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Kolumne

Der Geist von damals fehlt

Redaktor Philipp Unterschütz in seinem "Blitzlicht" über Solidarität im Wandel der Zeit.
Philipp Unterschütz
Philipp Unterschütz.

Philipp Unterschütz.

50 Jahre sind doch eigentlich gar keine so lange Zeit. Oder vielleicht doch? Fest steht, dass die Welt in dieser Zeit eine andere geworden ist. Diese Woche bin ich etwas ins Grübeln geraten wegen eines Artikels, den ich schreiben durfte. Es war die Geschichte von Erika Blöchlinger, der Frau aus Ennetbürgen, die vor 50 Jahren mit ihrer Aktion zu Gunsten der Flüchtlinge aus der Tschechoslowakei der Solidarität in der ganzen Schweiz ein Gesicht gab. Ein tolles Beispiel, wie sich jemand aktiv für andere einsetzt. Auch 50 Jahre später – der Verlauf der Aktion mit den Wimpelverkäufen ist zeitlos beeindruckend.

Doch wären für Flüchtlinge derartige Solidaritätsbekundungen der ganzen Schweiz, wie sie sich bei Erika Blöchlingers Wimpelverkauf zeigten, heute überhaupt noch möglich? Würden Flüchtlingsgruppen noch mit derart offenen Armen empfangen? So unangenehm es mir ist, ich glaube, die Antwort ist zwei Mal Nein. Wohlverstanden, es geht nicht um Geldsammlungen, da hilft man hierzulande nach wie vor, wo es geht. Es geht um die Gefühls­lage, um die Stimmung, die damals herrschte.

Die Welt hat sich geändert – und wir sind abgestumpfter und misstrauischer gegenüber Missbrauch geworden. Jede grausige Meldung erreicht uns in Kürze und es gibt viel zu viele davon, um sie noch richtig einordnen zu können. Kamen früher einige tausend Flüchtlinge aus unserem Kulturkreis, sind heute Kontinente in Bewegung. Nach den Kriegs- kommen die Wirtschafts- und bald die Klimaflüchtlinge. Beim Blick auf die Weltlage weist wenig darauf hin, dass sich rasch etwas bessert. Um etwas zu bewegen, würde es weltweit mehr vom Geist dieser Solidarität brauchen, wie er damals nach dem Prager Frühling hierzulande herrschte.

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