«Den Beppi zwingt so etwas nicht
in die Knie» – Inventar des Alptheaters wird Opfer der Flammen

Ein Stall in der Schwendi ist komplett niedergebrannt. Er diente als Lager fürs Alptheater von Beppi Baggenstos.

Romano Cuonz 
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Der alte Stall in der Schwendi steht in Vollbrand.

Der alte Stall in der Schwendi steht in Vollbrand.

Bild: Kapo Obwalden (Sarnen, 9. Mai 2020) 

«Es war Viertel nach fünf am Samstag, als ich durchs offene Fenster meines gemieteten Bergbauernhauses Schönenböldli hoch über dem Dorf Stalden einen scharfen Brandgeruch wahrnahm», erzählt der bekannte Obwaldner Theatermann und Künstler Beppi Baggenstos. Zuerst habe er gedacht, dass da jemand Stauden verbrenne. Doch als er aus dem Haus getreten sei, habe er sofort gesehen, wie aus dem unterhalb seines Wohnhauses liegenden Stall Rauch aufstieg. Auf der einen Dachseite hätten schon Flammen gezüngelt. Als Erstes benachrichtigte Baggenstos um 17.17 Uhr Polizei und Feuerwehr. Mit seinen kleinen Feuerlöschern, das sah er sofort ein, war da nichts mehr zu machen.

Beppi Baggenstos.

Beppi Baggenstos.

Romano Cuonz

Zur gleichen Zeit war auf dem nebenan liegenden Grundstück eine Bauernfamilie mit Feldarbeiten beschäftigt. «Die Leute rannten sofort herbei, um mir zu helfen», sagt Baggenstos. Auch andere gute Freunde und Nachbarn – der Leitisepp, der Riedsepp und der Brendsepp – seien bald vor Ort gewesen und hätten geholfen. «Wir begannen vor allem, mit einem Gartenschlauch die Fassade des Wohnhauses zu benetzen.» Mit dem wenigen Wasser sei man aber auf verlorenem Posten gewesen. «Das Holz wurde immer heisser und an einem Dachbalken stieg auch schon Rauch auf», schildert Baggenstos. «Es war eine Frage von Minuten, ja schier Sekunden, dann hätte wohl auch das Wohnhaus lichterloh gebrannt.»

Inventar für Alptheater erleidet Totalschaden

Glücklicherweise kam ein erstes Feuerwehrfahrzeug mit einem Wassertank gerade noch rechtzeitig zum Brandplatz, der nur über eine schmale Bergstrasse zu erreichen ist. Der alte Stall stand zu diesem Zeitpunkt schon im Vollbrand. Der Feuerwehr, die mit rund 80 Angehörigen, dem Rettungsdienst und der Kantonspolizei vor Ort war, gelang es, das Wohnhaus zu schützen und den Brand zu löschen. Personen oder Tiere kamen nicht zu Schaden. Am Stall und dem ganzen eingelagerten mobilen Inventar fürs Alptheater von Beppi Baggenstos entstand aber ein Totalschaden. Auch die Fassade des ganz in der Nähe stehenden Wohnhauses wurde von Feuer und Hitze stark beschädigt. Baggenstos: «Alles ist brandschwarz, das Haus sieht jetzt aus wie ein Walliser Stadel.»

Der alte Stall in der Schwendi steht in Vollbrand.

Der alte Stall in der Schwendi steht in Vollbrand.

Bild: Kapo Obwalden (Sarnen, 9. Mai 2020)

Baggenstos hat das Haus und den Stall im «Schönenböldli» seit sieben Jahren für sein bekanntes und beliebtes Alptheater gemietet. «Das war mein Ferien-, Maler- und Denkerhaus, in dem ich meine Projekte entwickelte», sagt er. Den Verlust, den er erlitten hat, vermag er noch nicht zu beziffern. Doch im Stall war alles, was neben dem Zelt und der Tribüne zum Alptheater gehörte, eingelagert: Stühle, Bänke, Kücheninventar, Kulissen, Dekorationen, Bilder und vieles mehr. Auch der alte Bauwagen, in dem er den Hofladen eingerichtet hatte, ist niedergebrannt.

Die Brandkatastrophe kommt nun noch zur Coronakrise hinzu. Diese hat bereits die Aufführung der «Kleinen Niederdorfoper» – Premiere wäre am 10. Juni gewesen – verunmöglicht. Und trotz allem: Davon, dass dies das Ende seiner Alptheateridee bedeutet, will Baggenstos nichts wissen. «Jetzt mache ich erst recht weiter», sagt der Obwaldner Theatermann. Und weiter:

«Den Beppi zwingt so etwas nicht
in die Knie.»

Dafür, dass es im «Schönenböldli» mit Alptheater schon im nächstjährigen Sommer wieder weitergehen könnte, sprechen zwei Tatsachen. Zum einen erfreut sich Beppi Baggenstos einer ausserordentlichen Solidarität bei einem Grossteil seines Publikums. Die meisten Leute würden auf eine Rückerstattung der Billettpreise verzichten. Zum anderen beruhigte der Besitzer der Liegenschaft, Hans Kathriner, den Theatermann. Jetzt müsse man halt schauen, ob man im kommenden Jahr eine Baracke aufstellen werde, habe er zu Baggenstos gesagt.

Liegenschaft und Inventar sind versichert

Die Liegenschaft und auch das Inventar sind versichert. Noch sind die Brandursache und die Höhe des Sachschadens nicht bekannt. «Die Kantonspolizei und die Staatsanwaltschaft Obwalden führen dazu eine Untersuchung», heisst es in der Medienmitteilung der Polizei.