Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Der «Äschi Otti», eine Alpnacher Legende

Otto Wallimann war 44 Jahre bei der Post, 65 Jahre in der Musikgesellschaft Alpnach und ist auch weiterhin aktiv.
Robert Hess
Otto Wallimann, besser bekannt als Äschi-Otti ist seit 65 Jahren Mitglied der Musikgesellschaft Alpnach. Hier in seiner Uniform. (Bild: Robert Hess, Alpnach, 17. August 2019)Otto Wallimann, besser bekannt als Äschi-Otti ist seit 65 Jahren Mitglied der Musikgesellschaft Alpnach. Hier in seiner Uniform. (Bild: Robert Hess, Alpnach, 17. August 2019)
Und hier zu Hause im Äschi oberhalb Alpnach. (Bild: Robert Hess, Alpnach, 17. August 2019)Und hier zu Hause im Äschi oberhalb Alpnach. (Bild: Robert Hess, Alpnach, 17. August 2019)
Otto Wallimann war auch 44 Jahre Postbeamter, davon 37 Jahre Briefträger in Alpnach. Als er begann, kannte die Schweiz noch keine Postleitzahlen. Hier ein Bild aus dem Jahr 2003 kurz vor der Pensionierung. (Bild Robert Hess, 17. August 2019)Otto Wallimann war auch 44 Jahre Postbeamter, davon 37 Jahre Briefträger in Alpnach. Als er begann, kannte die Schweiz noch keine Postleitzahlen. Hier ein Bild aus dem Jahr 2003 kurz vor der Pensionierung. (Bild Robert Hess, 17. August 2019)
Otto Wallimann im Jahr seiner Pensionierung. (Bild: Josef Reinhard, 29. März 2003)Otto Wallimann im Jahr seiner Pensionierung. (Bild: Josef Reinhard, 29. März 2003)
Posthalter Anton Durrer (links) verabschiedet seinen Mitarbeiter Otto Wallimann. (Bild: Josef Reinhard, 29. März 2003)Posthalter Anton Durrer (links) verabschiedet seinen Mitarbeiter Otto Wallimann. (Bild: Josef Reinhard, 29. März 2003)
Sie nehmen den letzten Postzug der Brünigbahn in Empfang (von links): Bahnpoöstler Guido Marty und die Alpnacher Postbeamten Alois von Ah und Otto Wallimann. (Bild: Robert Hess, 30. DEZEMBER 2000)Sie nehmen den letzten Postzug der Brünigbahn in Empfang (von links): Bahnpoöstler Guido Marty und die Alpnacher Postbeamten Alois von Ah und Otto Wallimann. (Bild: Robert Hess, 30. DEZEMBER 2000)
6 Bilder

Alpnacher Legende jubiliert

Unter seinem Namen Otto Wallimann kennt man ihn kaum, aber als Äschi Otti ist er seit vielen Jahren über die Grenzen seiner Heimatgemeinde Alpnach hinaus bekannt. Der heute 81-Jährige war während 44 Jahren Postbeamter, davon 37 Jahre Briefträger in Alpnach. In seiner Freizeit spielt er seit 1954 in der Musikgesellschaft Alpnach die Klarinette und ist nach wie vor auch in andern Bereichen aktiv.

Ohne Fehler in der Schweizer Geografie

Doch vorerst ein Blick weit zurück in seine berufliche Tätigkeit: Am 4. Oktober 1960 erhielt Kanonier Wallimann Otto im WK per Feldpost eine erfreuliche Botschaft: «Sie haben in der Geografieprüfung keine Fehler gemacht und somit die Höchstnote 6 erreicht», hiess es auf der Karte des Bahnpostamtes Zürich. Ab 1958 hatte sich der Äschi Otti nämlich bei der Sihlpost in der Stadt Zürich als Post-Betriebsbeamter ausbilden lassen. Er erzählt:

«Damals gab es noch keine Postleitzahlen. Die Briefe und Pakete mussten trotzdem mit der Bahnpost in die richtigen Regionen und Kantone befördert werden.»

Die Anwärter als Post-Betriebsbeamte mussten deshalb auswendig lernen, wo welche Ortschaft in der Schweiz liegt. «An der Schlussprüfung wurden uns die Namen von 200 Ortschaften vorgelegt», berichtet er. «Ich habe alle Gemeinden richtig eingeordnet und damit die Prüfung bestanden.»

Von Zürich nach Alpnach zurück

Nach siebenjähriger Tätigkeit bei der Sihlpost trat der Post-Betriebsbeamte Otto Wallimann 1965 den Dienst bei der Poststelle Alpnach Dorf an. In diesem Jahr wurden auch die Postleitzahlen eingeführt. Während 37 Jahren – bis zu seiner Pensionierung am 31. März 2003 – war er als Briefträger in Alpnach tätig. Jahrelang ging’s bei jedem Wetter zu Fuss durchs Dorf, nach Schoried und in die höher gelegenen Häuser und Heimwesen der Gemeinde. Damals zahlten die Briefträger auch die AHV-Renten in den Haushalten bar aus, «was immerhin da und dort ein kleines Trinkgeld einbrachte», erzählt Otti schmunzelnd.

Keinen einzigen Tag gefehlt

«Ich bin leidenschaftlich gern Post-Betriebsbeamter und Briefträger gewesen», blickt der Äschi Otti zurück, «und habe den Kontakt mit der Bevölkerung in der Gemeinde sehr geschätzt.» Dass er auch bei den Leuten sehr beliebt war, bestätigt der langjährige Alpnacher Posthalter Toni Durrer und fügt hinzu, «in den 44 Jahren Postdienst in Zürich und Alpnach hat Otti keinen einzigen Tag gefehlt.»

Ebenso leidenschaftlich wie im Beruf, hat sich Otto Wallimann seit seinem ersten Auftritt am Weissen Sonntag 1954 bis heute während genau 65 Jahren für die Musikgesellschaft Alpnach eingesetzt. 1989 wurde er als Eidgenössischer Veteran geehrt und 2014 erhielt er nach 60 Jahren Aktivmitgliedschaft die Medaille eines internationalen CISM-Veterans. Er will als Bassklarinettist weiterhin keine Probe verpassen und mindestens noch Eidgenössischer Ehrenveteran werden. Nach 70 Jahren Aktivmitgliedschaft wird es 2024 soweit sein.

Ganz besonders widmet sich Otti den Passivmitgliedern. Hunderte hat er in all den Jahren angeworben. Er ist auch für den Einzug der Beiträge verantwortlich. Ist der jährliche Termin gekommen, trägt er viele bereits ausgefüllte Karten «auf Mann». Trifft er in den Restaurants oder anderswo in der Öffentlichkeit ein Passiv-Mitglied, zückt er bald einmal mit gewinnendem Lächeln die entsprechende Karte – und sein «Opfer» ist um eine Zwanzigernote leichter. Weiter hat er seit 1985 für alle Konzert-Stücke einen Spender gefunden.

Nicht nur der Dorfmusik stellt Otti seine Dienste zur Verfügung. Währen 35 Jahren hat er Privaten, Vereinen und Organisationen seine eigene Lautsprecheranlage gegen ein meist bescheidenes Entgelt vermietet und installiert. Weiter amtete er seit 1981 bis vor kurzem als Materialverwalter der Kaffeehütte-Vereinigung. Oft funktionierte der Äschi Otti auch als Tombola-Chef. Von 1969 bis 2009 hat er bei insgesamt 21 Anlässen verschiedener Organisationen und Vereinen die Tombola von A bis Z organisiert. Dazu zählen grosse Veranstaltungen wie das Zentralschweizerische Jodlerfest 1988 und das Kantonalschützenfest 1989 in Alpnach. Insgesamt sind durch seine organisatorische Tätigkeit über 300000 Lose verkauft worden, wie ein Blick in seine «Buchhaltung» verrät.

2011 war ein schwieriges Jahr

«Ich bin noch keinen Tag lang krank gewesen», hatte der Otti bis vor acht Jahren immer wieder betont. Doch 2011 hat es ihn arg erwischt. Eine schwere Krankheit im Bereich der Gallenblase erforderte komplizierte Operationen und fesselte ihn während vieler Wochen ans Spitalbett. Doch sein Lebenswille blieb ungebrochen und er konnte in seine Wohnung im geliebten Heimwesen «Äschi» im Grunderberg zurückkehren.

Dort war er am 20. März 1938 geboren worden, dort ist er aufgewachsen und dort war er mit Ausnahme seiner Zürcher Wochenaufenthalte immer wohnhaft. Unter einem Dach wohnt im «Äschi» auch die Familie seines Bruders Sepp. Dazu gehören zwei Generationen Nachkommen, denen Otti ein stets hilfsbereiter und liebenswerter Onkel und Grossonkel ist. «Ich habe immer gerne im schönen und neuzeitlich eingerichteten Landwirtschaftsbetrieb im «Äschi» mitgearbeitet, auch wenn oft Heuen statt Ferien und Freitage angesagt war», blickt er sichtlich zufrieden auf viele gute Jahre zurück.

Verheiratet war der Äschi Otti nie. – Woher hätte er auch die Zeit dazu nehmen sollen, lautet die rhetorische Frage.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.