Der gechippte Mensch war Thema an der Kanti Sarnen

Kann der Mensch mit der Technik verschmelzen? Darüber wurde an der Kanti Sarnen mit Fachleuten diskutiert.

Kurt Liembd
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Tobias Eichinger von der Universität Zürich, Transhumanist Mike Schaffner und Daniel von Wyl von der Maxon (von links) im Gespräch nach dem Podium. (Bild: Kurt Liembd, Sarnen, 14. November 2019)

Tobias Eichinger von der Universität Zürich, Transhumanist Mike Schaffner und Daniel von Wyl von der Maxon (von links) im Gespräch nach dem Podium. (Bild: Kurt Liembd, Sarnen, 14. November 2019)

Für die einen ist er ein Freak, für andere ein Pionier. Mike Schaffner (28) trägt mehrere Mikrochips unter der Haut. Damit öffnet er unter anderem seine Haustüre, entsperrt das Handy und tauscht Kontaktdaten aus. Und er hofft, damit noch viel mehr bewerkstelligen zu können und vielleicht sein Leben zu verlängern.

Mehr Lebensqualität dank Implantaten

Am Donnerstag war er zu Gast an der Kantonsschule Sarnen anlässlich eines Podiumsgesprächs, zusammen mit Daniel von Wyl, Vorsitzenden der Geschäftsleitung der maxon AG in Sachseln und Tobias Eichinger, Oberassistenten am Institut für Biomedizinische Ethik und Medizingeschichte an der Universität Zürich. Fast 100 Zuhörer, darunter viele Kantischüler, interessierten sich für das Thema «Mensch und Maschine». Organisiert wurde das Gespräch im Rahmen des Philosophie-Unterrichts von den Lehrern Manuel Bhend und Thomas Peter.

Zurück zu Mike Schaffner. Er bezeichnet sich als Transhumanisten, als einen Menschen, der sich im Übergang befindet von «human» hin zum Technischen. «Bereits als Kind habe ich davon geträumt, Menschen mit Maschinen zu vereinen», sagt der gebürtige Basler. Läuft alles nach Plan, möchte er zum Beispiel aus seinen Menschenaugen Adleraugen machen. Mit einer Operation sollen seine natürlichen Linsen durch künstliche ersetzt werden. Damit könnte er dreimal besser sehen, als es für einen Menschen von Natur aus möglich ist.

Skeptisch äusserte er sich nur bei Implantaten im Gehirn, die zum Beispiel künstliche Erinnerungen erzeugen könnten. In Schaffners Vorstellung könnte der Mensch sogar unsterblich werden: «Ich liebe das Leben, weshalb sollte ich nicht alles dafür tun, es so lange wie möglich mit möglichst hoher Lebensqualität geniessen zu können?»

Modernste Technik versus Ethik

Ein anderes Menschenbild vertrat Tobias Eichinger. Er verwies auf ethische Aspekte: «Darf und soll der Mensch überhaupt seine eigene Evolution in die Hand nehmen?» Man müsse sich fragen, ob es Aufgabe der Medizin sei, alle Verbesserungswünsche zu erfüllen. Auf grosses Interesse stiess das Thema auch bei Daniel von Wyl von der Firma maxon AG. «Unsere Firma kümmert sich wenig um ethische Fragen, allein die Bedürfnisse unserer Kunden stehen im Vordergrund», so von Wyl. Gleichwohl zeigte er sich kritisch zur Verschmelzung von Mensch mit Maschine. «Ich finde es sehr heikel, wenn der Mensch nicht mehr alleine entscheidet». Zudem gab er zu bedenken, dass auch Implantate ein Verfalldatum haben und eine Zweiklassen-Gesellschaft zu befürchten sei.

Im Rahmen ihres Philosophie-Unterrichts trugen Schüler Statements vor. Dabei zeigte sich, dass die Teenager recht kritisch eingestellt sind. So etwa der 16-jährige Marvin Hard aus Alpnach. «Ich finde, es entspricht nicht der Natur des Menschen. Man muss nicht dauernd neue Technologien erfinden, nur um einige Minuten zu sparen». Zudem befürchte er, implantierte Chips könnten der Gesundheit schaden. Er habe jedoch grosses Verständnis dafür, wenn Technik Invaliden helfe, mehr Lebensqualität zu erhalten.