Der Bäcker backt, der Pöstler liefert: Frisches Brot per Post in Obwalden – und bald auch Nidwalden

«Brot-Post» ist eine Dienstleistung der Schweizerischen Post, die auch von der Obwaldner Bevölkerung genutzt wird. In Nidwalden soll es auch bald ein Angebot geben.

Romano Cuonz
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5 Uhr früh am Morgen: Beim Beck Berwert in der Schwendi ob Sarnen duftet es herrlich nach knusprigem Schwander Brot, Vollkornbrot, Weissbrot, Butterzopf und vielen andern Backwaren. Und jetzt kommt auch schon Bäckermeister Marco Berwert persönlich in die Backstube. Seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass all die Köstlichkeiten, die seine Mitarbeiter während der Nacht gebacken haben, zu den verschiedenen Verkaufsstellen im Sarneraatal gelangen – so frisch wie nur möglich.

Doch seit dieser Woche hat Marco Berwert noch eine zusätzliche Aufgabe. Einen Teil der Brotwaren verpackt er in Liefersäcke mit der Aufschrift «Naturel». «Wir verpacken das Brot in umweltfreundliches Seidenpapier, das auch die Feuchtigkeit reguliert», schildert Berwert die neue Arbeit.

Übergabe zwischen Bäcker Marco Berwert und dem «Pöschtler».

Übergabe zwischen Bäcker Marco Berwert und dem «Pöschtler».

Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 27. April 2020)

Oben auf den Papiersack klebe man jeweils eine Etikette mit Namen und Adressen der Kundinnen und Kunden. «In der heutigen Corona Zeit möchten wir Menschen der Risikogruppe helfen, die nicht selber in unseren Läden einkaufen können», erklärt der Bäckermeister. «Auch sie sollen ihr tägliches Brot knusprig ins Haus geliefert bekommen.»

Geliefert wird von Montag bis Freitag

Und so funktioniert es: In diesen Tagen flattert in die meisten Briefkästen des Sarneraatals ein Flyer. Dieser ist auch im Internet abrufbar. Auf dem Formular offeriert der Beck neun verschiedene Brotsorten – je nach Wunsch klein oder gross, einzeln oder als Abonnement. Kunden kreuzen die gewünschten Brote an und wählen auch die Wochentage, an denen sie geliefert werden sollen. Ausser Samstag und Sonntag ist jeder Tag möglich.

Wenn die Liefersäcke bereit sind, fährt Berwert damit – immer noch frühmorgens – zu den Post-Logistikzentren in Sarnen und Alpnach. Dort übernehmen die Zustellbeamten die Brotpakete und legen sie wie die Briefe und Pakete in ihre Elektro-Zustellfahrzeuge. Und los geht’s, so rasch wie möglich zur Kundschaft.

Einer der erfahrensten Sarner Zustellbeamten – in der Bevölkerung braucht man für die geschätzten Berufsleute meist noch Begriffe wie Pöstler oder Briefträger – ist Walter Berwert. «In einer Zeit, wo die Briefpost seltener wird, ist die Schweizerische Post auf neue Dienstleistungen angewiesen», sagt er. Als zusätzliche Belastung empfindet er die Zustellung von frischem Brot keineswegs. «Wir legen die Liefersäcke in die Milchkästen oder vor die Haustür», schildert Walter Berwert die neue Arbeit. Social Distancing halte man in Zeiten von Corona strikte ein.

Früher kam der Milchmann vorbei

A propos frisches Brot im Milchkasten: Da werden Erinnerungen wach. Von den 1950er bis noch zu den 1960er-Jahren verdiente der Milchkasten seinen Namen wirklich. Privatpersonen besassen damals selten Autos. So fuhr der Milchmann täglich mit einem Lieferwagen von der Molkerei in die Aussenquartiere. Weil Produkte kühl bleiben sollten, benutzte er jeweils eine Trillerpfeife, um die Kundschaft auf sich aufmerksam zu machen. Aber selbst der Bäcker fuhr bei uns – meist mit einem schwarzen Velo Solex – noch vors Haus. Das frische Brot trug er in einer für Obwalden typischen «Tschifärä» am Rücken. Gegenwärtig – mit all den Einschränkungen durch Covid-19 – greift man gerne wieder auf solche, in neuer Zeit wegrationierte Dienstleistungen zurück.

Gestartet hat Marco Berwert das Angebot für Obwalden erstmalige Angebot mit vorerst einmal zehn Kunden diese Woche. Doch es werden sicher bald schon mehr sein. Zur Rentabilität meint Berwert: «Es ist ein sorgfältig kalkuliertes Miteinander von Post und Bäckereien.» Der Kunde bezahle für die Zustellung einen Aufpreis in verträglichem Rahmen. Rein betriebswirtschaftlich gesehen aber wäre der Verkauf im Laden nach wie vor gewinnbringender. Nicht beliefern wird die Bäckerei Berwert die südlichen Obwaldner Gemeinden Giswil und Lungern. Dort wäre Bäckermeister Hans Vogler (Sunnis Bäckerei Lungern) zuständig. Dieser aber stellt fest: «Ich bediene meine Kundschaft lieber in den Verkaufsläden in Lungern, Obsee, Hasliberg und Giswil.»

Auch Nidwaldner sollen profitieren

Hingegen werden binnen kurzem auch ganz Nidwalden und Engelberg erstmals in den Genuss dieser Dienstleistung der Schweizerischen Post gelangen. Der Nidwaldner Bäckermeister Thomas Christen sagt: «Wir haben festgestellt, dass auch bei uns grosses Interesse an der ‹Brot-Post› besteht.» Bereits stehe man in Verhandlungen mit der Post und dem Logistikzentrum in Buochs. Und Christen verspricht: «Damit sollten auch wir binnen der nächsten paar Wochen bereit sein für dieses Angebot.»

Hinweis: Informationen zum Service, den verschiedenen Brotsorten und Lieferbedingungen gibt es unter www.brot-post.ch/beckberwert.