Denkmalschutz setzt Plänen für Kloster Melchtal enge Grenzen

Die Luzerner Transterra AG hat das Kloster Melchtal gekauft und plant eine neue Nutzung. Klar ist: Das Erscheinungsbild bleibt bestehen.

Christian Glaus
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Das Kloster Melchtal steht leer, seit die Schwestern im Frühling 2019 ausgezogen sind.

Das Kloster Melchtal steht leer, seit die Schwestern im Frühling 2019 ausgezogen sind. 

Bild: Matthias Piazza, 10. Januar 2020

Sie dominiert das Ortsbild des Dorfs Melchtal: die 9800 Quadratmeter grosse Klosteranlage. Seit die Schwestern im Frühling 2019 ausgezogen sind, steht das Kloster leer. Nun wurde ein Käufer gefunden. Der Luzerner Bauunternehmer Bruno Amberg hat mit der Transterra Immobilien AG die Liegenschaft gekauft und plant die künftige Nutzung (wir berichteten). Diese müsse wie bisher ruhig sein, heisst es als Richtschnur. Doch welche Entwicklung ist überhaupt möglich? Es gebe enge Grenzen, sagt der Kernser Gemeindepräsident André Windlin auf Anfrage unserer Zeitung:

«Der Denkmalschutz ist bei der Planung sicher die grösste Herausforderung. Das Erscheinungsbild muss erhalten bleiben. Das heisst auch, dass die Gebäude gegen aussen nicht verändert werden dürfen.»

Ein Abriss auch nur einzelner Teile der Liegenschaft sei somit «keine Option», sagt Windlin. Ebenfalls dürfte es eine allfällige Erweiterung schwer haben. Einerseits ist dafür kaum Platz vorhanden. Andererseits darf ein Neubau die bestehenden Gebäude nicht konkurrenzieren.

Zonenplan lässt vielfältige Nutzung zu

Trotzdem sagt Windlin: «Es handelt sich um eine grosse Liegenschaft, die viel Raum bietet. Man könnte ganz viele Ideen entwickeln.» Das Kloster liegt in der Dorfzone. Diese lässt eine vielfältige Nutzung zu: Wohnen, Arbeiten oder eine Kombination aus beidem ist möglich. Die Transterra Immobilien AG hat noch keine konkreten Pläne für das Kloster. Sie wird nun Fachleute mit der Entwicklung beauftragen. «Die Möglichkeiten werden jetzt ausgelotet. Klar ist: Es wird kein Disneyland in Melchtal geben», sagt Mediensprecher Ronald Joho. «Die künftige Nutzung wird sich harmonisch ins Dorf einfügen. Auch die Gemeinde wird einen Nutzen haben.» Bruno Amberg habe das Kloster «als Liebhaberobjekt gekauft». Zwar müsse auch die Rendite stimmen, diese stehe aber nicht im Vordergrund.

Gespräche zwischen Gemeinde und Käufer

Gemeindepräsident André Windlin sagt, er kenne den Käufer nicht persönlich. Bisher habe es keinen direkten Kontakt zwischen der Gemeinde und Bruno Amberg gegeben. «Es wurden aber bereits Gespräche in Aussicht gestellt. Dem Käufer ist es wichtig, mit der Gemeinde zeitnah in Verbindung zu treten.» Insgesamt hat André Windlin ein gutes Gefühl: «Ich habe grosses Vertrauen in die Stiftung Ora et Labora, dass sie einen Käufer gesucht hat, der im Sinne des ursprünglichen Klosters handelt. Spekulation ist somit auszuschliessen.»

Der Gemeinde ist nicht nur wichtig, dass das Erscheinungsbild erhalten bleibt. Beim späteren Betrieb muss auf das Dorfleben Rücksicht genommen werden. «In Melchtal leben zirka 400 Personen. Die Nutzung muss im Verhältnis zur kleinen Einwohnerzahl stehen.» Grundsätzlich könnten in der grossen Anlage nämlich ganz viele Personen untergebracht werden, gibt Windlin zu bedenken. Dadurch bestehe die Gefahr, dass die Bevölkerung im Dorf quasi erdrückt würde. Auch dies müsse bei der Planung berücksichtigt werden.

Öffentliche Hand zahlt an Restaurierungen

In den nächsten zwei bis vier Jahren werden sich die Pläne für das Kloster Melchtal konkretisieren. Der Denkmalschutz gibt dabei nicht nur die Grenzen vor. Weil die öffentliche Hand ein Interesse am Erhalt der Gebäude hat, ist auch eine finanzielle Beteiligung an der Restaurierung möglich. Bund, Kanton und Gemeinden leisten gemeinsam Beiträge «für den Erhalt der historischen Substanz», wie der Obwaldner Denkmalpfleger Peter Omachen erklärt. Das könne beispielsweise die Restaurierung der Fassade, Fenster oder Dächer sein.

Um Beiträge zu erhalten, müssen die Bauherren ein Gesuch stellen. In Obwalden sind rund 500 Objekte geschützt. Im Schnitt wird für die Subventionierung von denkmalgeschützten Bauten pro Jahr rund eine Million Franken aufgewendet. Ein Ausreisser ist dabei eine Grossbaustelle in Engelberg: Für die Restaurierung des Hotels Europäischer Hof erhielt Investor Yunfeng Gao Subventionen von rund 500'000 Franken.

Die Klosteranlage in Melchtal wurde zwischen 1892 und 1896 im neuromanischen Stil nach den Plänen des Schwyzer Architekten Clemens Steiner errichtet. Im Frühling des vergangenen Jahres zogen die 13 Benediktinerinnen, die zuletzt dort wohnten, nach Sarnen. Gemeindepräsident André Windlin ist es wichtig, dass in der grossen Anlage bald wieder Leben einkehrt. «Den Schwestern ist man im Dorf oft begegnet. Sie werden schon vermisst.»

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Romano Cuonz