Der Engelberger Seilziehpionier erlebte viel Spannendes

Hans Bünter gehörte in den 70er- und 80er-Jahren zu den Pionieren der erfolgreichen Schweizer und der Engelberger Seilziehszene.

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Hans Bünter feuert als Coach seine Teamkollegen vom Seilziehclub Engelberg an. (Bild: PD)

Hans Bünter feuert als Coach seine Teamkollegen vom Seilziehclub Engelberg an. (Bild: PD)

Hans Bünter heute (Bild: Franz Hess)

Hans Bünter heute (Bild: Franz Hess)

«1964 lud mich der Luzerner Hotelier Fugi Fuchs nach Cork in Irland ein, um einem Seilziehwettkampf beizuwohnen. Diese Sportart faszinierte mich von Beginn weg, und ich wurde vom Seilziehvirus infiziert», beschreibt der heute 69-jährige Hans Bünter den Start in die Seilzieherszene. Für den jungen Burschen, welcher 1943 im Eienwäldli in Engelberg geboren wurde, galt eigentlich die grosse Liebe dem Skisport. Er nahm regelmässig mehr oder weniger erfolgreich an Rennen teil. Der Start an der Lauberhornabfahrt 1962 war eines seiner eindrücklichsten Erlebnisse. Nebenbei bildete er sich noch zum Skilehrer und Skilehrerexperten aus.

Erste WM-Medaille im Jahre 1975

1965 starteten die Engelberger Seilzieher (alle amtierende Skilehrer) mit ein paar seilziehverrückten Beckenriedern die Seilzieh-Ära der Schweiz. Es wurde wöchentlich intensiv und motiviert trainiert. Schon bald wurde eine «Nationalmannschaft» gebildet, die für die Europameisterschaften in England (Crystal Palace) aufgeboten wurde. Das Team unter Leitung von Hans Bünter kehrte nicht gerade ruhmreich zurück: Es holte keinen Punkt. Aus dieser Erfahrung lernte man schnell und begann intensiver und gezielter zu trainieren. 1970 verbreitete das Radio am Mittag die Nachricht, dass die Engelberger Skilehrer den ersten Schweizer Seilziehclub gegründet hätten, worauf dann alle fanden, dass es an der Zeit wäre, einen Club zu gründen, erzählt Hans Bünter lachend. Zu den Gründungsmitgliedern zählten neben ihm noch Theddy Amstutz, Sepp Bünter, Markus Galliker, Ruedy Michel, Gerhard Schupp, Emil Feierabend, Jean-Pierre Holzer, Orlando Senn und Fredy Waser.

Der Seilziehclub Engelberg wurde damit vor dem nationalen Verband gegründet, dieser wurde erst 1976 aus der Taufe gehoben. 1975 in Holland errangen die Engelberger mit der Unterstützung der Wolfenschiesser den Vizemeistertitel mit der 720-Kilo-Mannschaft. Der Siegeszug der Seilzieher war damit nicht mehr aufzuhalten und gipfelte mit dem ersten Platz bei der 720-Kilo-Klasse an den World Games 1981 im amerikanischen Santa Clara. Bünter war immer als Trainer und Coach dabei. Das Highlight der Trainer-Karriere war der Schweizer-Cup-Wettkampf in Wolfenschiessen zwischen Engelberg und Oberdorf. «Es war wie in einem Hexenkessel. Der Wettkampf wurde vor grossem Publikum durchgeführt, und es waren grosse Emotionen im Spiel unter einer explosiven Stimmung. Etwas ganz Spezielles», so Hans Bünter.

Anzahl Medaillen? «Einige»

Auf die Frage, wie viele Europa- und Weltmeistermedaillen er errungen habe, antwortet er. «Das kann ich nicht genau sagen, aber es müssten einige sein. Medaillen sind das eine, aber für mich war der Seilziehsport weit mehr. Es war eine Lebensschule, auch mit meinen Kameraden, mit denen ich viele spannende Momente erleben durfte. Die Arbeit mit jungen Menschen faszinierte mich. Ein Team zu motivieren und zu Höchstleistungen zu treiben, auch in schwierigen Situationen, war grandios.»

Vom Seilzieher zum Trainer

Der gelernte Maschinenmechaniker Hans Bünter begann nach der Aktivkarriere als Skilehrer und Seilzieher 1980 den dreijährigen Nationaltrainer-Diplom-Lehrgang 1 und 2 beim Nationalen Komitee für Elitesport in Magglingen. Als Diplomarbeit erstellte er den Informationsfilm «Mit 32 Metern Seil – vom Spiel zum Sport», wo er unter anderem die verschiedenen Trainingsmöglichkeiten im Seilziehen und im Leistungssport aufzeigte. Im zweiten Lehrgang war die Diplomarbeit ein Trainerhandbuch. Ab 1978 amtete er bis 1983 als Nationaltrainer der Schweizer Seilzieh-Nationalmannschaft. «Ich konnte in dieser Zeit viele gute Verbindungen knüpfen, so etwa mit Jean-Pierre Egger, dem grossen Krafttrainingsexperten der Schweiz, welcher neben dem Alinghi-Segelteam auch die heute weltbeste Kugelstösserin Valerie Adams betreut.» Als Besonderes bezeichnet Hans Bünter den Aufenthalt in Südafrika und Israel, 1979 und 1981, wo er je drei Monate lang die Armee sowie die Polizeiteams für den Seilziehsport ausbilden durfte.

Freund der Wanderwege

Nachdem Hans Bünter sich intensiv dem Sport, insbesondere dem Seilziehsport, gewidmet hatte, suchte er eine weitere Herausforderung. Diese fand er 1984 als Geschäftsleiter der Luftseilbahn Engelberg–Brunni, wo er bis zu seiner Pensionierung tätig war. In der wieder gewonnenen Freizeit versucht er wieder vermehrt Sport zu treiben. Im Weiteren engagiert er sich im Verein der Brunnifreunde für die Pflege der Wanderwege. Zum Seilziehsport hat er nur noch wenig Kontakt, und wie er selber berichtet, «konnte ich mich in der Zeit als Geschäftsführer der Brunni-Bahnen nur noch beschränkt anderen Dingen widmen, und so brach der Kontakt leider etwas ab».

Franz Hess