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Der Abriss auf Schönbüel wird für Lungern noch mal teuer

Das ehemalige Berggasthaus Sporting und die Bergstation der Sesselbahn auf Schönbüel müssen abgerissen werden. Die Gemeinde soll sich mit einer Viertelmillion Franken daran beteiligen. Einen Plan B gibt es nicht.
Franziska Herger
2016 wurde bereits die Sesselbahn abtransportiert. (Bild: Corinne Glanzmann, Lungern, 2. November 2016)

2016 wurde bereits die Sesselbahn abtransportiert. (Bild: Corinne Glanzmann, Lungern, 2. November 2016)

Es ist der wohl letzte Schritt in der langen und nicht immer erfreulichen Geschichte um die Schliessung des Ski- und Wandergebiets Lungern-Schönbüel – und er kostet noch einmal 750 000 Franken.

Nach dem Stillstand der Bahnen im Jahr 2013, der Erneuerung der Pendelbahn Lungern-Turren durch den Alpnacher Investor Theo Breisacher, der Sanierung des Berghauses Schönbüel und dem Abbruch der übrigen Transportanlagen, zweier Skilifte und der Sesselbahn Turren-Schönbüel verbleiben noch das ehemalige Berggasthaus Sporting sowie die Bergstation der Sessel- respektive Gondelbahn. Diese muss die Teilsame Lungern-Obsee als Besitzerin nun noch abreissen.

Neben den Rückbaukosten von rund 260 000 Franken und der für den Rückbau nötigen Sanierung der Strasse Usseri Alp-Schönbüel für 103 000 Franken bestehen auch Konkurs- und Rückbauvorleistungskosten bis Ende des letzten Jahres von 389 000 Franken.

Der Verkauf des Sessellifts nach Tschechien im Jahr 2016 sowie von diversem Kleinmaterial habe insgesamt rund 192 000 Franken eingebracht, führt Hans Urs Bürgi, der Präsident der Teilsame Lungern-Obsee, auf Anfrage aus. An den Rückbaukosten beteiligt sich zudem der Kanton mit 50 000 Franken und Alpinfra, der Hilfsverein für Berggemeinden, steuert an den Abriss ebenfalls 150 000 Franken bei.

Gemeinderat fühlt sich verpflichtet

Bleiben 360 000 Franken, an denen sich die Gemeinde Lungern per Gesuch der Teilsame mit 70 Prozent, also rund 251 000 Franken, beteiligen soll. Die Teilsame selber trägt rund 108 000 Franken. Der Gemeinderat unterstützt das Anliegen, will die Kostenbeteiligung aber auf 250 000 Franken begrenzen. «Die Teilsame hat bei der Erarbeitung des Rückbaukonzepts einen sehr guten Job gemacht», sagt Gemeindevizepräsident Martin Gasser auf Anfrage. «Die Begrenzung ist als Ansporn gemeint, damit die Kosten so tief wie möglich gehalten werden, was der Teilsame und der Gemeinde zugutekommt.»

Am 23. Mai stimmt die Gemeindeversammlung über den beantragten Kredit ab. Die Gemeinde fühle sich verpflichtet, sich an den Rückbaukosten zu beteiligen, «konnte doch die gesamte Gemeinde Lungern von diesem Angebot über Jahrzehnte profitieren», heisst es in der Botschaft des Gemeinderats.

Auch weist der Gemeinderat darauf hin, dass private Investoren rund 15 Millionen Franken im Gebiet Turren-Schönbüel investiert hätten. Ohne diese Investitionen hätte die Teilsame respektive die Gemeinde sämtliche Rückbaukosten aller Anlagen selber tragen müssen. «Diese finanzielle Belastung wäre kaum zu bewältigen gewesen.»

Auch Hochwasserschutz kostet eine Viertelmillion

Der Rückbau soll schon dieses Jahr starten. Werde der Kredit nicht bewilligt, habe dies weitreichende Konsequenzen, warnt der Gemeinderat. «Eine zeitnahe Lösung würde in weite Ferne rücken.» Auch Teilsame-Präsident Hans Urs Bürgi sagt auf die Frage, was bei einem Nein der Lungerer passiere: «Das wissen wir auch nicht. Wir haben keinen Plan B und müssten wieder von vorne anfangen.

An der Gemeindeversammlung wird neben der Rechnung, und einem Liegenschaftsverkauf auch über einen Verpflichtungskredit von 250 000 Franken für das Hochwasserschutzprojekt Buechholzachergraben abgestimmt. Der Gemeindebeitrag an das Projekt, das unter anderem die Hinterseestrasse und die Buechholzacherstrasse schützen soll, beträgt nach Beteiligung von Bund und Kanton maximal 37 500 Franken.

Museumspläne gescheitert

Ein Heimatmuseum hatte sich Emma Lina Halter in ihrem denkmalgeschützten Haus an der Röhrligasse 6 gewünscht. Das hielt die Lungererin auch so in ihrem Testament fest. Das Grundstück sollte nach ihrem Tod der Gemeinde für 300000 Franken zum Kauf angeboten werden, zwecks Einrichtung eben dieses Lungerer Heimatmuseums. Sollte die Einwohnergemeinde das Haus nicht kaufen wollen, sollte es die Kirchgemeinde für mindestens 350000 Franken an einen einheimischen Interessenten verkaufen.

Nach dem Tod von Emma Lina Halter 1993 sah es zuerst so aus, als ginge ihr Wunsch in Erfüllung. 1994 stimmte die Gemeindeversammlung dem Erwerb der Liegenschaft zu. Doch zunächst blieb es leer, wurde dann ab 1995 vermietet und steht nun seit bald zwei Jahren erneut leer. «Das Haus ist in einem Zustand, den heute die meisten Mietinteressenten nicht mehr wollen», sagt Gemeindevizepräsident Martin Gasser. Für die notwendige Sanierung fehlten der Gemeinde die Mittel, schreibt sie. Und aus dem Heimatmuseum wurde nichts: Mehrere Versuche, eine Trägerschaft zu finden, seien fehlgeschlagen, auch aufgrund der Betriebskosten.

Daher will die Gemeinde die Liegenschaft, im Sinne von Emma Lina Halters Testament, für 300000 Franken an die Kirchgemeinde verkaufen, wozu sie erneut die Einwilligung der Gemeindeversammlung braucht. Der Kirchgemeinderat sei grundsätzlich bereit, das Grundstück zu erwerben und es weiterzuverkaufen. Potenzielle einheimische Interessenten seien vorhanden. Damit werde Einheimischen die Möglichkeit gegeben, das Kulturobjekt für die Zukunft zu sichern, so die Gemeinde.

Mehr Steuern als erwartet

Die Rechnung 2018 der Gemeinde Lungern schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 499 000 Franken ab. Budgetiert war ein Überschuss von 300 Franken. Der Ertragsüberschuss sei hauptsächlich durch Minderausgaben beim Personal- und Sachaufwand sowie durch Mehreinnahmen bei den Steuern entstanden, so die Gemeinde. Der Nettoertrag aller Steuerarten sei um rund 638 000 Franken höher ausgefallen als budgetiert, unter anderem aufgrund höherer Vermögenssteuern durch Ansiedlungen der Standortpromotion.

Dank des guten Ergebnisses wurde eine Einlage in die finanzpolitischen Reserven von 900 000 Franken möglich. Sie solle in den nächsten Jahren helfen, Massnahmen im Zusammenhang mit der aktuellen Strasse-Bestandesaufnahme und dem Unterhalt der Schulliegenschaften zu bewältigen.

Die Gemeinde tätigte 2018 Nettoinvestitionen von 1,4 Millionen Franken. Das Budget von 1,8 Millionen wurde nicht ausgeschöpft, weil die Sanierung des Verwaltungsgebäudes kostengünstiger ausgeführt werden konnte. Die Gemeindeversammlung beschliesst am 23. Mai über die Jahresrechnung.

Die Gemeindeversammlung findet am Donnerstag, 23. Mai um 20 Uhr in der Turnhalle Kamp statt.

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