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Debatte um Erhalt der Postauto-Linie Giswil-Sörenberg ist lanciert

Der Entscheid, die Postauto-Linie über die Mörlialp nach Sörenberg einzustellen, stösst auf Widerstand. Doch das letzte Wort ist möglicherweise noch nicht gesprochen.
Matthias Piazza
Ein Postauto unterwegs von Giswil auf die Mörlialp. (Bild: Nadia Schärli, Giswil, 16. Juli 2010)

Ein Postauto unterwegs von Giswil auf die Mörlialp. (Bild: Nadia Schärli, Giswil, 16. Juli 2010)

Die Postauto-Linie mit drei Kursen pro Tag und Richtung während des Sommers von Giswil über die Mörlialp nach Sörenberg soll eingestellt werden. Die Kantone Obwalden und Luzern wollen die ihrer Ansicht nach unrentable Linie künftig nicht mitfinanzieren (siehe Ausgabe vom Freitag). Noch unklar ist, ob das Postauto zumindest von Giswil bis auf die Mörlialp und von Luzerner Seite bis Glaubenbielen fahren soll.

Der Entscheid löst Unmut aus. «Für uns ist das sehr schlecht. Wir sind enttäuscht vom Entscheid der Obwaldner Regierung», sagt Ueli Zumstein, der auf dem Glaubenbielenpass eine Alpkäserei mit Beiz führt. «Viele Touristen, die bei uns einkehren, kommen mit dem Postauto von der Luzerner Seite her oder sie wandern vom Langis auf den Glaubenbielenpass rüber und wollen mit dem Postauto nach Giswil.» Er befürchtet, dass er massiv Gäste verliert, sollte die Linie Giswil–Sörenberg eingestellt werden. «Wir sind sonst schon abgelegen, ohne Postauto sind wir noch schlechter erreichbar.» Auch steht für ihn dieser Entscheid im Widerspruch zur kantonalen Strategie, den sanften Tourismus zu fördern. Sollte das Postauto wie angedacht von Sörenberg bis Glaubenbielen und von Giswil bis zur Mörlialp weiterhin fahren, verstehe er nicht, wo der Einsparungseffekt sein soll. «Zwischen Glaubenbielen und der Mörlialp sind es nicht einmal drei Kilometer. Dann gibt es gar keinen Grund, die durchgehende Linie zu streichen.»

«Für den Tourismus in der Region Giswil ein Verlust»

Keine Freude hat auch der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS): «Wir bedauern die Streichung dieses touristischen Angebots», sagt Daniel Daucourt, Präsident der Sektion Ob- und Nidwalden. «Für den Tourismus in der Region um Giswil ist es ein Verlust. Sollte die Linie doch gestrichen werden, muss mindestens der Glaubenbielenpass von Sörenberg aus erschlossen bleiben.»

«Uns tut der Entscheid sehr weh», sagt Otti Küng, Präsident des Vereins Obwaldner Wanderwege. «Der Glaubenbielen ist ein sehr wichtiger Ausgangspunkt für viele Wanderungen in Richtung Lungern und Schönbüel, aber auch in Richtung Sattelpass und Glaubenberg-Langis.» Er spricht beim Glaubenbielen von einem wichtigen Punkt auf dem Obwaldner Höhenweg, der auch entscheidend für Giswiler Wandertourismus-Projekte sei. «Wir wären froh, wenn der Entscheid zur Schliessung dieser wertvollen Postauto-Verbindung hinterfragt nochmals würde», so Otti Küng.

«Das ist sehr schade, wenn diese Linie wegfallen würde», sagt Mäggie Lagemaat, Geschäftsführerin von Giswil-Mörlialp-Tourismus. «Sie ist Ausgangspunkt für viele Wanderungen auf die Fluonalp, nach Sörenberg oder auf den Turren, wo die Leute mit der Turrenbahn nach Lungern fahren. Auch kommen die Kinder mit dem Postauto zu Lagerhäusern auf der Mörlialp und der Ribihütte auf Glaubenbielen. Und die vielen Alpbeizlis profitieren auch.» Andererseits könne sie die Haltung des Kantons nachvollziehen, fahre doch das Postauto vor allem werktags bei schlechtem Wetter häufig leer. «Vielleicht findet man eine Lösung, den Postautobetrieb während der Ferienzeit und am Wochenende aufrechtzuerhalten.»

Nachfrage auf der Linie nahm zu

7441 Personen benutzten laut Postauto AG im vergangenen Jahr während der Betriebszeit zwischen Anfang Juni und Ende Oktober das Postauto auf der Linie Schüpfheim–Sörenberg–Giswil, die seit 1972 in Betrieb ist. In den vergangenen Jahren gingen die Frequenzen laufend nach oben, doch bewegten sie sich auch im vergangenen Jahr auf einem relativ tiefen Niveau, wie Postauto auf Anfrage schreibt. So wurden im Schnitt 11 Fahrgäste pro Fahrt befördert.

«Bei dieser bescheidenen Auslastung decken die Einnahmen durch Billette und Abos nur etwa 10 Prozent der Kosten dieser Linie. Der Kanton Obwalden müsste sich im nächsten Jahr mit rund 100000 Franken daran beteiligen», begründete der Obwaldner Regierungsrat Daniel Wyler am vergangenen Freitag gegenüber unserer Zeitung die Haltung der Regierung. «Das ist gegenüber den Steuerzahlern nicht fair.»

Der Grund, dass der Kanton bei dieser Linie stärker zur Kasse gebeten wird, hat mit den subventionsrechtlichen Verfehlungen von Postauto AG in der Vergangenheit zu tun. Als Konsequenz daraus überprüfte die Geschäftsleitung auch jene touristischen Linien, für die Postauto AG keine Abgeltungen oder lediglich einen Interessensbeitrag Dritter erhält und deren Betrieb ungedeckte Kosten verursacht. Denn Postauto darf mit den Geldern aus dem abgeltungsberechtigten Regionalen Personenverkehr keine touristischen Angebote ohne Erschliessungsfunktion querfinanzieren, erläutert das Unternehmen.

Streichung mit Sparauftrag begründet

Regierungsrat Daniel Wyler bleibt trotz Kritik bei seiner Haltung: «Wünsche kann ich nicht über Steuergelder abdecken. Ich habe vom Kantonsrat einen Sparauftrag erhalten und muss auch das Geld für den öffentlichen Verkehr effizient einsetzen.» Allenfalls könnte er sich eine Lösung mit finanzieller Beteiligung weiterer Beteiligten, zum Beispiel mit der Gemeinde Giswil, vorstellen. Er streite nicht ab, dass der sanfte Tourismus wichtig für den Kanton sei, doch auch hier seien die Mittel möglichst optimal einzusetzen.

«Wir diskutieren im Moment mit den Beteiligten verschiedene Varianten», sagt darauf angesprochen der Giswiler Gemeindepräsident Beat von Wyl, ohne schon konkreter zu werden. «Klar ist für uns, dass ein sanfter Tourismus, der den Kanton im Richtplan festgeschrieben hat, ohne öffentlichen Verkehr nicht umzusetzen ist», hält der Gemeindepräsident fest.

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