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Sarnen wird als zweite Obwaldner Gemeinde demenzfreundlich

615 Menschen sind aktuell in Obwalden an Demenz erkrankt. Bis 2040 werden es wohl doppelt so viele sein. Am Donnerstag fiel der Startschuss zur demenzfreundlichen Gemeinde Sarnen, der zweiten nach Engelberg.
Marion Wannemacher
Podium mit Franz und Bernadette Inauen (Mitte). Ganz links: Regula Gerig, Geschäftsleiterin Alzheimervereinigung OW/NW, und Theres Ettlin, Leiterin Beratung (rechts). (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 21. Juni 2018))

Podium mit Franz und Bernadette Inauen (Mitte). Ganz links: Regula Gerig, Geschäftsleiterin Alzheimervereinigung OW/NW, und Theres Ettlin, Leiterin Beratung (rechts). (Bild: Marion Wannemacher (Sarnen, 21. Juni 2018))

Eindrücklich sind die Bilder von Franz Inauen. Mit 63 Jahren hat der ehemalige Seelsorger, der im Blindenheim Horw arbeitete, die Diagnose Demenz erhalten. Das war 2013. «Für mich ist damals eine Welt zusammengebrochen», beschreibt er seine Gefühle. Auf einem seiner Bilder malt er die Krankheit als überdimensionales Traktorrad, er nennt sie «Ungeheuer». Nach dem Bekanntwerden der Diagnose schenkte ihm seine Frau einen Ringordner mit 100 leeren Seiten, um seiner Seele Luft zu machen. Er wurde Maler und Autor wider Willen. Mit viel Liebe und Humor begegnen Franz und Bernadette Inauen einander. Einfach haben sie es trotzdem nicht.

Klischees und Vorurteile kommen am Donnerstagabend im Peterhof in Sarnen zur Sprache. Es ist die Startveranstaltung zum Projekt demenzfreundliche Gemeinde Sarnen. «Wir möchten in Sarnen fürs Thema sensibilisieren und auf ein besseres Verständnis von Demenzerkrankung in der Gesellschaft hinweisen», erklärt Sozialvorsteherin Manuela von Ah. «Mehr Wissen und Verständnis für die Situation der Betroffenen und ihrer Angehörigen hilft, Tabus abzubauen, schafft Solidarität und ermöglicht eine bessere Integration im gewohnten Umfeld.»

«Manchmal muss eine Frage drei Mal gestellt werden»

Wie nötig dieses Wissen ist, machen Alltagsbeispiele aus dem Leben der Inauens deutlich: Ein Streit mit einer Polizistin, ob der von Demenz Betroffene bei Rot gefahren sei oder ein nicht enden wollender Disput mit einer Verkäuferin in einer Bäckerei. Beide wussten nichts von seiner Krankheit. Franz Inauen äussert klare Wünsche: «Du bist froh, wenn die Menschen einfach mit dir reden, dich nicht mit einem Wortschwall übergiessen, manchmal muss auch eine Frage zwei oder drei Mal gestellt werden», erklärt er in breitestem Appenzell Innerrhodener Dialekt.

Von 615 Demenzerkrankten geht die Alzheimervereinigung Schweiz aktuell in Obwalden aus. «Bis 2040 wird sich diese Zahl voraussichtlich verdoppeln», schätzt Maya Ackermann vom Bundesverband. In der Schweiz erkranken jährlich 28100 Menschen neu an Demenz, Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Nur knapp die Hälfte der Menschen mit Demenz habe schätzungsweise eine Diagnose, so Ackermann. Diese Zahl bestätigen auch Nadine Krüsi und Karin Strübin, die im Rahmen ihres Studiums an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit dazu ein Projekt erarbeiten. Mit Betroffenen und Angehörigen haben sie Interviews gemacht und dabei festgestellt, dass das Thema noch immer mit Scham behaftet ist. Man gehe in Sarnen von 120 bis 150 Betroffenen aus, nur wenige seien bei den Institutionen bekannt, lediglich acht Personen hätten sich für Interviews zur Verfügung gestellt, berichten beide. Unterstützung werde abgelehnt aus Angst vor Einschränkung in der Autonomie, Hilfe vielfach zu spät gesucht. Diese Erfahrung hat auch Theres Ettlin, Leiterin Beratung bei der Alzheimervereinigung Obwalden-Nidwalden gemacht. Angehörige fragten immer, ob sie ihr Leben umstellen müssten. Sie antworte dann: «Lebt euer Leben weiter, Freiräume und Oasen sind wichtig.»

Positive Bilanz des Projekts in Engelberg

Eine positive Bilanz des zweijährigen Projekts demenzfreundliche Gemeinde zieht die Verantwortliche Theres Meierhofer für Engelberg. «Demenz ist in der Öffentlichkeit noch mehr als sonst Thema gewesen.» Angehörige hätten um Rat gefragt, Aufklärung durch Referate und Schulungen im Gewerbe im positiven Sinn Spuren hinterlassen. Auch nach Abschluss will Engelberg demenzfreundlich bleiben. Es gibt Pläne für Kinoveranstaltungen zum Thema und Entlastung Angehöriger, die mit ihren dementen Partnern Ferien in Engelberg machen.

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