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Der Borkenkäfer hat wenig Appetit auf Ob- und Nidwaldner Wälder

Der Schädling ist in der Schweiz im Vormarsch. In Obwalden gab es 2018 jedoch nur zehn Prozent mehr Käferholz als im Vorjahr, in Nidwalden ist die Menge konstant gering.
Marion Wannemacher
Borkenkäfer fressen sich durch eine Baumrinde. Auch ihre Larven hinterlassen sie im Holz. (Bild: Pius Amrein (24. August 2018))

Borkenkäfer fressen sich durch eine Baumrinde. Auch ihre Larven hinterlassen sie im Holz. (Bild: Pius Amrein (24. August 2018))

Es klingt alarmierend: Der Borkenkäfer hat im vergangenen Jahr in der Schweiz für doppelt so grosse Schäden wie im Jahr davor gesorgt, meldet die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL. Stürme im Januar wie Burglind oder Friederike boten eine entsprechende Ausgangslage. Denn der Borkenkäfer befällt gern von Stürmen gefälltes Fichtenholz. Regional fiel die Zunahme des vom Borkenkäfer geschädigten Holzes sehr unterschiedlich aus: In der Ostschweiz, dem Jura und im Mittelland wurde eine Zunahme bis um die zwölffache Menge registriert.

Zum Glück war es in Obwalden nicht so schlimm, wie Kantonsoberförster Roland Christen ausführt. «2018 hatten wir eine Zunahme von Käferholz von 10 Prozent», hält er fest. Während es 2017 noch 3350 Kubikmeter waren, fielen vergangenes Jahr 3710 Kubikmeter an. Allerdings ist dies auch der höchste Stand seit 2007.

Käferfallen ermöglichen schnelles Eingreifen

Im Verhältnis zur durchschnittlichen Nutzungsmenge an Holz im Jahr sei der Anteil von Käferholz also eigentlich kein Problem: «Von der Gesamtmenge von 60 000 Kubikmetern pro Jahr sind es lediglich fünf Prozent», betont Roland Christen.

Auch im Kanton Nidwalden war der Borkenkäfer vergangenes Jahr kein grosses Problem: Bei einer durchschnittlichen Nutzung von rund 25 000 Kubikmetern Holz entfielen im vergangenen Jahr lediglich 500 Kubikmeter auf vom Borkenkäfer befallenes Holz. «Das ist so gut wie nichts», kommentiert Kantonsoberförster Rudolf Günter. Auch in den vergangenen Jahren war der Borkenkäferbefall konstant niedrig. 2017 fielen nur 400 Kubikmeter und 2016 gar nur 250 Kubikmeter Schadholz durch den Käfer an. Allerdings habe der Kanton Nidwalden auch eine günstigere Ausgangslage als der Nachbarkanton, betont Günter. Der Borkenkäfer befalle Fichten, «und die haben wir zwar auch, aber eher in mittleren und höheren Lagen und nicht so grossflächig. Das ist topografisch bedingt».

Ernst genommen wird die Gefahr durch den kleinen Schädling aber auch hier. «Gegen die Stürme können wir nichts machen, gegen die Folgeschäden für den Wald aber schon», sagt Rudolf Günter. Zum einen setze man vor allem in den unteren Lagen auf standortgerechte Diversifizierung der Baumarten, also auf einen stabilen, artenreichen Mischwald. Ausserdem müsse nach einem Ereignis das Käferholz schnell abtransportiert oder in schwer zugänglichen Lagen zumindest entrindet werden. Dank der Überwachung durch die Revierförster könne man rechtzeitig eingreifen, wenn sich der Borkenkäfer verbreite. Dazu werden auch Käferfallen genutzt, die sich von einer auf die andere Woche plötzlich füllen könnten. Wenn dies vorkomme, sei ein schnelles Eingreifen in der näheren Umgebung gefragt.

Das sieht der Kollege aus Obwalden auch so. Prioritär werde Sturmholz zuerst in den tieferen und später in den höheren Lagen aufgearbeitet und abtransportiert, sagt Roland Christen. Der entscheidende begünstigende Faktor für den Schädling sei das Wetter. Durch den heissen Frühling und Sommer 2018 habe es statt der sonst üblichen zwei Generationen Borkenkäfer im Mittelland gar drei gegeben.

Der Wald hat unter der Trockenheit gelitten

Roland Christen sieht einen direkten Zusammenhang des Klimawandels mit dem Aufkommen des Borkenkäfers. «Es gibt unzählige Untersuchungen dazu, wie der Klimawandel auf die Zusammensetzung der Waldbestände Einfluss haben wird. Die Fichte in tieferen Lagen wird anteilsmässig stark abnehmen und stattdessen durch trockenheitsresistentere Baumarten, wie beispielsweise die Eiche, ersetzt», schätzt er. Es werde klimaresistente Bäume brauchen, bekräftigt auch Rudolf Günter. «Die Fichte wurzelt flach, nicht in die Tiefe, sondern in die Breite. Die Weisstannen und die Eichen können Wasser dagegen metertief aus dem Boden ziehen und leiden bei oberflächlicher Trockenheit weniger».

Die Kantonsoberförster warten gespannt auf die Wetterentwicklung dieses Jahres. Denn der Wald hat unter der Trockenheit gelitten. «Optimal wäre ein schön feuchtes Klima mit genügend Niederschlägen und über Wochen und Monate Temperaturen von nicht über 25 bis 30 Grad», so Christen. Und Günter erklärt: «Ein vitaler Baum ist von der Konstitution her für den Borkenkäfer schwieriger zu attackieren. Er kann einen Käferbefall durch Harzfluss besser abwehren als ein geschwächter Baum.»

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