwalden so, sondern in der ganzen Schweiz. Es ist ein strenges Business, das viel Aufwand und mehrfaches Training pro Woche erfordert. Den einen oder anderen Burschen lockt da eher eine Sportart wie Fussball, Unihockey oder Schwingen. Das Angebot ist ja heute viel grösser als früher. Sicher hat auch Ad Astra eine grosse Sogwirkung auf junge Sportler.

Seit September dieses Jahres suchen Sie auch zusätzliche Gönner und Förderer. Wie ist das angelaufen?

Ohne die aktuellen Gönner und Förderer wären wir heute nicht da, wo wir sind. Bezüglich zusätzlicher Gönner bin ich schon leicht enttäuscht. Wir haben Privatpersonen und Firmen angeschrieben und uns erhofft, so gegen 3000 bis 4000 Franken pro Jahr zusätzlich generieren zu können. Dieses Ziel haben wir klar verfehlt.

Thomas Zumstein, 51, FDP-Kantonsrat, arbeitet als Bauingenieur HTL beim Ingenieurbüro ZEO in Alpnach.

Jedes Jahr mehr Medaillen

(mvr) Namen wie Sandra Röthlin, Tina Baumgartner oder Nadine Odermatt sind Aushängeschilder des Athletikzentrums Sarnen-Unterwalden. Sie werden seit Jahren von Thomas Rymann (Bild) und seinem Stab trainiert. Dazu gehören auch Ruedi Nyffenegger, Ornella Amstalden, Sabine Rymann, Reto Haas und Hilfsleiterin Pascale Durrer. Die jungen Sportlerinnen haben in den vergangenen fünf Jahren jedes Jahr mehr Medaillen an Schweizer Meisterschaften geholt. Waren es 2015 noch vier Podestplätze, waren es dieses Jahr bereits deren 16. Seit 2014 lief die Trainingsgemeinschaft unter dem Namen Trainings-Gruppe Thomi Rymann. Dieser ist selbstständiger medizinischer Masseur (unter anderem auch für den Schweizerischen Ruderverband) und Swiss Olympic Trainer Leistungssport, beides mit eidgenössischem Fachausweis. Jahrelang war Rymann zudem beim Turnverein Alpnach als Leichtathletik-Trainer tätig. Er hat unter anderen Nicole Kiser, Viktor Röthlin, Robi Haas, Reto Schenkel betreut.  

facebook.com/thomasrymann; thomas.zumstein@zeo.ch